Wer bei „Da Marco“ speist und trinkt, kann die Produkte für Zuhause auch gleich einkaufen. Für Marco Tomei liegt darin der Erfolg seines Ladens. Foto: Simon Granville
Prosciutto, Wein und italienische Gastfreundschaft: Seit zehn Jahren bringt Marco Tomei heimatliches nach Weil der Stadt. Die Verbindung nach Italien hat er seinem Vater zu verdanken.
Wer den Laden von Marco Tomei in der Weil der Städter Altstadt betritt, hat mit wohl fast hundertprozentiger Garantie keine drei Minuten später eine Scheibe Schinken zum Verkosten im Mund. Prosciutto di Bassiano. Oder Salami Golfetta. Oder Grana Padano. Oder Provolone Piccante. Das passende Glas Weißwein in der Hand nicht zu vergessen. Und das „Sie“ kann man sich hier gleich sparen. „Bei mir im Laden wird prinzipiell geduzt“, sagt der Chef.
Für Marco Tomei ist das alles ganz selbstverständlich. „Italienische Gastfreundschaft“, beteuert er immer wieder. Geht es nach dem Deutsch-Italiener – er hat beide Staatsbürgerschaften, erzählt er stolz – kauft der Kunde hier am besten, was er vorher schon probiert hat. An einigen Bistro-Tischen im vorderen Bereich seines Geschäfts „Da Marco“, und im Sommer auch in einem kleinen Außenbereich, kommen Wein, Käse, Wurst und andere italienische Spezialitäten auf den Tisch. Wem es schmeckt, der kann anschließend alles mit nach Hause nehmen. Sogar die Pasta, die der Chef hier serviert. Mit Trüffel gefällig? Den gibt’s frisch aus der Theke. Oder lieber mit Ragout? Das wartet in Gläsern abgefüllt auf genießende Gäste.
Seit bereits zehn Jahren führt Marco Tomei sein Spezialitätengeschäft, quasi als One-Man-Show. Kräftige Unterstützung bekommt er aber auch von seiner Mutter und seiner Partnerin. Es läuft gut – die letzten drei Jahre seien die besten seit der Eröffnung gewesen, erzählt er. „Ich bin damals einfach ins kalte Wasser gesprungen“, erinnert er sich. „Und aus Versehen habe ich viel richtig gemacht.“
Mit dem Mix aus einfacher Gastronomie – Antipasti und einfache Nudelgerichte, mehr darf er wegen der Lizenz nicht servieren – und dem Ladengeschäft hat er seine Nische gefunden. Besonders der Weinhandel „brummt“, sagt Tomei. Seine Kunden würden dafür extra auch von weiter her anreisen und die edlen Tropfen kistenweise in den Kofferraum laden. Beweisfotos postet Tomei auch gerne auf Facebook.
Er ist begeistert von seinen Waren: Marco Tomei. Foto: Simon Granville
Denn die Waren, so auch den Wein, den bekomme man eben nicht im Supermarkt oder jenen Märkten, die von Großhändlern aus Italien importieren, verspricht er. Marco Tomei macht das lieber selbst. Seine Produkte stammen aus der Region rund um Rom, der Heimat seines Vaters. Spaziert man mit ihm entlang der Regale seines Geschäfts, hat er zu jeder Dose, zu jeder Flasche und Packung eine Geschichte parat. Seine Olivenöl-Lieferantin nennt er so selbstverständlich beim Vornamen, als wäre es eine gemeinsame Bekannte. Kennengelernt hat er sie über seinen Cousin. Und einen Wein, den bezieht er von einem anderen Marco Tomei. Keine Verwandtschaft, aber beim zufälligen Kennenlernen am italienischen Strand haben sich die beiden Namensvetter verbündet. „Wir haben uns in die Augen geguckt, und es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Tomei. Und: „Ich habe keine Lieferanten, ich habe Freunde.“
Eine Postkarte aus Weil der Stadt besiegelte sein Schicksal
Dass er so enge Verbindungen nach Italien pflegt, hat Tomei seiner Familie zu verdanken. Seinen Vater zog es nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, zunächst ins Ruhrgebiet. Dort förderte er Kohle. Eines Tages bekam jemand aus seiner Truppe eine Postkarte aus Weil der Stadt. Mehrere Männer siedelten daraufhin nach Baden-Württemberg um – wegen des schönen Bildmotivs. „Und in Weil er Stadt hat er dann meine Mutter kennengelernt“, erzählt Tomei. Der Rest ist Geschichte.
Jeden Sommer fuhren Marco Tomei und seine Familie mit dem Zug in den italienischen Heimatort des Vaters, Sezze. Ein „kleines Kaff südlich von Rom“, sagt Tomei. Auf Hügeln liegt das Städtchen, 25 Kilometer Luftlinie vom Meer entfernt, 2400 Jahre alt. Der Legende nach wurde der Ort von Hercules gegründet. Drei Päpste residierten dort. Und: „Die Römer sind da früher hin, um Artischocken zu essen“, erzählt Tomei. „Sezze ist für mich: daheim. Mein Herz schlägt da unten.“ Fragt man ihn, wie viel Italiener in ihm steckt, sagt er lachend: 95 Prozent. Nur seine Pünktlichkeit, kommentiert seine Mutter, die komme von der deutschen Seite.
Ein Stück Italien in Weil der Stadt: Freundliche Menschen, gutes Essen
Mehrmals im Jahr ist Marco Tomei jetzt in der italienischen Heimat. Dann ist er in der Region unterwegs, besucht Weingüter, probiert neue Käsesorten. „Ich verkaufe nur, hinter was ich auch stehe“, sagt er. Der Import sei oft aufwendiger und komplizierter als viele denken. Auf manche Güter, Kaffee, Grappa oder Prosecco zum Beispiel, muss er Zoll zahlen, manche nur melden, wie bei Wein. Den Papierkram erledigt er an Sonntagen. Auf Abruf für Kundschaft ist er aber fast immer – er wohnt nur wenige Gehminuten von seinem Laden entfernt und macht auch auf Anfrage auf.
Mit seinem Laden möchte er die Kunden für seine römische Heimat begeistern. An der Wand prangt ein riesiges Foto vom Kolosseum. „Das ist das Herz Italiens“, beteuert er. Dass viele Deutsche eine Begeisterung für den Nachbarn im Süden entwickelt haben, kann er gut verstehen. Denn es gebe viel zu bewundern an den Italienern: „Die Freundlichkeit, fröhliche Menschen, gutes Essen, das ist Italien“, findet er. „Und das Leben so zu nehmen wie es ist – und das zu genießen.“