Daimler Gründerprojekt Startup Autobahn – die Amis kommen

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Die Startup Autobahn, das neue internationale Gründerprojekt von Daimler, hat jetzt das erste öffentliche Treffen abgehalten. Und da zeigten die amerikanischen Partner gleich, was die schwäbischen Dimensionen sprengende Visionen sind.

„Die ultimative Startup-Plattform“ - so klingt das, wenn sich der Daimler-Partner Plug and Play anpreist. Foto: Plug and Play
„Die ultimative Startup-Plattform“ - so klingt das, wenn sich der Daimler-Partner Plug and Play anpreist. Foto: Plug and Play

Stuttgart - Startup Autobahn hat Daimler ganz in deutscher Tradition sein neues Projekt genannt, das Gründer aus aller Welt nach Stuttgart locken soll. Doch der amerikanische Partner Plug and Play Tech Center, eine der großen Adressen aus dem Silicon Valley, die Startups mit Rat und Tat sowie einer kräftigen Prise Kapital nach vorne bringt, soll für den nötigen amerikanischen „Spirit“ sorgen. „Das beste aus beiden Welten vereinen“, lautet schließlich der offizielle Wahlspruch des Projekts, das nach einem internationalen Auswahlverfahren im Sommer vom Herbst an binnen ehrgeiziger drei Monate erfolgreiche Gründungen aus dem Automobilbereich von der Rampe bringen soll. Wie wichtig das von der Daimler-Führungsetage genommen wird, zeigt die Tatsache, dass am Freitag das Team der Startup Autobahn stolz verkündete, dass Konzernchef Dieter Zetsche höchstpersönlich sich als Mentor Zeit für die Gründer nehmen will.

Der Chef von Plug and Play legt die Messlatte hoch

Wie man sich auf amerikanische Weise große Ziele steckt, hat der Chef des US-Startup-Beschleunigers zum Auftakt gleich einmal vorgeführt. Ganz locker präsentierte sich Saeed Amidi in den Räumen des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts dem Publikum. Na ja, sagte der gebürtige Iraner, alles habe damit angefangen, dass sein einst wohlhabender Vater nach der iranischen Revolution auf einmal das Taschengeld von 2000 Dollar im Monat gestrichen habe. „Zuerst bin ich zu meiner Mutter und habe gesagt: Papa macht doch einen Witz?“ Und was macht da ein echter junger Entrepreneur? „Dann habe ich einfach meine erste Firma gegründet“, sagte Amidi vor einem gemischten Publikum aus interessierten Gründern, Unternehmensvertretern und Universitätsangehörigen. Das Treffen sollte, ganz im Sinne des modernen Startup-Netzwerkens, erst einmal dem gegenseitigen Beschnuppern dienen. Der Chef von Daimlers US-Partner legte die Meßlatte schon einmal hoch.

Auf der Startup Autobahn sollen die großen Ideen rollen

Heute leitet Amidi eine der ersten Adressen weltweit, wenn es darum geht, aus cleveren Ideen ein großes Geschäfts zu machen – eine Expertise, die man nun auch in Stuttgart in einem dreimonatigen, straffen Programm vielversprechenden Startups einbläuen möchte – in Kooperation mit Daimler und dem auf den Automobilbereich ausgerichteten Technologiezentrum Arena 2036 der Universität Stuttgart. Und Amidi machte gleich schon mal klar, dass es den amerikanischen Partnern hier nicht darum geht, den hundertsten „hidden champion“, also einen heimlichen, kleinen und feinen mittelständischen Weltmarktführer hochzupäppeln.

