Daimler, Bosch, Kärcher, Trumpf, Lidl und Co. Wer zahlt am meisten Weihnachtsgeld?

Nicht jeder Angestellte kann sich über ein Weihnachtsgeld seines Unternehmens freuen. Foto: imago /Eibner/Fleig

Rekordinflation, Kurzarbeit, Coronakrise – es gibt viele Gründe, warum die Beschäftigten 2021 das Weihnachtsgeld nötiger haben als sonst. Doch nicht alle bekommen es auch. Wir haben Unternehmen in der Region gefragt.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Stuttgart - Nicht mehr lange, dann ist Weihnachten. Besonders groß dürfte die Vorfreude bei denen sein, die von ihrer Firma ein Weihnachtsgeld bekommen. Das sind längst nicht alle Beschäftigten, wie die Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Wer in einem Unternehmen arbeitet, das an keinen Tarifvertrag gebunden ist, hat häufiger das Nachsehen. Doch auch nicht immer. Und manches Unternehmen zahlt sogar mehr, als es laut Tarif müsste. Das zeigt eine exklusive Umfrage unserer Zeitung bei Unternehmen und Branchen im Südwesten.

 

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Automobilbranche

Porsche stockt auf

Porsche stockt das tarifvertraglich geregelte Weihnachtsgeld auf. Dieses liegt bei 55 Prozent eines Monatsgehalts. Der Sportwagenhersteller gibt so viel dazu, dass 100 Prozent eines Monatsgehalts erreicht werden. Überwiesen wird das Weihnachtsgeld mit der Entgeltabrechnung Ende November.Daimler zahlt rein tariflich. Nach den geltenden Vereinbarungen kann das Weihnachtsgeld bis zu 55 Prozent eines Monatsgehalts betragen, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. Auch die 125 000 anspruchsberechtigten Tarifbeschäftigten erhalten das Geld Ende November gezahlt. Das Unternehmen weist darauf hin, im Laufe des Jahres habe es bereits andere Zugaben gegeben. Bosch zahlt ebenfalls tariflich. Von den 130 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland sind nach den Angaben des Unternehmens gut 70 Prozent tariflich eingestuft. Auch bei Bosch gab es im Laufe des Jahres eine Sonderprämie. „ Die Mitarbeiter haben Tag für Tag die Grundlage für den Erfolg unseres Unternehmens geschaffen “, erklärte Arbeitsdirektorin Filiz Albrecht.

Daimler zahlt Tarif

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Bei Bosch gilt der Vertrag

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Südwestmetall: vielfach Orientierung am Tarif

Nach den Angaben des Unternehmerverbandes Südwestmetall sind in der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs 670 Unternehmen mit gut 520 000 Beschäftigten an den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie gebunden. Alle diese Beschäftigten erhalten Ende des Jahres eine „Jahressonderzahlung“, die umgangssprachlich auch als Weihnachtsgeld bezeichnet wird. „Auch viele nicht tarifgebundene Unternehmen orientieren sich am Tarifvertrag und gewähren ebenfalls Weihnachtsgeld nach den im Vertrag festgelegten Spielregeln“, sagt Gabriel Berger, der Tarifexperte von Südwestmetall.

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Auch Roman Zitzelsberger, der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, beobachtet keine Reduzierung beim Weihnachtsgeld. „Wenn Unternehmen dieses als Möglichkeit zu Einsparungen ansehen, handelt es sich eher um Ausnahmen, nicht um einen Trend.“ Viele Beschäftigte bräuchten das Weihnachtsgeld etwa wegen der Einbußen während der Kurzarbeit.

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Maschinenbau

Stihl legt etwas drauf

Der Waiblinger Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl zahlt je nach Betriebszugehörigkeit ein Weihnachtsgeld zwischen zehn und 55 Prozent eines Monatseinkommens, hält sich damit also an den Tarifvertrag. Bei Stihl bekommen aber auch diejenigen Mitarbeitenden ein Weihnachtsgeld, die die im Tarifvertrag vorgeschriebene Mindestzahl an Jahren im Betrieb noch nicht erreicht haben. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen den Erfolg des Unternehmens möglich – gerade in einem herausfordernden Geschäftsjahr wie diesem“, sagt der Personalvorstand von Stihl, Michael Prochaska.

Kärcher zahlt freiwillig mehr

Bei dem Reinigungsgerätehersteller Kärcher in Winnenden wird nach den Angaben des Vorstandsvorsitzenden Hartmut Jenner zusätzlich zu den tariflichen Regelungen ein freiwilliges „Kärcher-Weihnachtsgeld“ in Höhe von 40 Euro für jedes volle Jahr der Betriebszugehörigkeit gezahlt. Zudem sei mit einer Prämie – wie sie es auch bei anderen Unternehmen gab – „der besondere Einsatz unserer Mitarbeiter während der Coronapandemie“ gewürdigt worden.

