Dagersheim feiert bei 31 Grad Beim Schlapphüadle-Fest suchen alle den Schatten
Beim Schlapphüadle-Fest haben Dagersheimerinnen und Dagersheimer am Sonntag ihren Ort gefeiert.
Beim Schlapphüadle-Fest haben Dagersheimerinnen und Dagersheimer am Sonntag ihren Ort gefeiert.
Strahlende Sonne, Essen und Musik gab es für die Besucherinnen und Besucher des Schlapphüadle-Fests in Dagersheim am Sonntag. Dabei wurde die Sonne für die Organisatoren gar zum Problem, denn obwohl der Dorfplatz großzügig mit Sonnenschirmen ausgestattet worden war, standen etliche Bänke in der prallen Mittagssonne – und blieben damit zunächst leer. Glück hatte, wer einen Schattenplatz ergattern konnte. Elf Stunden lang – vom Gottesdienst unter freiem Himmel mit Pfarrer Gerhard Steinbach bis zum Festende mit Livemusik – feierte der Böblinger Teilort sich selbst und seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1075.
Er sei sehr stolz auf die Eigenständigkeit des Ortes, sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz, zur Feier des Tages mit seiner Amtskette, in seiner Festrede. Und betonte, dass mit dem Schlapphüadle-Fest zwar der Höhepunkt, aber noch lange nicht das Ende des Jubiläumsjahres erreicht sei. Auch Wasen-Warmup, Laternenfest und Weihnachtsmarkt sollen unter dem Motto „950 Jahre Dagersheim“ noch etwas größer ausfallen als gewöhnlich. Der Weihnachtsmarkt soll beispielsweise einen mittelalterlichen Dreh bekommen. Im kommenden Jahr wird dann noch ein Film vorgestellt, der das laufende Jubiläumsjahr dokumentiert. „Als Geschenk für die zukünftigen Generationen“, so Belz. Die Premiere ist für Ende Februar geplant.
Trotz der Hitze kam über den Tag verteilt viel Publikum, um sich das Programm anzusehen. Die Sponsoren des Festes hatten sich rund um die Kirche aufgestellt, boten Schätzspiele und Glitzer-Tattoos an. Auch das Kunstbike, mit dem sich Jutetaschen bunt verzieren lassen und das seit einigen Jahren immer wieder auf Festen im Kreis Böblingen zum Einsatz kommt, war wieder dabei. Ein Hingucker war die Nachbildung der Dagersheimer Kirche aus Klemmbausteinen, die am Stand des Immobilienmaklers Zefaj aus Böblingen zu sehen war. Hier konnten Interessierte einen Tipp abgeben, wie viele Bausteine der Bruder des Geschäftsführers verwendet hatte, um das Modell zu bauen. 170 Leute hätten mitgemacht, sagt er am Tag nach dem Fest. „Drei waren ziemlich nah dran, einer hatte nur knappe 200 Steine daneben gelegen“, sagte Nol Zefaj.
Etwas abseits des Geschehens vor dem Bezirksamt machte der Vorlesefriseur Danny Beuerbach aus München seine Angebote. Wer eins der ausgelegten Bücher vorlas, bekam gratis einen Haarschnitt. Was für Kinder angepriesen war, zog auch einige Erwachsene an. Die Fotobox am Ortswappen vor dem ehemaligen Rathaus spuckte direkt nebenan hübsche Bilder aus.
Fast etwas zu unspektakulär kam die historische Bademodenschau des TSV Dagersheim daher, bei der Mitglieder der Schwimmsparte sich in verschiedenste Kostüme warfen. Die Schwimmerinnen und Schwimmer stellen im TSV die größte Sparte dar. „Die Schwimmsparte gibt es schon so lange wie das Rappenbaumbad“, sagte der Moderator des Tages. „Darum ist es so wichtig, dass wir weiterhin ein Schwimmbad im Ort haben.“
Musikalisch war viel los in „Schlapphüadle-City“, wie offenbar ein vor Kurzem wiedergefundenes Schild den Flecken an der Schwippe nennt. Die Liederkranz-Chöre sowie die Feuerwehr-Musikkapelle, der Posaunenchor und der Harmonika-Club gaben auf der Bühne auf dem Dorfplatz ihr Programm zum Besten. Auch der Kinderchor der Grundschule sang etwas vor – und Anabel Ohnhaus, Johanna Mühlhausen und Lorena Bublica führten erneut das Kinderlied „Dagoldi aus Dagersheim“ auf, das beim Maibaumfest Premiere gefeiert hatte.
Keine Abkühlung, aber immerhin Schatten, gab es in der Zehntscheune, wo die Sängerinnen und Sänger des Chorvereins Liederkranz mehr als 40 gespendete Kuchen und Torten sowie Kaffee und Brezeln verkauften. Hier spielten dann auch am frühen Nachmittag einige Klavierschülerinnen und -schüler der Musikschule.
Eine echte Erfrischung hatte die Jugend der Schwippe-Angler im Gepäck – hier gab es Eis. Kleine Naschkatzen konnten sich auch über ein Treffen mit dem Jubiläums-Maskottchen Dagoldi freuen, der hatte allerhand Gummibärchen in seinem Körbchen. Passend zum Schlapphüadle-Fest hatte die Schlange allerdings dieses Mal nicht seine übliche Krone auf, sondern einen ortstypischen Hut. Auch trat das Maskottchen neuerdings mit einem Leibwächter, einer Maskottchen-Security, auf. Das sei nötig, heißt es von der Stadtverwaltung, weil der Ringelschwanz der Schlange einlade, daran zu ziehen – vor einigen Wochen habe das Kostüm schon geflickt werden müssen. Zudem passe der Mensch an Dagoldis Seite auf, dass der Träger des Kostüms nicht versehentlich umgestoßen werde.