InterviewDaisy Ridley spielt die Rey in „Star Wars“ „Ich lebe in meiner Komfortzone“

Von André Wesche 

Am kommenden Mittwoch läuft die finale Episode der „Star Wars“-Saga an. Die britische Schauspielerin Daisy ridley spielt darin die Actionheldin Rey.

Daisy Ridley im neuen „Star Wars“-Film als Rey Foto: AP/Lucasfilm Ltd.
Daisy Ridley im neuen „Star Wars“-Film als Rey Foto: AP/Lucasfilm Ltd.

Stuttgart - Die britische Schauspielerin Daisy Jazz Isobel Ridley (27) konnte nur Erfahrungen aus Fernseh- und Kurzfilmen sowie einem Independent-Horrorstreifen vorweisen, als sie 2014 die Hauptrolle der Rey in der neuen „Star Wars“-Trilogie ergatterte. „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ lockte ab Dezember 2015 über 9 Millionen Zuschauer in deutsche Kinos. Zwei Jahre später erschien die Fortsetzung „Star Wars: Die letzten Jedi“. Wenn die Filmreihe nun mit „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (dt. Start: 18. Dezember 2019) ihr Ende findet, heißt es auch von einer Figur Abschied nehmen, die die Herzen der bekanntlich sehr anspruchsvollen Fans erobern konnte. Wir trafen Daisy Ridley in Berlin zum Gespräch.

Ms. Ridley, wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie Teil des „Star Wars“-Universums geworden sind?

Ich weiß nun, was es bedeutet, in einem Film zu sein und diesen dann zu verkaufen, Interviews zu geben. Ich bin heute mehr bei mir selbst, in meiner Komfortzone. Es gibt also keinen Grund, vor dieser wunderbaren Wendung zurückzuschrecken, die mein Leben mit der Übernahme dieser Rolle genommen hat.

Sind Sie traurig, weil dies der letzte Teil Ihrer Trilogie ist?

Da ist schon eine Traurigkeit, die bis zum Filmstart aber noch anwachsen wird. Wenn wir heute über den Film sprechen, dann ist alles noch ganz lebendig. Ich bin sehr gespannt darauf, den Film zum ersten Mal zu sehen. Die Zeit bis dahin fühlt sich so sonderbar an. Ich habe über diese Gefühle auch mit Gwendoline Christie gesprochen, für die grade „Game of Thrones“ zu Ende ging. Sie ist nun auch Teil der „Star Wars“-Welt. Ich werde erst im Dezember wirklich realisieren, dass es vorüber ist. Es ist verrückt, ich habe so viele neue Freunde gefunden und Abenteuer erlebt. Und all das nähert sich nun seinem Ende.

Der Film beinhaltet Szenen mit der 2016 verstorbenen Carrie Fisher. Wie wurden diese realisiert?

Man hat Material verwandt, das noch von ihr existierte. Es ist seltsam. Wenn Sie den Film anschauen, werden Sie sehen, dass Leia eine große Rolle spielt. Es ist nicht so, als wäre sie nur eine Randfigur. Man erfährt mehr über ihren Hintergrund und versteht sie besser. Es war merkwürdig, einen Teil des Drehbuchs zu lesen und sich dabei zu ertappen, dass man manche Details bislang gar nicht hinterfragt hat. Nun stellen Filmfiguren diese Fragen. Man erfährt, welche Wege Leia bisher beschritten hat. Es ist wirklich erstaunlich, wie man dieses ereignisreiche Vorleben in die Gesamtgeschichte eingebaut hat.

Gefällt es Ihnen, dass Sie keine Prinzessin wie Leia, sondern eine Actionheldin sind?

