Stuttgart - Nur wenige Monate nach dem Einstieg des chinesischen Autokonzerns BAICmit fünf Prozent bei Daimler gab es im Dezember 2019 Gerüchte, wonach die Chinesen die Beteiligung auf zehn Prozent aufstocken wollen. Ziel des Pekinger Staatskonzerns sei, den heimischen Rivalen Geely, der 9,69 Prozent der Anteile besitze, zu überflügeln und so seine Position als Daimlers wichtigster Partner auf dem größten Automarkt der Welt zu festigen, berichtete damals die Nachrichtenagentur Reuters.
Von BAIC war damals keine Stellungnahme zu erhalten. Heute bestätigt sich, dass Reuters richtig lag. BAIC teilte am Montag mit, dass die Beteiligung mittlerweile auf 9,98 Prozent aufgestockt worden sei. Der Pekinger Staatskonzern ist damit größter Anteilseigner.
Das Bundeswirtschaftsministerium beobachtete 2019 die Entwicklung aufmerksam. Denn einige Jahre zuvor hatte der Einstieg des chinesischen Geely-Konzerns bei Daimler für Irritationen gesorgt. Geely-Gründer Li Shufu hatte sich mit Hilfe einiger Banken unbemerkt unter dem Radar der Veröffentlichungspflichten eine Beteiligung von fast zehn Prozent gesichert.
Das Pekinger Mercedes-Werk ist kräftig gewachsen
BAIC ist der wichtigste Partner für Daimler in China. Die beiden Autobauer arbeiten bereits seit zwei Jahrzehnten zusammen. In Peking steht heute die weltweit größte Mercedes-Fabrik, die in den vergangenen Jahren deutlich erweitert wurde. Viele Mercedes-Modelle, auch die elektrischen, werden dort produziert. Demnächst soll in dem Werk auch der vollelektrische EQE, das Pendant zur E-Klasse, vom Band laufen. China ist der wichtigste Markt für Mercedes-Benz. Der von Daimler abgespaltene Lastwagenhersteller Daimler Truck produziert mit der BAIC-Tochter Foton in China Lastwagen der Marke Auman. An Daimler Truck hält BAIC nach dem Börsengang 6,5 Prozent der Anteile.
Der Analyst Jürgen Pieper sieht die Veröffentlichung als Zeichen an Geely
Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler, wertet die Veröffentlichung der höheren BAIC-Beteiligung als „ein Zeichen an Geely, dass BAIC der Wunschpartner ist, der offenbar keine Absicht hat, seinen Anteil zu erhöhen“. Zugleich sieht Pieper die Mitteilung als Zeichen an die Politik, „dass weitere Geschäfte mit China, möglichst ungestört, sehr erwünscht sind“. Seit dem Start der Berliner Ampelkoalition geht in der deutschen Industrie die Sorge um, dass die Geschäfte schwieriger werden, weil in der Außenwirtschaftspolitik stärker auf die Einhaltung der Menschenrechte geachtet wird.
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Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB, ist der Ansicht, die höhere BAIC-Beteiligung helfe Daimler beim Wachstum in China. Die Gefahr einer Übernahme besteht nach seiner Einschätzung gegenwärtig nicht. Dies sei derzeit weder in Berlin noch in Peking politisch vorstellbar. Aber eine engere Zusammenarbeit mit dem Geely-Imperium, zu dem auch Volvo gehört, oder mit Renault wäre zur Senkung der Kosten „absolut sinnvoll“, urteilt der Börsenexperte.