Curevac liefert Impfstoff erst später Curevac gerät ins Hintertreffen

Forschung mit Hochdruck: Die Curevac-Labors in Tübingen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Forschung mit Hochdruck: Die Curevac-Labors in Tübingen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Der Impfstoff aus Tübingen ist vorerst nicht in der deutschen Impfkampagne verplant. Noch fehlt die Zulassung. Für Baden-Württemberg gibt es dennoch gute Nachrichten.

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Stuttgart/Berlin - Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac gerät wegen Komplikationen bei der Zulassung seines Corona-Impfstoffs zunehmend unter Druck. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant in der laufenden Impfkampagne bis auf Weiteres nicht mehr mit dem Präparat, wie ein Sprecher am Freitag in Berlin sagte. „Wir können den Impfstoff erst einplanen, wenn er zugelassen ist“, sagte der Sprecher. Das Verfahren liege bei der Europäischen Arzneimittelagentur (Ema), dort werde Curevacs Zulassungsstudie geprüft. „Wir haben noch keine festen Zusagen für Lieferungen.“ Wenn die Zulassung vorliege, werde Curevac in die Impfkampagne einbezogen.

Die Curevac-Aktie gibt nach

Nach Angaben der baden-württembergischen Regierung hatte Spahn jüngst bei einem Treffen mit seinen Länderkollegen deutlich gemacht, dass die Ema nicht mit einer Zulassung vor August rechne. Curevac hatte im Frühjahr auf eine Freigabe im Mai gehofft. Die Bundesregierung plante für das zweite Quartal die ersten Impfungen mit dem Stoff ein. Spahns Sprecher sagte am Freitag, für dieses Quartal seien 1,4 Millionen Dosen aus den Planungen gestrichen worden. Auf der Homepage des Ministeriums taucht der Impfstoff im Lieferplan für 2021 nicht mehr auf.

Die Vorgänge machen auch der Curevac-Aktie zu schaffen. Bis Freitagnachmittag büßte sie mehr als acht Prozent ihres Werts ein. Das Unternehmen wollte sich am Freitag nicht äußern. Älteren Angaben zufolge gibt es Probleme bei der Einreichung finaler Datensätze, die die Ema von Curevac verlangt. Im Rahmen der entscheidenden klinischen Studie sollen bisher nicht genügend Corona-Infektionen unter den Teilnehmern aufgetreten sein. Curevac hofft, bis Ende Juni die Daten zusammenzubekommen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm das Unternehmen gegen Kritik in Schutz. Dass die Entwicklung nun länger als geplant dauere, zeige, wie kompliziert die Entwicklung der Corona-Impfstoffe sei.

Der Südwesten bekommt mehr Impfstoff

Die Europäische Union hat sich von dem Curevac-Impfstoff bis zu 405 Millionen Dosen gesichert. Ob Curevac in der laufenden Impfkampagne noch in nennenswertem Umfang zum Zuge kommt, erscheint fraglich. In Deutschland ist inzwischen rund ein Viertel der Bevölkerung vollständig geimpft, knapp die Hälfte hat zumindest eine Dosis erhalten. Pro Kalenderwoche werden derzeit rund 2,5 Millionen Dosen bereits zugelassener Impfstoffe an die Bundesländer geliefert. Allerdings könnte das Curevac-Vakzin eine wichtige Rolle spielen, falls später Auffrischungsimpfungen fällig werden.

Der Curevac-Impfstoff basiert wie der von Biontech/Pfizer und Moderna auf der mRNA-Technologie. Die Entwicklung aus Tübingen galt in der Frühphase der Pandemie als besonders vielversprechend. Vor einem Jahr stieg der Bund ein und sicherte sich für 300 Millionen Euro rund ein Viertel der Anteile.

Baden-Württemberg bekommt derweil kurzfristig mehr Impfstoff. Da die Arztpraxen in Bayern und Baden-Württemberg in den beiden Wochen nach Pfingsten deutlich weniger Impfstoff des Herstellers Biontech bestellt hatten, als nach dem Bevölkerungsschlüssel möglich gewesen wäre, bekommen beide Länder nun ab dem 28. Juni einen Ausgleich. In Baden-Württemberg geht es um 52 600 zusätzlichen Dosen. Damit beträgt dort die gelieferte Gesamtmenge an Biontech-Impfstoff in der 26. Kalenderwoche 263 250 Dosen.




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