Dachtel-Umzug Getrennt Fasnet feiern und sich gemeinsam daran erfreuen
Der Aidlinger Fasnetsumzug fällt 2026 erneut aus. Dafür veranstalten die Huzler Hexa in Dachtel einen eigenen – ohne Aidlinger Gruppen. Auf beiden Seiten sieht man das entspannt.
Der Aidlinger Fasnetsumzug fällt 2026 erneut aus. Dafür veranstalten die Huzler Hexa in Dachtel einen eigenen – ohne Aidlinger Gruppen. Auf beiden Seiten sieht man das entspannt.
Vor einem Jahr war die Enttäuschung am 6. Januar groß, als beim Auftakt der Aidlinger Fasnetsgruppen vor dem Rathaus die Nachricht die Runde machte, dass der traditionelle Umzug durch den Ort in diesem Jahr aus organisatorischen Gründen nicht stattfinden würde. In diesem Jahr fällt das seit dem Jahr 2000 fest etablierte Spektakel erneut aus. Einen Trost gibt es jedoch: Die Dachteler Huzler Hexa stellen am Wochenende einen eigenen Umzug samt Begleitprogramm auf die Beine. Dazu später mehr.
Aber zunächst zum Aidlinger Umzug. Dass dieser bei der Auflistung der diesjährigen Aidlinger Fasnetstermine erneut fehlt, stößt in den sozialen Medien zum Teil auf Unverständnis – ein Mitglied der lokalen Facebook-Community schimpft sogar, es wäre besser, den Verein abzumelden. Auf solche Äußerungen lässt sich Florian Breitling gar nicht erst ein. „Zu 99 Prozent kennen die Leute die Zusammenhänge nicht und wissen nicht, was für ein organisatorischer Aufwand an so einem Umzug hängt“, sagt der Hexenmeister der Aidbachhexen. Schon in der vergangenen Saison hatten er und die Vertreter der anderen Aidlinger Gruppen einige Mühe, der Bevölkerung zu erklären, warum ihnen als ehrenamtliche Veranstalter Aufwand und das Risiko, diesen Umzug samt abendlicher Hallenfasnet zu stemmen, schlichtweg über den Kopf gewachsen waren. Dabei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle – darunter zum Beispiel das mit hohem finanziellen und personellem Aufwand verbundene Aufstellen der Schilder für die weitläufige Umleitung des Verkehrs wegen der Sperrung der Ortsdurchfahrt. Breitling nennt dafür einen Betrag von 4000 Euro – den müsse man erst einmal wieder einnehmen.
„Wir sehen uns nicht nur als Aidlinger Verein.“
Arne Lang, Zunftmeister der Huzler Hexa
Aus diesem Grund gab es im Vorfeld heiß diskutierte Überlegungen, den Streckenverlauf zu ändern und den Umzug statt durch die Ortsmitte durch die Nebenstraßen am Aidlinger Nordhang zu führen. Sowohl im Gemeinderat als auch bei der Bevölkerung und den teilnehmenden Gruppen gab es an diesen Plänen deutliche Kritik. Zugleich macht Breitling deutlich, dass – anders als dies teilweise in den sozialen Medien behauptet werde – die Gemeindeverwaltung den Narren keine Steine in den Wege lege und den Umzug sehr begrüßt hätte.
Ein anderer Punkt waren und bleiben die Sicherheitsauflagen – beispielsweise für Straßensperrungen zur Abwehr von Terroranschlägen. Auch das Versicherungsrisiko bei eine Veranstaltung mit rund 5000 Menschen sei für einen Verein enorm, sagt Breitling.
Erschwerend hinzu gekommen sei im vergangenen Jahr die Bundestagswahl am Folgetag des geplanten Umzugstermins. Der Grund: Der Narrenaufmarsch ging bisher direkt in die Hexennacht in der Sonnenberghalle über – also direkt neben dem Wahllokal in der Sonnenbergschule. Das Risiko, als Verein am Tag nach dem Umzug dafür zu haften, wenn „irgend so ein Vollidiot da eine politische Botschaft an die Wand schmiert“, wolle man nicht eingehen, wie Breitling im letzten Jahr deutlich gemacht hatte.