„Wir müssen nach den Sternen greifen“, sagte er: „Stuttgart kann zu einem der globalen Startup-Zentren werden.“ Jemand, der die Google-Gründer kannte, als sie noch ein Drei-Mann-Team waren oder mit vier Millionen Dollar Investment in den populären Cloud-Dienst Dropbox dann vier Milliarden verdiente, der will keine kleinen Brötchen backen. „Als wir da unseren Einsatz vertausendfacht hatten, dachten wir: eigentlich ganz gut“, sagte Amidi, der seinen Ausstieg mit 500 Millionen Dollar Erlös bei einem Smartphone-Projekt schon einmal unter die Rubrik Misserfolge verbucht: „Ich verdiene gerne Geld: Ich finde das fantastisch.“

Die US-Partner sehen in der Region unausgeschöpftes Potenzial

Die Entscheidung mit Daimler in das auf den Automobilbereich konzentrierte Projekt Startup Autobahn in Stuttgart einzusteigen, sei nicht leicht gewesen: „Im Silicon Valley und in Berlin können sie leichter Geld verdienen.“ Doch gerade im Südwesten sieht der amerikanische Partner von Daimler ganz großes, noch unerschlossenes Potenzial: „Wir können hier das neue SAP schaffen“, sagte der Chef von Plug and Play in Anspielung auf die letzte wirklich ganz große Unternehmensgründung im Südwesten, die immerhin schon mehr als vier Jahrzehnte zurückliegt.

Die Region sei einmal der Ausgangspunkt für viele globale Erfolgsgeschichten gewesen – und das könne sie wieder sein: „Wir wollen Stuttgart nicht nur als besten Ort für Produktion und technische Entwicklung auf die Landkarte bringen, sondern auch als der beste Ort für Gründungen im Automobilbereich.“ Da mochte im regionalen Publikum dem einen oder anderen ein wenig der Atem stocken.

Auch beim anschließenden Podiumsgespräch ragten die Vertreter von Plug and Play, auch wenn sie ursprünglich aus Deutschland oder anderswo in Europa zur US-Firma gestoßen waren, mit der gewissen Extradosis Ehrgeiz heraus: „Es geht darum, Firmen ganz groß zu machen, nicht in kleinen Teams zu denken“, sagte etwa Andy Toth, ein Investmentexperte: „Wer nach den Sternen greift, der landet vielleicht wenigstens auf dem Mond.“

Ingenieure und große Worte – das passt (noch) nicht

Doch wer anschließend die Präsentationen von fünf technologisch ausgerichteten Startups verfolgte, mehrheitlich aus Stuttgart und Umgebung, der ahnte, dass eine Prise großer Visionen vielleicht genau die Ingredienz sein könnte, die der hiesigen Startup-Kultur noch einen Schub verleihen könnte.

Die Präsentationen waren geschliffen und zeigten teilweise enormes Marktpotenzial. Tsenso bietet Sensor-Dienstleistungen zur Temperaturüberwachung an. Semlabs hat Leasingmodelle entwickelt, die eine Miete entsprechend der konkreten Nutzung ermöglichen. Evopark macht die komfortable und automatische, monatliche Abrechnung von Parkhausgebühren möglich. Compositence will aus dem Flugzeugbau bekannte Kompositmaterialien in den Autobau einführen. Und Blickshift hat die Auswertung des menschlichen Blickverhaltens perfektioniert – was beim automatisierten Fahren nützlich ist.

Doch einfach so die Welteroberung ankündigen, das kommt noch nicht jedem so flüssig von den Lippen, auch wenn der Vertreter von Evopark schon einmal von der „Leidenschaft fürs Parken“ sprach. Sein Startup war aber auch nicht aus Schwaben sondern aus Köln.

Ein Amerikaner bei Daimler sorgt für Enthusiasmus

Und so ist es wohl kein Zufall, dass bei Daimler ein zentraler Antreiber des Projekts, der auch beim Meetup seinen ansteckenden Enthusiasmus verbreitete, Raymond Chow war. Der für Daimler Business Innovation (DBI) tätige, chinesischstämmige Amerikaner, hat sich nach vielen Jahren in Schwaben mit der Startup Autobahn auch eine persönliche Vision erfüllt. Am Ende fragte der von Plug and Play gestellte Moderator die Startup-Autobahn-Vertreter von Daimler und der Universität nach der größten und verrücktesten Idee, die vielleicht aus dem Projekt entstehen könne. Da redeten die Deutschen ganz solide etwa von bezahlbarer Mobilität. Doch Chow sagte gleich einmal begeistert: „Teleportation“.

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