Es hat großen Spaß gemacht, all die Actionszenen zu drehen. Aber der Film beinhaltet auch eine gewaltige, emotionale Geschichte. Ich habe mich nie wie eine Actionheldin in einem Genrefilm gefühlt. Außerdem haben wir im Laufe der Geschichte schon eine Prinzessin gehabt, da liegt es doch nahe, auch eine Frauenfigur mit einem völlig anderen Hintergrund zu etablieren. Rey kommt von irgendwoher und versucht, ihre Herkunft zu entschlüsseln. Finn hat sich von seiner Vergangenheit losgelöst. Ihre Story weiterzuverfolgen, wird für die Zuschauer sehr aufregend sein.

Die Kritik von „Star Wars“-Fans kann sehr hart ausfallen. Ist Ihnen mulmig, sich einmal mehr dieser Herausforderung zu stellen?

So ist das Leben. Die Leute haben viel über „Die letzten Jedi“ geredet. Aber sie gehen nach wie vor ins Kino. Ich komme nur auf den Conventions mit den Star-Wars-Fans zusammen und nach wie vor versammeln sich dort viele Menschen, die sich auf den Film freuen. Ich verstehe natürlich, dass sich die Fans gern über den Film austauschen. Einiges von dem, was gesagt wurde, war nicht nett. Und es ist nicht so, als könnte ich es nicht erwarten, dass die Leute wieder gemein sind. (lacht) Allerdings denke ich, dass dieser Film nicht so stark polarisieren wird wie der letzte. Er wird sicher nicht jeden zufriedenstellen, aber bestimmt einen Großteil der Zuschauer.

Wie war die Arbeit am dritten Film?

Ich hatte viel Freude daran, die ersten beiden Filme zu drehen. Beim ersten war ich von allem noch so überwältigt, dass ich mich kaum erinnern kann, ihn gemacht zu haben. Eigentlich hat sich dieses überwältigende Gefühl auch beim zweiten Teil fortgesetzt. Zwischen dem zweiten und dem dritten Film habe ich sechs Monate Pause eingelegt. Ich habe viel geschlafen und Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbracht. Aus dieser Phase des Ausruhens heraus mit den neuen Dreharbeiten zu beginnen, war einfach optimal. Ich fühlte mich rundum gut, zumal ich mit derselben Crew und denselben Kollegen zusammengearbeitet habe. Menschen erbringen ihre beste Leitung, wenn sie sich wohlfühlen. Ich habe es geliebt, einmal mehr mit J.J. Abrams zu arbeiten. Natürlich waren es lange und schwierige Dreharbeiten. Aber man hat gemerkt, dass wir alle an einem Projekt arbeiteten, das für uns von persönlicher Bedeutung ist.

Haben Sie anfangs darüber nachgedacht, ob Sie und Rey zu einem bleibenden Bestandteil der Popkultur avancieren werden?

Nein! Ich war eher so: „Yeah, ich bin in einem Film! Die Menschen mögen ihn, das ist cool.“. Und dann habe ich den Dingen einfach ihren Lauf gelassen. Die Filme bleiben nun in dieser Welt und Menschen werden sie sich anschauen. Es ist aufregend, Teil des Ganzen zu sein. Aber jenseits dessen? Nun, jeden Tag passieren verrückte Dinge.

Wird es schwer sein, für Ihre weitere Karriere das Image der Rey-Schauspielerin abzulegen?

Ich denke, ich habe in den zurückliegenden fünf Jahren eine ganz ordentliche Arbeit abgeliefert. Die Menschen reden über „Star Wars“, aber sie sagen auch, dass sie die von mir koproduzierte Dokumentation „The Eagle Huntress“ mögen oder mich in „Mord im Orient-Express“ gut fanden. Ich habe schon jetzt das Gefühl, dass man mich auch in anderen Rollen wahrnimmt. „Star Wars“ hat Spaß gemacht und wird mich nun hoffentlich zu vielen unterschiedlichen Angeboten führen.

Inwiefern ist die Filmserie in Ihrem privaten Leben präsent, haben Sie Poster an der Wand und tragen Sie die T-Shirts?

