Mit unbedachten öffentlichen Äußerungen schrieb die Band Culcha Candela negative Schlagzeilen. Beim Esslinger Burgfest begeisterte ihre internationale Show das Publikum.

Der Dauerregen tat der heißen Stimmung beim Auftritt der Berliner Band Culcha Candela keinen Abbruch. Die Sänger Mateo Jasik und John Magiriba Lwanga fanden schnell einen Draht zum Publikum: „Heute sind wir alle Esslingen.“ Da jubelten die Musikfans aller Generationen. Dass die Musiker wegen unbedachter öffentlicher Äußerungen immer mal wieder Negativ-Schlagzeilen schreiben, nahm ihnen keiner im Publikum übel.

 

2020 war Culcha Candela wegen Kritik an den Corona-Beschränkungen ins Fettnäpfchen getreten. Anfang dieses Jahres hatte ihre ebenso rüde wie arrogante Absage an eine 17-Jährige für Aufsehen gesorgt, die die Band „aus Spaß“ für einen Auftritt bei ihrem 18. Geburtstag angefragt hatte. Das hat ihrem Image geschadet. Auf der Bühne verbreitet die Band, die Musik und Tanz zu einem wunderbaren Ganzen verschmelzen lässt, ihre Botschaft von Liebe und Verständnis so überzeugend, dass man solche öffentlichen Ausrutscher kaum glauben mag. Der Song „Cool mit mir selbst“, in dem es um Selbstliebe und gegen Hass im realen Leben wie auch im Netz geht, ist da Programm. „Die Hater sind mit sich selbst unzufrieden“ rief Mateo Jaschik ins Publikum und erntete großen Applaus.

Selbstbewusste Stimme für queere Menschen

Vor rund 2600 Gästen bescherte die Band den Veranstaltern des Burgfests einen gelungenen Abschluss. Arnulf Woock zog nach den fünf Konzerten eine sehr positive Bilanz. Culcha Candela brachten das Publikum in Regencapes und dicken Anoraks mit ihrem Auftritt in Bewegung. Zuvor hatte die queere Band Willman das Publikum mit ungewöhnlichem Rap und Elektropop in Stimmung gebracht. Rap und Elektropop ist ihr Stil. In ihren Songs geht es darum, junge Menschen fürs Leben stark zu machen. Non-binären Menschen, die sich in der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen, geben sie eine selbstbewusste Stimme.

Tanz und Musik verschmelzen in der Show von Culcha Candela. Foto: Roberto Bulgrin

Da passten sie gut zum Hauptact des kühlen Sommerabends auf der Esslinger Burg. In „Berlin City Girl“ von Culcha Candela geht es um starke Frauen: „Sie ist die Axt im Wald, so Bombe, dass es knallt.“ Das Bild von starken, frechen Frauen kommt in den HipHop-Rhythmen ebenso gut rüber wie das Lebensgefühl einer jungen Generation, die Party liebt. Dieses selbstbewusste Frauenbild vermittelt auch das etwas andere Liebeslied „Wildes Ding“.

Dass die Bandmitglieder und die Tänzerinnen internationale Wurzeln haben, ist in jedem Takt zu spüren. Europäische, afrikanische und lateinamerikanische Elemente fließen in die Musik ein. In der zweistündigen Show entfacht die Band ein Feuerwerk schneller Rhythmen von Salsa über HipHop bis Rap. Die Tänzerinnen sind aus den aufwendig in Szene gesetzten Auftritten von Culcha Candela nicht wegzudenken. Dabei ist die Botschaft ihrer Songs manchmal gar zu einfach, wie die neue Single „Das Leben ist ‚ne Party“ verrät. In Zeiten von Kriegen und Krisen macht die Band, deren Mitglieder seit 30 und mehr Jahren auf der Bühne stehen, den Menschen Mut. Positive Vibes werdenb da dringender gebraucht denn je.

Atemberaubende Show mit Tanz und Musik

Musikalisch setzt die Band auf den bewährten Stil, für den das Publikum sie liebt. Manche Arrangements ähneln einander, die Songs von Culcha Candela sind unverkennbar. Auf der Bühne bieten die Künstlerinnen und Künstler dazu eine atemberaubende Show, die vom Tanz geprägt ist. Dieser Mix macht die Qualität des internationalen Musikprojekts aus, das seit Jahren erfolgreich ist und ein Publikum aller Generationen mitreißt. Auf der Bühne tanzen alle mustergültigen Salsa.

Die Fans von Culcha Candela trotzten dem Regen. Foto: Roberto Bulgrin

Bis zu den Zugaben musste das Publikum auf die großen Hits von Culcha Candela warten. „Hamma“ aus dem Jahr 2007 stand einst auf Platz eins der deutschen Hitparaden und wird heute noch viel gespielt. Die Liebeserklärung an die Liebe ist ein echter Ohrwurm, auch wenn der Text denkbar einfach ist: „Hamma, wie Du Dich bewegst in dem Outfit. Hamma, einfach fantastisch, unglaublich.“ Das gilt auch für „Monsta“ (2009), mit dem die Band das Konzert beendete. Da sangen die Fans im Publikum die ersten Zeilen sogar ganz alleine. Die Band hielt nur noch das Mikro in die Menge.

Politische Botschaften auf den zweiten Blick

Politische Botschaften verkauft Culcha Candela in den Songs nur auf den zweiten Blick. Die Weltkugel im Emblem der internationalen Gruppe zeigt, dass es ihnen um Vielfalt geht. Das zeigt ihr soziales Engagement auch jenseits der Bühne. Den Bau und Betrieb einer Berufsschule hat John Magiriba Lwanga, auch bekannt als Johnny Strange, angestoßen. Für den Verein Africa Rise, der das Projekt betreut, sammelte die Band auch in Esslingen spenden. Das Konzert endete mit einem Appell der Musiker an das Publikum gegen Rassismus und Hass.

Positive BIlanz

Glück mit dem Wetter
Bis auf den letzten Abend hatten die Veranstalter des Esslinger Burgfests Glück mit dem Wetter. Doch auch bei Regen zauberten Culcha Candela eine tolle Stimmung auf die Esslinger Burg. Mit 2500 Zuschauern am ersten Abend bei Takida, ausverkauftem Haus bei BAP, knapp 4000 Gästen bei Parov Stelar und 2600 Zuschauern bei Culcha Candela ist Arnulf Woock, Sprecher des Music Circus, sehr zufrieden.

Gelungene Premiere
Der Auftritt von Gregor Hägele und der Band Rikas war mit 1500 Gästen nicht so gut besucht wie gewünscht – allerdings musste das Konzert für ein junges Publikum mit dem CSD und dem Auftritt von Iron Maiden in Stuttgart konkurrieren. Dennoch spricht Arnulf Woock von einer gelungenen Premiere: „Wir wollen im nächsten Jahr auf diesem Weg weitergehen.“