Daimlers Sparpaket Ein Erfolg, kein Ruhekissen
Sparen wird bei Daimler zur Daueraufgabe der nächsten Jahre, aber nicht zur einzigen, meint der StZ-Autor Matthias Schmidt.
Sparen wird bei Daimler zur Daueraufgabe der nächsten Jahre, aber nicht zur einzigen, meint der StZ-Autor Matthias Schmidt.
Stuttgart - Es ist zu Ferienbeginn im Südwesten ein beruhigendes Zeichen in Richtung Belegschaft: Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei Daimler haben sich nach robust geführten Verhandlungen auf weitere Sparmaßnahmen geeinigt. Die Marterwerkzeuge, die man sich wechselseitig gezeigt hat, können beiseite gepackt werden. Es wird weder betriebsbedingte Kündigungen geben noch protestartige Betriebsversammlungen an allen Standorten. Stattdessen folgt das Unternehmen den Zeichen der Corona-Zeit und kürzt – wie zuvor die Zulieferer Bosch und ZF – befristet Arbeitszeit und Gehälter. Und das mit zwei Stunden pro Woche in überschaubarem Umfang.
Verknüpft mit dem Wegfall von Gewinnbeteiligung und tariflichem Zusatzgeld schlägt das Paket bei den Beschäftigten zwar spürbar ins Kontor. Dafür aber wird die Beschäftigungssicherung bis 2029 nicht grundsätzlich angetastet. Es spricht für die Betriebskultur, dass man – wie schon nach der Finanzkrise 2008 – in schwierigen Zeiten an einem Strang zieht.
Ein Ruhekissen aber ist für beide Seiten weit und breit nicht in Sicht. Auch wenn es ohne Kündigungen laufen soll: da bis Ende 2022 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten eingespart werden müssen, sorgt die Suche nach „Freiwilligen“ für ordentlich Druck vor allem im mittleren Management. Und die Jahre danach werden nicht leichter. Daimler-Chef Ola Källenius will das Unternehmen wetterfester machen, wie er sagt. Das bedeutet ständige Kostenreduktion, um die Gewinnmargen zu steigern. Nach dem Nachfrageeinbruch durch Corona und angesichts der Umwälzungen durch Klimaziele und Digitalisierung ist die Strategie nachvollziehbar. Akzeptanz finden wird sie öffentlich wie in der Belegschaft aber nur, wenn auch die anderen Ziele erreicht werden und Daimler wieder zum Technologieführer der Oberklasse wird. Auch dort, wo heute Tesla die Maßstäbe setzt: bei Reichweite, Finesse der Software und (halb-)automatischem Fahren.