Autobauer in Sindelfingen Wie sich Daimler-Büros in 40 Jahren verändert haben

, aktualisiert am 21.10.2025 - 15:25 Uhr
Stefanie Kellermann-Thiels jüngstes Projekt: Glascontainer vor dem Mercedes-Kundencenter Foto: jps

Seit 40 Jahren gestaltet Stefanie Kellermann-Thiel aus Altdorf die Arbeitswelten von Mercedes-Benz mit. Einmal sogar die Vorstandsetage – obwohl die fast ins Wasser gefallen wäre.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Ein bisschen stolz ist Stefanie Kellermann-Thiel durchaus auf ihr jüngstes Projekt. Es steht prominent platziert auf dem Vorplatz des Mercedes-Kundencenters in Sindelfingen: Ein Glascontainer beherbergt eine schwarze S-Klasse Langversion, Baureihe 140. „Das ist eine Leihgabe vom Mercedes-Benz Museum, das haben wir erstmals so umgesetzt“, sagt sie. Wer an der Käsbrünnlestraße sein neues Fahrzeug mit Stern entgegennehmen darf, kann im Vorbeigehen noch mal in alten Zeiten schwelgen. Doch der Container ist für Kellermann-Thiel nur das i-Tüpfelchen auf ihren 40 Jahren Zugehörigkeit zum Konzern mit Stern.

 

Der „Daimler“, das sei hier im tiefsten Schwabenland der stehende Begriff für den Autobauer mit Stern. „Tatsächlich sagt man im badischen Rastatt und weiter nördlich durchgehend ‚beim Benz’“, sagt die langjährige Mitarbeiterin. Der Weg zum „Daimler“ war für Kellermann-Thiel zunächst gar nicht ausgemacht. „Eigentlich hätte ich mir als Volleyballerin auch vorstellen können, Sport zu studieren“, sagt sie. Doch ihre Mutter – selbst in Diensten des Autobauers – habe interveniert. Erfolgreich.


Von Schubladen, die mehr klemmten als funktionierten

Dass es so kam, darüber ist die 60-Jährige heute glücklich. Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau fand sie den Weg in die Abteilung, die man damals noch Organisation und Datenverarbeitung nannte. Von Anfang an arbeitete Stefanie Kellermann-Thiel an der Planung der Bürowelten von Mercedes-Benz in Sindelfingen mit. Anno 1985 war man von heutigen Konzepten allerdings noch weit, weit weg. „Ich erinnere mich noch gut an die Einzelschreibtische aus Holz: Elend schwer und die Schubladen haben mehr geklemmt als funktioniert“, sagt sie. Nach und nach sei man zu offeneren und flexibleren Konzepten übergegangen.

Doch der Weg dorthin war keineswegs immer leicht. „Schließlich verbringen viele im Büro mehr Zeit als im heimischen Wohnzimmer, entsprechend groß können die Befindlichkeiten sein.“ Ihr Credo: Eine von Anfang an offene Kommunikation mit allen Beteiligten auf Augenhöhe, möglichst alle für ein Vorhaben abholen. So hätten sich für die allermeisten Probleme Lösungen finden lassen. Ein Projekt allerdings ragt bei ihr heraus, das buchstäblich fast ins Wasser gefallen wäre.

Adrenalin-Schub an Weihnachten

Vor zehn Jahren war Stefanie Kellermann-Thiel an der Neugestaltung der obersten Vorstandsetage in einem Gebäude beteiligt. „Das hätte um die Weihnachtszeit 2015 fertig sein sollen“, sagt sie. Doch daraus wurde nichts. „Eine Sprinklerleitung auf der Etage ist geplatzt und hat das schon fertig eingerichtete Stockwerk komplett unter Wasser gesetzt.“ Das Wasser stand ihr bis über die Knöchel, als sie die nagelneue Vorstandsetage damals schockiert betrat. „Die Schuhe habe ich heute noch“, sagt sie und lacht. 2015 aber war ihr keineswegs zum Lachen zumute. „Über die Weihnachtsfeiertage habe ich durchgearbeitet, wir mussten in Windeseile ein altes Gebäude reaktivieren und die Etage interimsweise dort einrichten“, sagt Kellermann-Thiel. „Das ging aber nur, weil wir in der Logistik Hand-in-Hand zusammengearbeitet haben unter Hochdruck.“ Monate später gab es ein Happy End: Nachdem der Wasserschaden behoben und alles neu eingerichtet war, konnte der Vorstand endlich einziehen.

Bei der Planung hilft die Künstliche Intelligenz

Die Planung findet längst nicht mehr am Zeichenbrett statt, da hilft bereits die Künstliche Intelligenz. Großraumbüros sind mittlerweile unterteilt in Quiet Zone oder Focus Zone wie die Zonen zum Arbeiten, Telefonieren oder zum Austausch neudeutsch heißen. Die Ergonomie spielt für Mercedes dabei nicht nur im Auto, sondern auch am Arbeitsplatz eine immer wichtigere Rolle: höhenverstellbare Schreibtische gehören ebenso dazu wie orthopädische Stühle. „Das haben wir mittlerweile flächendeckend eingeführt.“

Als 40-Jahr-Jubilarin ist Kellermann-Thiel in diesem Jahr in guter Gesellschaft: Viele von ihnen werden kommende Woche im Rahmen der alljährlichen Jubilarfeiern geehrt. Noch viel mehr jedoch für die 25-jährige Zugehörigkeit. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über drei Tage: Livemusik und Häppchen spendiert der Konzern mit Stern traditionell seinen treuesten Mitarbeitern. Sechs davon sind sogar schon 50 Jahre an Bord – in den heute oft schnelllebigen Zeiten alles andere als selbstverständlich.

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