Die Teammitglieder bekommen T-Shirts geschenkt, die habe ich. Es gibt ein erstaunliches Kunstwerk, das jemand von mir und John gemacht hat. Ich weiß gar nicht, wo es sich im Moment befindet, wahrscheinlich bei meinen Eltern. An meiner Wand habe ich ein Foto von Oscar Isaac, John Boyega und mir. Es stammt von meiner ersten Convention und zeigt uns vor dem Publikum. Aber das war es auch. John ist ein großer Sammler von Memorabilia, nicht nur von „Star Wars“. Er trägt in seinem Haus alles Mögliche zusammen.

Haben Sie Souvenirs von den Dreharbeiten?

Ich habe den Ring, den ich als Dark Rey trage. Natürlich hat ihn niemand wahrgenommen, wenn ich nicht dazu gesagt habe: „Das ist der Ring!“. Und man hat mir ein Lichtschwert geschenkt, was ich sehr cool finde. Außerdem durfte ich noch ein Kostüm behalten. Ich wollte nicht zu oft fragen, aber eigentlich hätte ich am liebsten alles mitgenommen.

Welchen Film aus dem „Star Wars“-Universum mögen Sie am liebsten?

Ich mag die Ewoks sehr gern, aber ich weiß, dass sie das Publikum spalten. Mir ist durchaus bewusst, dass sie etwas Grusliges an sich haben. Aber sie sind auch saukomisch.

„Star Wars“ wurde zur offiziellen Religion. Was halten Sie davon?

Es gibt Menschen, die glauben an weitaus verrücktere Dinge. Ich nenne sie nicht beim Namen, weil ich niemanden verletzen möchte, aber es gibt Religionen, die sich auf wesentlich abwegigere Dinge berufen. Die „Star Wars“-Anhänger glauben an die Macht und an Energie. Ich glaube selbst an die Energie des Universums und an Spiritualität. Das ist nicht Millionen Meilen davon entfernt. Wissen Sie, was ich denke? Wenn Deine Welt gerade hart ist und es Dir hilft, an etwas zu glauben, dann mache es. Für mich geht das in Ordnung.

Welche Interviewfrage hassen Sie am meisten?

Eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist, lautet: „Ich weiß, Sie dürfen gar nichts über den Film verraten. Aber können Sie nicht doch etwas erzählen?“.

Wie gefällt Ihnen „Star Trek“?

Ich mag „Star Trek“. Meine Schwester ist ein großer Trekkie, durch und durch. Ich bin mit einem Schauspieler aus der neuen „Star Trek“-Crew befreundet. Und ich mag J.J.s Vision.

Was kommt für Sie nun als Nächstes?

Es sind sehr viele Sachen in der Pipeline, aber es ist noch nichts spruchreif. Ich befinde mich an einem sehr glücklichen Punkt, an dem man mir viele Drehbücher anbietet. Ich hatte ein Meeting mit einem erstaunlichen Kerl, dem vielleicht härtesten New Yorker Produzenten. Nach dem Treffen habe ich das Buch gelesen und ein paar Wochen später rief er an und fragte, ob ich noch interessiert sei. Mir werden Möglichkeiten eröffnet, die ich vorher nie bekommen hätte. Ein Projekt, von dem ich hoffe, dass es realisiert wird, könnte man als „bourne-esk“ beschreiben. Ein großartiges Drehbuch und ein cooler Filmemacher. Wir erleben gerade eine seltsame Zeit, was den Film anbetrifft. Man hat große Angst davor, Projekten grünes Licht zu geben.

Wenn man Sie irgendwann in der Zukunft bitten würde, noch einmal in die ikonische Rolle der Rey zu schlüpfen – würden Sie zustimmen?

Im Moment halte ich diese Geschichte, an der ich mitarbeiten durfte, für so fantastisch für mich als Schauspielerin und für Rey als Figur, dass ich mir nicht vorstellen kann, das noch toppen zu können. Ich habe mit John darüber gesprochen, ob ihm noch irgendetwas einfällt, was ich noch nicht gemacht habe. Man müsste schon etwas völlig Außergewöhnliches anbieten, damit ich noch einmal zusage. Für mich schließt sich das Buch nun.