Wo sich mittags die Autobauer stärken, probt einmal in der Woche für zwei Stunden der Daimler Chor. Natürlich nach Dienstschluss, natürlich freiwillig und vor allem mit großer Lust an der Musik – und das seit 25 Jahren.
Stuttgart - Wo Hartmut Volz auftaucht, da brennt die Luft. Der Hauptkommissar aus Reutlingen versprüht Energie für zwei – mindestens. Und wenn er Musik macht, dann auch noch ein bisschen mehr. Gerade überträgt er seinen Schaffensdrang auf etwa 80 Männer und Frauen, die konzentriert auf sein Zeichen warten. Und dann geht es los, plötzlich flutet Gesang den Raum. Klar und dicht, präsent und mit hörbarer Begeisterung und Qualität gesungen – so hat es der zufrieden lächelnde Volz gerne.
90 Kilometer Autofahrt für die Probe
Wir sind in der Werkskantine von im Werk Untertürkheim. Wo sich mittags die Autobauer stärken, probt einmal in der Woche für zwei Stunden der Daimler-Chor. Natürlich nach Dienstschluss, natürlich freiwillig und vor allem mit großer Lust an der Musik. „Ich fahre für jede Probe etwa 90 Kilometer mit dem Auto“, erklärt Sängerin Martina Mörk, „schon allein daran sieht man, dass es großen Spaß macht.“ Und das hört man dann auch.
Gegründet wurde der Chor von Eugen Mayer 1990, also vor 25 Jahren. 1993 übernahm Hartmut Volz die Leitung. Der Polizist, der sich sonst um die Prävention gegen Jugendkriminalität müht, ist auch gelernter Chor- und Orchesterleiter und vor allem Musiker durch und durch. Volz vermittelt Spaß an der Musik, verlangt aber auch Einsatz und Lernwillen von seinen etwa 30 Sopranistinnen, 25 Altistinnen und von den 15 Tenören und etwa 25 Bässen. Nach den wöchentlichen Proben gibt es Hausaufgaben, einmal im Jahr ein Seminar über Atem- und Stimmtechnik. „Wenn ich etwas mache“, sagt Volz, „dann mache ich es richtig.“ Das hat dem Daimler-Chor schon viele Auftritte beschert, deren Erlöse allesamt gespendet werden. Denn im Mittelpunkt steht der Spaß am gemeinsamen Singen, die Lust an der Kunst und auch an der Qualität. Und die hat dem Chor auch schon Auftritte im Berliner Dom oder im Pantheon in Rom eingebracht. Daneben sieht sich der Chor aber auch als Freizeitangebot, hat schon Reisen nach Rom, Budapest, Berlin oder Graz organisiert.
Schon mit den Scorpions auf der Bühne gestanden
„Wir sind so etwas wie die Stimme des Werks und darauf bin ich schon stolz“, sagt Hermann Berner. Der 77-Jährige ist von Anfang an dabei und kommt auch im Ruhestand immer wieder. Er lernt gern etwas Neues und singt Lieder von Künstlern, die seine Enkel sein könnten.
Wer sich unter dem Daimler-Chor, die gesetztere Form der gesanglichen Unterhaltung vorstellt, liegt daneben. Das Repertoire der Daimler-Sänger ist breiter. Hartmut Volz übt natürlich klassische Werke von Mozart oder auch geistliche Musik wie Georg Friedrich Händels Halleluja ein. Der Chor stand aber auch schon bei einem Benefizkonzert zusammen mit den Scorpions und dem Daimler-Orchester rockend auf der Bühne in der Schleyerhalle oder hat Interpreten wie Andreas Bourani oder Unheilig im Programm.
Beim Jubiläumskonzert am Freitag werden zum Beispiel „Tage wie diese“ von den Toten Hosen oder „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen zu hören sein. Das Repertoire des Chors umfasst aber auch noch Filmmelodien, Spirituals oder Musical Melodien – die ganze Palette eben. An der Energie, das alles umzusetzen fehlt es den Sängern nicht. Und Chorleiter Hartmut Volz schon zweimal nicht.