Daimler und BMW Gemeinsame Carsharing-App noch nicht startbereit

Von Michael Bosch 

Für den neuen Dienst der beiden Autobauer gibt es keinen konkreten Zeitplan. Das Joint Venture will künftig vor allem auf E-Autos setzen und in mehr Städten präsent sein. Auch der Autovermieter Sixt startet sein eigenes Carsharing.

BMW und Daimler machen bei ihren Carsharing-Angeboten gemeinsame Sache. Foto: SHARE NOW
BMW und Daimler machen bei ihren Carsharing-Angeboten gemeinsame Sache. Foto: SHARE NOW

Stuttgart - Im digitalen Zeitalter sollte es immer und überall möglichst schnell gehen. Das neue Joint Venture von Daimler und BMW, Share Now, tut sich dabei jedoch schwer. Seit drei Wochen kooperieren die beiden Autobauer mit ihren Carsharing-Angeboten Car2go (Daimler) und Drive Now (BMW). Bis die beiden Dienste vollends vereint werden, wird es aber noch eine Weile dauern. „Carsharing ist äußerst komplex. Das unterschätzen alle“, sagt Share-Now-Chef Olivier Reppert. Auf einen Zeitplan, wann der Daimler- und der BMW-Service ineinander aufgehen, wollte er sich nicht festlegen. Vorerst könnten Kunden der beiden Dienste auch die Fahrzeuge des jeweils anderen Anbieters nutzen, hieß es. Mehr als 20 000 Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes-Benz, Mini und Smart stehen den weltweit über vier Millionen Nutzern nach Angaben des Unternehmens zur Verfügung. „Die beiden Marken Mercedes und BMW sind gut etabliert, das wollen wir nutzen“, so Reppert. Nach einer Übergangsphase sollen die Apps von Car2go und Drive Now zusammengeführt werden. Das sei aber nicht so einfach, erklärt Reppert. „Wir lassen uns damit ein bisschen mehr Zeit.“ Ihm sei es lieber, die App funktioniere ab dem Start, man wolle dem Kunden den Übergang so einfach wie möglich machen.

Erst einmal fahren die Autos mit den alten Logos weiter

Die beiden Autobauer haben die Kräfte gebündelt, um ihre Position auf dem wachsenden Markt auszubauen. Laut dem Bundesverband Carsharing sind derzeit 2,46 Millionen Menschen in Deutschland bei einem Carsharing-Angebot angemeldet. Beim sogenannten „free-floating“, bei dem der Nutzer sein Auto abstellen kann, wo er will, ist der Markt dem Verband zufolge um rund 15 Prozent gewachsen.

Vorerst werden die Car2go- und Drive-Now-Autos mit ihren alten Logos weiterfahren. Zusätzlich werden sie mit einem Share-Now-Aufkleber versehen. Das Joint Venture strebt an, die Flotten künftig annähernd gleich mit Autos der beiden Marken zu bestücken. „Wir ziehen aber nicht Autos aus der Flotte, nur damit wir das mit Ach und Krach hinbekommen“, sagt Reppert. In Stuttgart, wo es bislang nur Car2go gab, werde sich so schnell nichts ändern, sagte ein Sprecher von Share Now auf Nachfrage. Derzeit schaue man sich die verschiedene Städte an, und überlege, was sinnvoll sei. Dass Share Now sein Angebot auf weitere Städte ausdehnt, sei nicht ausgeschlossen. Auch die Gebiete, in denen man die Autos schon nutzen kann, würden überprüft. „Es ist wichtig, dass die Fahrzeuge dort sind, wo die Kunden sind“, stellt Reppert klar.

Die Zukunft ist elektrisch

Stuttgart ist eine von vier Städten weltweit, in denen Share Now eine vollelektrische Flotte betreibt. In 13 weiteren Städten fahren die Autos teilweise elektrisch. Künftig sollen noch mehr Elektrofahrzeuge dazu kommen. Man sei dabei aber auf die Zusammenarbeit mit den Städten angewiesen, die die Infrastruktur aufbauen müssten. Das Unternehmen könne dabei behilflich sein, Knotenpunkte ausfindig zu machen, an denen es sinnvoll ist, Ladesäulen aufzustellen, hieß es.

Olivier Reppert verspricht sich nach der Zusammenlegung der beiden Dienste „eine deutlich bessere Verfügbarkeit von Fahrzeugen“. Dass es mit dem Dienst künftig auch möglich sein könnte, andere Personen mitzunehmen, schloss er nicht aus. „Bei beiden Marken wurde schon an dem Thema gearbeitet.“ Die Befürchtung, dass die Preise nach der Zusammenlegung steigen, konnte er nicht vollends zerstreuen. „Ich denke, wir haben bei der Preisgestaltung in der Vergangenheit immer einen guten Mittelweg gefunden“, sagt Reppert. Es sei im Interesse von Share Now, dass die Fahrzeuge ausgelastet sind.

Sixt verschmilzt Autovermietung und Carsharing

Auch Deutschlands größter Autovermieter Sixt startet sein eigenes Carsharing und vernetzt alle Angebote auf einer App. Strategievorstand Alexander Sixt sagt: „Mit Sixt Share starten wir nicht einfach noch eine Carsharing-Marke, sondern definieren durch die Verschmelzung von Autovermietung und Carsharing eine neue Produktkategorie.“ Sixt hatte seine Anteile an dem Carsharing-Dienst Drive Now Anfang 2018 an seinen damaligen Partner BMW verkauft. „Als Marktführer mit weltweit 240 000 Fahrzeugen haben wir eine starke Kundenbasis aufgebaut“, erklärt Alexander Sixt.

Olivier Reppert sagt, jeder Player, der in den Markt komme und versuche, Menschen von Carsharing als Alternative zum privaten Auto in Großstädten zu überzeugen, sei gut für das Produkt an sich.