Daimlerturm in Bad Cannstatt Nachdenken mit Blick auf die Alb

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Der Daimlerturm im Kurpark bietet nicht nur einen großartigen Blick ins Neckartal, sondern auch interessante Zeichnungen an den Wänden im Inneren. Aus Sicherheitsgründen kann das Bauwerk aber nicht dauerhaft für Besucher geöffnet werden.

Der Daimlerturm ist nur selten und zu speziellen Anlässen zugänglich. Foto: Annina Baur
Der Daimlerturm ist nur selten und zu speziellen Anlässen zugänglich. Foto: Annina Baur

Bad Cannstatt - Ein bisschen verwunschen und ziemlich romantisch ragt er im Kurpark auf, der Daimlerturm unweit des Spielplatzes. Kein Wunder, dass sich manch ein Spaziergänger sowie eine Nutzerin unserer Facebook-Seite für Bad Cannstatt fragt, warum das hübsche Bauwerk nicht zugänglich ist. Die Aussicht von dem rund 15 Meter hohen Turm reicht immerhin über den Uff-Kirchhof und die Mercedes-Benz-Arena und den Rotenberg bis zum Rechberg.

Im Inneren habe der Turm fast noch mehr zu bieten, sagt Hans Betsch vom Verein Pro Alt-Cannstatt: „Dort sind Gemälde an den Wänden“, sagt der ehemalige Vorsitzende, der selbst schon einige Male die Möglichkeit hatte, im und auf dem Turm zu sein, den Daimler im Jahr 1894 für sich auf dem Grundstück im Kurpark erbauen ließ, das er sich eigens für diesen Zweck gekauft hatte. Eventuell stammten die Bilder an den Wänden von Daimler selbst, vermutet Betsch.

Daimler liebte Türme und Höhlen

Bei Daimler gibt man sich zurückhaltender: „Es kann nicht genau gesagt werden, wer die Gemälde angefertigt hat“, sagt Ursula Wehinger, die für das Unternehmen zusammen mit Thomas Schwarz unter anderem die Gedenkstätten betreut. Ziemlich sicher aber seien zumindest die Entwürfe für die Bilder der Cannstatter Stadtkirche, des Schlosses Rosenstein, der alten König-Karl-Brücke und der Schorndorfer Altstadt von Daimler selbst: „Er war ein echtes Talent und zeichnete sehr genau und akribisch.“

Sicher ist: „Daimler war ein Liebhaber von Türmen und Höhlen“, so Betsch. Auch der Burgholzhofturm gehe auf seine Initiative zurück. Unter anderem setzte sich der Erfinder des Automobils dort dafür ein, dass eine Turmstube im Gebäude untergebracht wurde, wo bis heute die Sitzbänke und Tische gelagert werden, die für die Bewirtung des Turms an den Wochenenden nötig sind.

Wofür genau der Daimlerturm im Kurpark unweit der früheren Wohnhäuser von Maybach und Daimler genutzt wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren, zu wenig ist über das schmucke Türmchen bekannt. Möglicherweise nutzte Daimler den Turm unter anderem zum Nachdenken, Singen und Treffen mit Freunden, vermutet Wehinger.

Im Krieg wurde der Turm teilweise zerstört

Im Zweiten Weltkrieg wurde er dennoch zerstört, zumindest der obere Teil, auf dem eine Flak eingerichtet war. Wer genau hinsieht, erkennt bis heute, welcher Teil des Bauwerks nach dem Krieg rekonstruiert wurde. Dabei veränderte sich auch die Optik des Türmchens: „Früher gab es noch eine weitere Plattform auf halber Höhe, die wurde aber nicht wieder aufgebaut“, sagt Wehinger.

Der Turm im Kurpark übrigens war noch nie über einen längeren Zeitraum für die Öffentlichkeit zugänglich: „Zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel dem Tag des offenen Denkmals wird der Turm aber immer wieder geöffnet“, sagt Fabian Schlabach, Sprecher der Stadt Stuttgart.

Die Verwaltung des Turms ist Aufgabe des Liegenschaftsamts, die Schlüsselgewalt liegt bei Daimler. „Es gibt die Möglichkeit, den Turm zu speziellen Anlässen oder für besondere Gruppen zu öffnen“, sagt Wehinger. Eine dauerhafte Öffnung sei aber aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen: Ganz nach oben führen nur eine steile Stiege und eine Klapptür. Deshalb seien Überlegungen der Stadt in den 70er Jahren, den Turm für die Allgemeinheit zu öffnen, wieder ad acta gelegt worden.

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