Cybermobbing aus dem Schulcomputer Mobbing per Todesanzeige

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14-jährige an einer Nördlinger Realschule sind seit Monaten die Zielscheibe von Handy-Attacken.

Cybermobbing ist in der Schule zum Problem geworden. Foto: dpa/Armin Weigel
Cybermobbing ist in der Schule zum Problem geworden. Foto: dpa/Armin Weigel

München - Mobbing an deutschen Schulen ist schon fast alltäglich, mit der flächendeckenden Verbreitung von Messenger-Diensten à la WhatsApp sowieso. Das deutsche „Bündnis gegen Cyber-Mobbing“ berichtet, 13 Prozent aller Schülerinnen und Schüler seien allein von solchen Smartphone-Attacken betroffen. In absoluten Zahlen wären das 1,4 Millionen.

Ein besonders gruseliger Fall hat sich nun im bayerisch-schwäbischen Nördlingen ereignet. Die „Augsburger Allgemeine“ druckte am Freitag vergangener Woche eine Todesanzeige: „Wir vermissen unseren lieben Freund, der plötzlich und unerwartet von uns ging.“ Darunter die Namen von vier Trauernden. Dabei ist der mit vollem Namen genannte 13-jährige Schüler gar nicht tot. Die Anzeige war nur der bisherige Gipfel eines Cyber-Mobbings, dem fünf Schüler der achten Klasse einer Nördlinger Realschule seit Monaten ausgesetzt sind. Anfangs fanden sie nach Polizeiangaben pornografisches Material auf ihren Handys vor; dann riefen auf einmal zahlreiche Callcenter bei ihnen an. Drohungen kamen; im November wurden Handy-Verträge auf den Namen der jeweiligen Adressaten abgeschlossen und Reisen gebucht – alles über Email-Adressen, die über die Nördlinger Maria-Stern-Realschule liefen, und von einem Absender, der sich als Schul-Domain ausgab. Es muss sich also jemand in dieses System gehackt haben.

Ein Mitschüler unter Verdacht

Mittlerweile hat die Kriminalpolizei, so teilt sie mit, einen 14-jährigen Mitschüler des „Gestorbenen“ als Tatverdächtigen im Auge; seine Wohnung sei durchsucht worden, dabei habe man „zahlreiche Medienträger“ sichergestellt. Im Beisein der Eltern befragt, habe der 14-jährige aber eine Beteiligung abgestritten. Nach Mitteilung der „Augsburger Allgemeinen“ lief die traurige Anzeige in der gesamten Freitagausgabe mit gut 306 000 Druckexemplaren und 772 000 Lesern. So etwas kostet: 2400 Euro hätte der Auftraggeber zahlen müssen – hätte er nach Angaben des Blattes bei der Online-Buchung nicht eine falsche Bankverbindung angegeben. Die Anzeige ist mittlerweile aus allen Online-Portalen der Zeitung getilgt. Im restlichen Internet hat sie ein unkontrollierbar ewiges Leben.




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