Kartell-Vorwürfe Daimler-Chef Zetsche gibt sich schmallippig

Daimler-Chef Dieter Zetsche  ist beim Thema  Kartellverdacht schmallippig. Foto: AP
Daimler-Chef Dieter Zetsche ist beim Thema Kartellverdacht schmallippig. Foto: AP

Das Thema Kartellverdacht steht im Mittelpunkt. Im Rahmen der Präsentation der Zahlen für das erste Halbjahr tut Dieter Daimler-Chef Dieter Zetsche den Dissens mit BMW als Gerücht ab.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)
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Stuttgart - Zum Schluss hat sich Dieter Zetsche doch noch aus der Reserve locken lassen. Eigentlich war es ja die Leitlinie des Daimler-Vorstands für die Telefonkonferenz mit den Journalisten zum zweiten Quartal, zum gesamten Thema Kartellverdacht mitsamt Folgen überhaupt nichts zu sagen. So hatte es Pressechef Jörg Howe gesagt („Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Spekulationen, und deshalb werden wir uns auch jetzt zu diesem Thema nicht äußern“), bevor die Pressekonferenz überhaupt begann, und so leitete auch Zetsche sein Statement ein: „Ich weiß, viele wünschen sich schon jetzt mehr Klarheit. Aber wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen.“

Das hielten Zetsche und seine beiden Vorstandskollegen Bodo Uebber (Finanzen) und Martin Daum (Nutzfahrzeuge) fast 45 Minuten lang konsequent durch. Aber auf die letzte Frage entschlüpfte Zetsche dann doch eine Antwort: „Ich bin überrascht von der Stellungnahme von Herrn Wissmann. Weiter möchte ich das nicht kommentieren.“ Matthias Wissmann ist der Präsident des Branchenverbandes VDA (Verband der Automobilindustrie), und der hatte am Montag eine bemerkenswerte Erklärung zu den Kartellvorwürfen gegen Daimler, Porsche, VW, Audi und BMW abgegeben.

Der VDA meldet sich

„Sollten die Untersuchungen der Kartellbehörden die Vorwürfe bestätigen, wäre das nicht nur justiziabel, sondern auch ein Anlass für eine kulturelle Neudefinition innerhalb der betroffenen Unternehmen“, hieß es. Wissmann selbst verwies darauf, dass die Branche ihren weltweit guten Ruf schützen müsse, und sagte: „Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen wir uns kritischen Fragen offener stellen und mehr Selbstreflexion üben.“ Es knirscht im Verband, der eilig betont, dass die in Rede stehenden Vorgänge „sich auf ein Format, das nicht Teil des VDA und seiner Arbeit ist“. beziehen. Ein Dissens, wenige Tage vor dem Dieselgipfel der Bundesregierung.

Dass die durchaus guten Zahlen für das erste Halbjahr angesichts von Dieselkrise und Kartellverdacht nur begrenztes Interesse finden würden, hat der Vorstand gleich geahnt. Als eine Art Ablenkungsmanöver versuchten Zetsche und Uebber die Journalisten für ein neues Thema zu interessieren: eine bevorstehende Veränderung in der Konzernorganisation. Aber schnell zeigte sich, dass das Thema noch nicht reif für eine offizielle Kommunikation ist. Die einzelnen Geschäftsbereiche sollen in rechtlich selbstständige Einheiten aufgeteilt werden. Da der Vorstand noch nicht mehr sagen wollte oder konnte, flüchtete sich Uebber angesichts vieler Nachfragen ins Floskelhafte: „Wir arbeiten kontinuierlich an der Fokussierung unserer divisionalen Struktur, um unser Geschäft noch kundenorientierter aufzustellen“, sagte er.

Die Großen der Autobranche bringen sich in Stellung

Damit gehörte das Feld wieder den Topthemen der vergangenen Tage, die die Großen der Autobranche zunehmend gegeneinander in Stellung bringen. So hatte am Wochenende Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück die Schwestermarke Audi angegriffen, was in dem Vorwurf gipfelte, „kranke Motoren“ geliefert zu haben. „Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät“, sagte Hück. „Eigentlich muss der Audi-Aufsichtsrat die Vorstände freistellen.“ Das wiederum brachte Matthias Müller, Chef der Audi- und Porsche-Muttergesellschaft Volkswagen, in Wallung. Er wies die Kritik als „ganz und gar nicht hilfreich“ zurück. Müller: „Der Aufsichtsrat muss ganz sicher nicht belehrt werden, wie er seine Arbeit zu tun hat.“

Im VW-Konzern ist es der Dieselskandal, der für Zwist sorgt; Daimler droht aufgrund der Kartellvorwürfe mit seinem Kooperationspartner BMW über Kreuz zu geraten. Genauer: aufgrund der Selbstbezichtigungen, mit denen sowohl Daimler als auch VW in den Schutz der Kronzeugenregelung gelangen wollen. Unabhängig davon, ob Daimler oder VW schneller waren – BMW stünde auf jeden Fall im Regen. Die Münchner, so heißt es, seien nicht nur stocksauer; sie wollen jetzt die Zusammenarbeit für verschiedene Projekte vorerst einstellen. Betroffen sind offenbar unter anderem der gemeinsame Einkauf von Autoteilen, ein geplantes Tankstellennetz für Elektroautos sowie die Gespräche über eine Fusion der Carsharing-Töchter Car2go und Drive Now. Für Zetsche sind das – natürlich – Gerüchte: „Bei diesem Thema ist es – ebenso wie generell – nicht sinnvoll, auf Spekulationen zu reagieren, sondern sich direkt zu unterhalten“, sagte er. In den vergangenen sieben Tagen habe er nicht mit BMW-Chef Harald Krüger gesprochen. Und solange das noch nicht stattgefunden hat, sieht Zetsche keinen Anlass, „von irgendwelchen Irritationen“ bei BMW auszugehen. Denn alle Gespräche und Überlegungen hätten im „existierenden Rechtsrahmen“ stattgefunden.

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