Bei Trumpf regelt es der Tarifvertrag

Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf in Ditzingen richtet sich bei der Bezahlung des Weihnachtsgeldes nach dem Tarif, weist aber darauf hin, es gebe zudem eine Gewinnbeteiligung, die sich am Unternehmensertrag orientiere.

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Handel

„Die Händlerinnen und Händler freuen sich nach dem ausgefallenen Weihnachtsgeschäft des letzten Jahres bereits auf die kommenden Wochen“, berichtet Sabine Hagmann. „Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld bringen immer eine höhere Kaufkraft mit sich und sorgen dafür, dass die Stimmung bei den Verbrauchern wieder besser wird“, sagt die Geschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. Die Lager seien „gut gefüllt“.

Besser etwa als Modegeschäfte, die zeitweise schließen mussten, kamen Anbieter von Nahrungsmitteln in der Pandemie über die Runden. Grundlage für das Weihnachtsgeld ist bei der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) der jeweils gültige Tarifvertrag. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Pandemie bekommen zudem alle Beschäftigten in Deutschland im Dezember einen Warengutschein im Wert von 75 Euro. Der Konkurrent Aldi Süd richtet sich nach den tariflichen Vereinbarungen und zahlt an alle Anspruchsberechtigten in Deutschland 65,5 Prozent eines Monatsgehalts.

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In diesen Branchen ist das Gehalt am höchsten

Dienstleister

Die LBBW hat das im Tarifvertrag vereinbarte 13. Monatsgehalt bereits bezahlt, im Oktober gab es zudem eine Coronaprämie von 1000 Euro. Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) richtet sich nach den Tarifverträgen für Banken und Versicherungen. Im Bankentarifvertrag wurde bereits im April ein volles Monatsgehalt gezahlt. Der Tarifvertrag für Versicherungen sieht eine Sonderzahlung von 80 Prozent eines Monatsgehalts im November vor.

Handwerk

„In aller Regel wird im Handwerk auch in diesem Jahr Weihnachtsgeld bezahlt“, sagt Peter Haas, der Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstages. Meistens sei dies in Tarifverträgen geregelt, aber auch in nicht an solche Vereinbarungen gebundenen Unternehmen sei ein Weihnachtsgeld üblich. „Die Höhe schwankt je nach Branche und Betriebszugehörigkeit zwischen 20 Prozent und einem kompletten 13. Monatsgehalt.“ Auch Auszubildende würden meist ein Weihnachtsgeld erhalten.

Bauwirtschaft Nach dem jüngsten Tarifabschluss wurde das Weihnachtsgeld für die Beschäftigten in der Bauwirtschaft in diesem Jahr von 60 auf 66 Prozent eines Monatseinkommens erhöht. Nach diesem Vertrag gibt es zudem im Januar eine Coronaprämie von 500 Euro. Bei den Auszubildenden steigt das Weihnachtsgeld von 330 auf 360 Euro. „Die Beschäftigten sollen etwas von der guten Entwicklung der Branche haben“, meint Hauptgeschäftsführer Thomas Möller.

Und wer zahlt kein Weihnachtsgeld? Dies ist offenbar oft bei IT-Unternehmen der Fall. Wie schon in den vergangenen Jahren zahlt die Walldorfer Softwareschmiede SAP auch diesmal kein Weihnachtsgeld. Für die Mitarbeiter gibt es nach den Angaben einer Sprecherin einen „attraktiven“ Plan zum Kauf von SAP-Aktien. Auch beim Softwareunternehmen Bechtle in Neckarsulm kommen die Mitarbeiter nicht in den Genuss eines Weihnachtsgeldes. „Basis unseres Vergütungsmodells sind sogenannte Zielgehälter“, teilt ein Sprecher von Bechtle mit. Diese bestehen aus einem fixen und einem variablen Anteil – eine Regelung, die seit der Gründung des Unternehmens 1983 bestehe.

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Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung

Unterschiede
 Nach den Angaben der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bekommen nur 52 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Weihnachtsgeld. Dabei gibt es deutliche Unterschiede: In Unternehmen mit Tarifvertrag erhalten 77 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diese Zulage. Wo es keinen Tarifvertrag gibt, sind es nur 41 Prozent.

Bedeutung
 „Angesichts der aktuell hohen Preissteigerungsraten ist das Weihnachtsgeld in diesem Jahr für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders wichtig“, sagt Professor Thorsten Schulten, der Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, der auch Honorarprofessor an der Universität Tübingen ist.

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