Da-Vinci-Projekt Die erste Hürde ist genommen

Von Thomas Borgmann 

Ein neuer Bebauungsplan für das Quartier im Herzen der Landeshauptstadt soll erarbeitet werden. Das hat der Gemeinderat entschieden.

In der Holzstraße ist bereits mit den Abbrucharbeiten begonnen worden. Foto: Honzera
In der Holzstraße ist bereits mit den Abbrucharbeiten begonnen worden. Foto: Honzera
Stuttgart - Vor vier Jahren ist der Breuninger-Chef Willem van Agtmael mit der Idee seines "Da-Vinci-Projektes" am Karlsplatz an die Öffentlichkeit gegangen - am Dienstag hat der Technikausschuss des Gemeinderats mit elf Jastimmen dem Städtebaureferat den Auftrag erteilt, einen neuen Bebauungsplan für das 1,8 Hektar große Quartier im Herzen der Landeshauptstadt zu erarbeiten.

Die SPD-Fraktion enthielt sich der Stimme, der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker votierte gegen den sogenannten Aufstellungsbeschluss, der das baurechtlich vorgeschriebene Planungsverfahren in Gang setzt. Das Land und das Haus Breuninger wollen, wie wiederholt berichtet, am Karlsplatz für 280 Millionen Euro ein Luxushotel, Büros für tausend Landesbeamte sowie Geschäfte und Restaurants ansiedeln.

Die Architekten Stefan Behnisch und Martin Haas haben am Dienstag vor den Stadträten den aktuellen Stand ihrer Entwürfe für das neue Quartier erläutert. Behnisch sagte: "Wir haben das Hotel am Karlsplatz um ein Geschoss reduziert, um die Baumasse gegenüber der Markthalle zu verringern. Dafür wird an der Holzstraße aufgestockt." Und Martin Haas erläuterte: "Wir werden einen Teil der Fassade des Hotels Silber erhalten und an der Dorotheenstraße einbauen, um die Gedenkstätte im Erd- und Kellergeschoss der ehemaligen Gestapozentrale von außen deutlich sichtbar zu machen."

SPD fordert Erhalt des Hotels Silber


In eigens angefertigten Animationen zeigten die beiden Architekten auf, dass "nach unserer Ansicht der Erhalt des Hotels Silber nicht möglich und auch nicht sinnvoll ist". Das Gebäude lasse sich wegen seiner Maße auch nicht in den an dieser Stelle geplanten Bürokomplex integrieren. Beide rieten deshalb erneut vom Erhalt des Hotels Silber ab.

Die seit Monaten zeitweise heftig geführte Debatte über die historische Bedeutung der einstigen Gestapozentrale an der Dorotheenstraße stand am Dienstag im Mittelpunkt der mehr als zweistündigen Diskussion des Technikausschusses. Die SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind sagte: "Nach dem Hearing im Juli und reiflichen Überlegungen sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass das Hotel Silber nicht abgerissen werden darf." Um den Start des Planungsverfahrens nicht zu behindern, werde sich ihre Fraktion jetzt der Stimme enthalten.

Auch Gangolf Stocker und Ulrike Küstler (SÖS/Linke) sowie Gabriele Nagl und Anna Deparnay-Grunenberg (Grüne) wandten sich gegen den Abriss. Das Hotel Silber sei als Lern- und Gedenkort unverzichtbar, so ihre Argumentation, das habe das Expertenhearing im Sommer eindeutig erbracht. Stockers Antrag, die Entscheidung vom Dienstag zu vertagen, bis der neue Beirat zur Vermittlung der NS-Geschichte in Stuttgart am 8. November seine erste Sitzung abgehalten habe, fand jedoch keine Mehrheit. Es sei, so die Gegner, nicht die Aufgabe des Beirats, über das Baurecht am Karlsplatz zu entscheiden.

Baumassen gelten noch als zu hoch


Der Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) nahm am Dienstag erstmals öffentlich zum Projekt am Karlsplatz Stellung: "Mir sind die Baumassen dort immer noch zu groß." Deshalb müsse im weiteren Verfahren geklärt werden, ob sich die Geschossflächen von jetzt 49.000 in Richtung 47.000 verringern ließen. Dem pflichteten auch SPD und Grüne bei.

Überdies wurden Anträge der Grünen mehrheitlich gutgeheißen, in denen es darum geht, dass das Land den Lern- und Gedenkort im ehemaligen Hotel Silber finanziert, dass rasch untersucht wird, ob die nahe Tiefgarage unter dem Schillerplatz über die neue Tiefgarage unter den Neubauten angefahren werden kann, um die Dorotheenstraße zu entlasten. Schließlich soll auch die geplante Zahl der Stellplätze von gegenwärtig 700, davon 500 öffentlich, noch deutlich reduziert werden.

Im Zusammenhang mit der Tiefgarage am Karlsplatz steht übrigens die Frage, wie es mit dem nahen Züblin-Parkhaus im Leonhardsviertel weitergeht. Im Technikausschuss sollte am Dienstag - in nichtöffentlicher Sitzung - darüber beraten werden. Allerdings wurde das Thema vertagt, die Stadtplaner sollen zunächst Ideen liefern; im Rat ist man offenbar geneigt, den Vertrag mit Züblin 2013 auslaufen zu lassen. Der Abriss des Parkhauses würde die Chance eröffnen, dort Wohnungen zu errichten. Dann bräuchte man die Zahl der Stellplätze am Karlsplatz nicht zu verringern.

Roswitha Blind (SPD) hat die Stadt am Dienstag aufgefordert, mit dem Land noch einmal über die Ansiedlung der Ministerien am Karlsplatz zu verhandeln. Grünen-Chef Werner Wölfle sagte an die Adresse der SPD: "Wer die Ministerien dort nicht haben will, der muss es jetzt deutlich sagen."




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