„Dad Bod“: Der Männerbauch Aus Liebe zur Wampe

Gewicht? Weniger wäre mehr. Bauch? Formvollendet Foto: StZ 19 Bilder
Gewicht? Weniger wäre mehr. Bauch? Formvollendet Foto: StZ

Das Ego des Mannes hängt an seinem Bauchumfang. Die meisten Vertreter dieser Spezies würden dieser These nie offen zustimmen. Aber träumt nicht jeder Mann von einem Waschbrettbauch? Je größer der Bauchumfang ist, desto größer ist die Sehnsucht nach einem „Sixpack“.

Leben: Markus Brauer (mb)

Stuttgart - Lifestyle-Magazine und Special-Interest-Zeitschriften für den Herr der Schöpfung gibt es wie Sand am Meer. Zumindest mehr als man lesen kann. „Männer“, „The Red Bulletin“, „GQ“, „Free Man“, „Gala Men“, „Movo“, „Men’s Health“, „Maxim“, „Homme“, „Menify“, „Playboy“, „ER“, „Conlewys“, „FMH“, „Beef“. Für jede Orientierung, jede Vorliebe, jedes Hobby, jeden Geschmack das passende Online- und Print-Produkt.

Lifestyle, Ego, Waschbrettbauch

Der bunte Mix aus Technik-, Automobil-, Reise-, Mode-, Erotik-, Körperkult- und Karrierethemen kommt offensichtlich an – auch wenn die Auflagen bröckeln. Für Kerle mit Kindern, die wissen, wo’s lang geht, gibt es seit Mai 2016 „Men’s Health DAD“. Im Herbst bringt der Zeit Verlag sein neues Männermagazin auf den hart umkämpften Markt: „ZEIT Magazin MANN“.

Umkämpfter als das Männer-Lifestyle-Segment ist nur noch der männliche Bauch (lateinisch „abdomen“) und seine Fettpolster („adeps“, daher der Begriff Adipositas – Fettleibigkeit). Abdomen meint in der Medizin den Bereich des Rumpfes zwischen Brustkorb und Becken.

Dass das Ego des Mannes an seinem Bauchumfang hängt, würden die meisten Vertreter dieser Spezies nie offen zugeben. Aber träumt nicht jeder Mann von einem Waschbrettbauch? Je größer der Bauchumfang ist, desto größer ist die Sehnsucht nach einer stark ausgeprägten Bauchmuskulatur mit wenig Fettgewebe. Ist der ach so geliebte „Dad Bod“ nur eine Ausrede dafür, dass Man(n) Sport und Hungerkur zu anstrengend sind?

Die Bundesbürger und das Übergewicht

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) leben in Deutschland knapp 82 Millionen Menschen. Rund 51 Prozent davon sind weiblich (knapp 42 Millionen) und 49 Prozent männlich (rund 40 Millionen). Von diesen wiederum sind annähernd 32 Millionen über 20 Jahre alt; 64 Prozent sind Ehemänner und 26 Prozent Alleinstehende.

Eines der drängendsten Probleme der männlichen wie weiblichen Bundesbürger sind die Pfunde. Insgesamt 52 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen) in Deutschland sind übergewichtig. Laut Destatis (Mikrozensus-Zusatzbefragung 2013, bei der Fragen zu Körpergröße und Gewicht gestellt wurden) ist der Anteil Übergewichtiger im Vergleich zu 1999 (insgesamt 48 Prozent, 56 Prozent der Männer, 40 Prozent der Frauen) gestiegen.

Der neue Mann

Der Soziologe Rainer Volz und der Theologe Paul Zulehner haben die Männerwelt genauer untersucht („Männer in Bewegung“, 2009“). „Der neue Mann ist empirisch nachweisbar“, erklärt das Forscherduo. Ein Fünftel der deutschen Männer gehöre zu dieser Gruppe. Sie seien aktive Väter, teilten partnerschaftlich Haus-, Erwerbs- und Familienarbeit, wollten in Elternzeit gehen und begrüßten Frauenrechte.

Bei traditionellen Männern (20 Prozent) hingegen seien die Rollen klar verteilt: Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um Küche und Kinder. 40 Prozent aller Männer lavierten irgendwo zwischen den Fronten. Das restliche Fünftel, die „Rosinenpicker“, suchte sich immer nur das für sie Günstigste raus.

Der epochale Wandel zum neuen Mann ist indes in den Köpfen weiter vorangeschritten als in der Realität. Noch immer ist demnach die überwältigende Mehrheit der erwerbsfähigen Väter (84 Prozent) und nur eine Minderheit der Frauen (26 Prozent) in Vollzeit beschäftigt. Auch liegen Frauengehälter durchschnittlich 29 Prozent unter den von Männern. 80 Prozent der drei Millionen Alleinerziehenden sind weiblich. Nur fünf Prozent der Väter nehmen sich Elternzeit.

Abdomen-Variationen

Ungeachtet aller Probleme und Bauchumfänge seiner Spezies ist der neue Mann ein Meilenstein in der männlichen Evolution. Er beweist, dass Man(n) flexibel genug ist, um sich an die moderne Welt anzupassen. So vermag er als neuer Vater Beruf und Familie auszubalancieren. Er teilt sich mit seiner Partnerin Haushalt und Erziehung, ist offen für weibliche Selbstverwirklichung, verständnisvoll und gesundheitsbewusst. Auch seelische Verletzbarkeit spielt – anders als beim traditionellen Mann – eine wichtige Rolle. Der neue Mann vergräbt seine Gefühle nicht in den Hinterhöfen der Seele, sondern spricht offen über sie.

Bildergalerie: Der Männerbauch

Das Männer-Leben könnte so schön sein, wäre da nicht das Abdomen in all seinen Variantionen: „Dad Bod“, Bierbauch, Wanst, Wampe, Hofbräu-Baby, Speckwulst. Wir stellen sie alle in unserer Bildergalerie.




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