Aus dem ursprünglichen Plan, zur Unterstützung für die Umzugsorganisation noch weitere örtliche Vereine ins Boot zu holen, die nicht direkt mit der Fasnet befasst sind, ist bisher nicht viel geworden. „Wir haben da bereits etwas angestoßen, aber für dieses Jahr hat es mit einem Treffen mit den Vorsitzenden der anderen Vereine zeitlich einfach nicht mehr gereicht“, sagt Breitling. Für 2027 wolle man wieder einen Umzug anvisieren und am ursprünglichen Streckenverlauf durch die Ortsmitte festhalten. In diesem Zusammenhang überlege man auch, den Termin für die Hallenfasnet auf einen anderen Tag zu legen, weil der Narrentross sich dann nicht wieder den steilen Weg hinauf zur Sonnenberghalle schleppen müsste. „Da ist aber noch nichts spruchreif“, betont Breitling.
Dafür, dass 2026 dennoch ein Umzug in der Gemeinde Aidlingen stattfindet, sorgen nun die Huzler Hexen. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens veranstaltet die Narrengruppe an diesem Samstag einen Dämmerungsumzug mit anschließender Huzlernacht im Paul-Wirth-Bürgerhaus. 1500 Hästräger und 35 Gruppen nehmen daran teil - darunter auch nahezu alle Aidlinger Gruppen (Hinweis der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels hatte der Hinweis auf die Teilnahnme der anderen Gruppen gefehlt. Wir bitten dies zu entschuldigen). Eben dort veranstalten die Huzler Hexa tags zuvor zum bereits zweiten Mal eine Kinderfasnet. „Eigentlich wollten wir den Umzug ja schon zum Zehnjährigen machen“, sagt Arne Lang, der Vorsitzende der Zunft. Allerdings hatte damals die Corona-Pandemie die Pläne durchkreuzt.
Im Gesamtgefüge der Aidlinger Narrengruppen mit Aidbachhexen, Deufringer Berghexen, Aidlenger Stoadeifl und Dachteler Langhoorguggis nehmen die Huzler Hexa eine Sonderstellung ein. Bei den gemeinsamen Veranstaltungen der anderen Gruppen – von Narrentaufe über Umzug bis Rathaussturm – ist die mittlerweile 110 Mitglieder zählende Gruppe nämlich nie dabei. „Wir sehen uns nicht nur als Aidlinger Verein“, erklärt Zunftmeister Arne Lang.
Man pflege durchaus freundschaftliche Kontakten zu anderen Vereinen in umliegenden Gemeinden und gehe auch zu Umzügen im Kreis – zum Beispiel in Deckenpfronn oder Ehningen. Darüber hinaus orientieren sich die Huzler Hexa auch über die Region hinaus. „Unsere Kampagne führt uns auch in den südliche Schwarzwald und in den Horber oder Rottweiler Raum“, sagt Lang.
Dass man getrennt feiert, heißt offenbar nicht, dass man nicht gemeinsam Freude an der Fasnet haben kann. „Ich sehe da keine Konkurrenzsituation. Im Gegenteil: Jeder freut sich doch, dass es eine solche Vielfalt hier gibt“, sagt Florian Breitling, der deswegen die eigenen Fasnetstermine gemeinsam mit denen der Dachteler Gruppe auf der Facebookseite der Aidbachhexen kommuniziert. Bei den Huzler Hexa sieht das Zunftmeister Armin Lang ganz ähnlich. „Wir schauen eher auf das große Ganze“, blickt der 37-Jährige lieber über den Ortsrand hinaus.
Dachtel
Die Huzler Hexa laden am Samstag, 17. Januar, gegen 15 Uhr zum Dämmerungsumzug. Startpunkt ist das Backhaus. Anschließend findet im Paul-Wirth-Bürgerhaus die Huzlernacht statt. Am Vortag (Freitag, 16. Januar) findet dort um 14.30 Uhr eine Kinderfasnet statt. Hinweis: Parkplätze in Dachtel sind begrenzt. Es empfiehlt sich die Anreise per Bus oder zu Fuß vom Nachbarort Deufringen aus. Am 30. und 31. Januar veranstalten die Langhoorguggis ihre traditionelle Fuchsenfasnet im Bürgerhaus.
Aidlingen
Die Aidbachhexen laden am 7. Februar um 14 Uhr erstmals zu einer Kinderfasnet in die Sonnenberghalle und abends ab 19.30 Uhr zur Hexennacht. Am 12. Februar findet um 15 Uhr der Aidlinger Rathaussturm statt. Am 17. Februar um 19 Uhr endet dort die Saison mit der Hanselverbrennung.