Curling wirkt für viele wie Schach auf Eis – bis plötzlich zwei Athleten hektisch mit Besen vor einem Stein herlaufen. Was nach Putzen aussieht, ist in Wahrheit eine entscheidende Technik, um Tempo und Richtung zu steuern.
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo rückt Curling wieder in den Mittelpunkt. Das Finale der Männer findet am 21. Februar um 19:05 Uhr statt, das Finale der Frauen am 22. Februar um 11:05 Uhr.
Austragungsort ist das Cortina Curling Olympic Stadium, das in den Dolomiten liegt und eine besondere Geschichte hat: Es wurde ursprünglich für die Olympischen Spiele 1956 in Cortina d’Ampezzo gebaut. Damals diente es als Bühne für die Eröffnungsfeier und die Eiskunstlauf-Wettbewerbe. 2026 wird es nun zur Curling-Arena.
Was ist Curling eigentlich? Das Grundprinzip kurz erklärt
Curling ist ein Präzisionssport, der auf den ersten Blick simpel wirkt: Zwei Teams versuchen, ihre Steine möglichst günstig in einem Zielkreis – dem sogenannten „House“ – zu platzieren.
Gespielt wird in mehreren Durchgängen, den sogenannten Ends. Ziel ist es, am Ende eines Ends mehr Steine näher am Zentrum („Button“) zu haben als der Gegner. Je nach Lage können Punkte gesammelt werden.
Dabei geht es nicht nur um Genauigkeit, sondern auch um Taktik: Steine können als Blockade genutzt, Gegnersteine herausgeschossen oder strategisch vor dem Ziel platziert werden. Curling ist deshalb eine Mischung aus Technik, Teamwork und Planung.
Wichtig ist auch das Material: Der Curlingstein besteht aus einem seltenen, besonders dichten Granit, der traditionell in Schottland abgebaut wird.
Historisch hat der Sport dort ohnehin seine Wurzeln. Der erste Curling Club wurde 1716 in Schottland gegründet.
Warum wird beim Curling gewischt?
Das Wischen ist keine Nebensache – es ist eine der wichtigsten Stellschrauben im gesamten Spiel.
Wischen macht das Eis schneller: Beim Wischen entsteht Reibung. Dadurch wird die Oberfläche des Eises minimal erwärmt und geglättet. Der Stein trifft dann auf weniger Widerstand und kann weiter gleiten. Das bedeutet: Wer wischt, kann beeinflussen, ob der Stein früh stoppt oder noch einige Meter weiterläuft.
Wischen beeinflusst die Richtung: Curlingsteine laufen nicht geradeaus, sondern „curlen“, also ziehen in einem Bogen. Das liegt an Rotation und Reibung zwischen Stein und Eis. Durch Wischen kann dieser Effekt reduziert werden: Der Stein läuft dann gerader bzw. in die gewünschte Richtung. Gerade in engen Spielsituationen ist das entscheidend, denn oft geht es um Zentimeter. Ein Stein wird zwar mit einem Plan gespielt, doch sobald er unterwegs ist, beginnt die Korrektur. Wischen ist die Möglichkeit, noch während der Bewegung einzugreifen.
Es entscheidet über Sieg oder Niederlage: In einem Spiel auf Topniveau ist kaum ein Stein „unwichtig“. Ein minimal zu kurzer Stein kann eine komplette Taktik zerstören. Ein minimal zu weiter Stein kann dem Gegner eine perfekte Chance eröffnen. Genau deshalb sind die Wischer im Team so wichtig: Sie retten Steine, verlängern Laufwege und sorgen dafür, dass ein Plan überhaupt aufgeht.
Erfolgreiche Curling-Nationen: Kanada führt das Ranking an
Im olympischen Curling zählen einige Länder seit Jahren zur Weltspitze. Besonders dominant ist Kanada: Das Land gewann bislang 11 olympische Medaillen (sechsmal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze).
Dahinter folgen Schweden mit neun Medaillen (dreimal Gold, dreimal Silber, dreimal Bronze) sowie Großbritannien mit vier Medaillen (zweimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze).
Diese Nationen gelten auch für 2026 als Favoriten – zumal Curling in Kanada und Skandinavien einen ganz anderen Stellenwert besitzt als in vielen anderen Ländern.
Deutschland: Curling bei Olympia 2026
Aus deutscher Sicht gibt es 2026 einen Grund zur Hoffnung: Zum ersten Mal seit Sotschi 2014 wird wieder ein deutsches Herren-Team bei Olympischen Spielen dabei sein.
Die Mannschaft um Skip Marc Muskatewitz sicherte sich das Olympiaticket bei der Weltmeisterschaft in Kanada. Zuvor hatte das Team bereits einen historischen Erfolg gefeiert: Im November 2024 holte Deutschland nach 20 Jahren wieder einen Europameistertitel.
Zum deutschen Kader gehören neben Muskatewitz Johannes Scheuerl, Felix Messenzehl, Benjamin Kapp und Mario Trevisiol.