Nachmittags ein Badestopp, abends Konzerte - bei einer Kreuzfahrt durch die Inselwelt Dalmatiens kommen Urlauber auf ihre Kosten.
Kasatela - Es duftet nach Sonne und Süden, dazu leuchten die Farben, und das Wasser im Hafenbecken glitzert verlockend. Dort hinten, das letzte in der Reihe dieser prächtigen Schiffe, das ist die „Princeza Diana“: ein Hotel für 30 Passagiere, 30 Fahrräder, die siebenköpfige Crew - und vier Musiker. Die Kajüte ist größer als erwartet, edel ausgestattet und klimatisiert, zwei breite Betten - doch warum sich drinnen aufhalten, vor der Pier liegt schließlich der Diokletian-Palast, ein Unesco-Weltkulturerbe und satte 1800 Jahre alt. Der römische Kaiser Diokletian ließ ihn 284 errichten, inmitten von dicken Mauern und Wachtürmen. 500 Jahre später suchten die Einwohner Splits darin Schutz und bauten das Areal nach ihren Bedürfnissen um, als frühmittelalterliche Stadt, die bis heute bewohnt ist. Am Abend wartet das erste Konzert mit Violoncello und Klavier, in einem venezianischen Palazzo etwas außerhalb der Stadt, beim Musikfestival in Kašatela.
Die Fenster sind weit geöffnet, die Nacht hat sich über das Meer gesenkt, und in den kurzen Pausen des Atemholens hört man leise die Wellen an die Grundmauern des Palazzo schlagen. Eine Melange von angenehmen Klängen: Das kann nur eine wunderbare Reise werden. Am nächsten Morgen erscheint eine neue Welt, frisch und menschenleer liegt die Pier vor dem Palast. Die Crew ist bereits auf den Beinen, vorn am Deck werden die Leinen aufgeschossen, und das Schiff entfernt sich zentimeterweise von der Kaimauer. Der letzte Matrose springt an Bord, dann dreht die „Diana“ hinaus aufs Meer. Eine Fähre, bestimmt 20-mal größer und höher als das Schiff, passiert in gefühlter Armeslänge. Und schon wird zum Frühstück gerufen. Fünf Tische sind im Salon gedeckt. Keine Selbstbedienung am Büfett, sondern alles wird gebracht. Man reicht sich die Platten, höflich und noch etwas ungewohnt, erst einige Tage später wird man beim Abendessen ungeniert um die letzte Dorade feilschen. Korcula ist das erste Ziel, dort wird am Abend ein Volksfest gefeiert.
„Radeln mit dem Rückenwind“ ist angenehm bei 32 Grad im Schatten
Die gesamte Inselbevölkerung findet sich in der Stadt ein, zunächst zur feierlichen Prozession, die mit Weihrauch und den Reliquien im goldenen Schrein, mit armdicken Kerzen und bunten Laternen durch die engen Gassen und über die zahlreichen Treppen zieht. Ein mystisches Spektakel, fremd und faszinierend. Die „Princeza Diana“ legt bereits 15 Kilometer vor der Stadt an, in einer pittoresken Bucht, der ersten von vielen. Die Crew lädt die Räder aus. Jedes Rad trägt ein Schildchen mit dem Namen des Passagiers, in der Größe wie vorab bestellt.
Die meisten Mitreisenden haben sich für E-Bikes entschieden - sehr schlau, wie sich bald herausstellen wird: Denn das „Radeln mit dem Rückenwind“ ist angenehm bei 32 Grad im Schatten, die gerne mal zu 40 in der Sonne werden können. Die Route führt über eine schmale Küstenstraße mit Ausblicken über das geradezu kitschig blaue Meer bis Korcula-Stadt. Eine Familie aus Boston radelt bei jeder Tour tapfer mit, die beiden Mädchen werden allenthalben bewundert ob ihrer Kondition. Mutter Sheela hatte eine Gastprofessur in London, die vier gönnen sich die Schiffsreise als krönenden Abschluss ihres Europajahres. Die Gruppe auf der „Princeza Diana“ ist altersmäßig gut gemischt, zwei Familien logieren auf dem unteren Deck in den Familienzimmern, und auch die Musiker ziehen den Altersschnitt nach unten. Während der Fahrt findet jeder rasch seinen Lieblingsplatz, luftig oder ein wenig geschützter, sonnig oder schattig.
Perfekt ist die felsige Küste zum Schnorcheln
Einer der täglichen Höhepunkte ist der Badestopp: Wann immer sich eine ruhige Bucht anbietet, ankert der Kapitän, die Crew lässt die Paddelboote zu Wasser und macht die Badeplattform klar. Selbst Duschen sind darauf installiert. Perfekt ist die felsige Küste zum Schnorcheln, seltsame Seegurken und schillernde Fischchen zeichnen sich vor dem hellen Untergrund ab. An einem Morgen geben die Musiker ein Konzert an Bord, eine klangvolle halbe Stunde nach dem Frühstück: Dabei sind Latica Anic, Cellistin aus Zagreb, die Violinistin Sara Domjanic und ihr Bruder Andreas, der am Klavier begleitet.
Es ist kein Zufall, dass die Geschwister aufspielen, denn ihr Vater, Drazên Domjanic, hatte die Idee zu dieser Kreuzfahrt. Er ist selbst Konzertpianist und Intendant des Classic Festivals in Bad Ragaz, ein Liechtensteiner mit kroatischen Wurzeln. Seine Leidenschaft gilt heute vor allem der Förderung der Jugend: „An begabtem Nachwuchs mangelt es nicht,“ sagt er, „aber an Auftrittsmöglichkeiten und an Kontakten zu Agenturen und großen Dirigenten.“ Für den dritten Abend sind wieder Konzertkarten reserviert, für das internationale Sommer-Festival in Dubrovnik: beste Plätze im Atrium eines Renaissancepalastes, dem früheren Sitz der „Rektoren,“ also der Repräsentanten der freien Republik. Im ersten Teil verzaubert ein Streicherquartett, nach der Pause eine Mezzosopranistin, die meisterlich am Klavier begleitet wird. Erschöpft von der Fülle der Eindrücke warten die Passagiere am Hafen auf das Transferboot zurück zur „Diana“.
Die Marmorsteine sind selbst um Mitternacht noch angenehm warm, und so lässt sich die Wartezeit auf dem Rücken liegend mit dem Zählen der Sterne überbrücken. Nach dem Besuch von Dubrovnik führt die Route schon wieder zurück in den Norden. Noch wartet die Honiginsel Mljet mit ihren geschützten Steineichenwäldern und dem türkisblauen See inmitten der Insel. Die Wanderung über die Waldwege bietet eine angenehme Abwechslung zu den Radtouren. Routiniert schwärmen die Kreuzfahrer aus, um die Insel zu erkunden. Maestro Domjanic stellt sich nicht nur als Meister am Klavier, sondern auch als Meister der Weine heraus und organisiert eine Verkostung im Weingut Plenkovic auf der Insel Hvar. In der Bucht von Palmizâna bleibt das Schiff wiederum einen ganzen Tag und eine Nacht, das Paradies ist im privaten Besitz einer kroatischen Großfamilie. Dort feiern alle zusammen ein letztes großes Fest: mit einem üppigen Frühstück und einem Konzert inmitten des subtropischen Palmengartens.
So wird das Reisewetter in Europa
Infos zur Musikkreuzfahrt
Anreise
Direktflüge ab Stuttgart nach Split zum Beispiel mit www.germanwings.com (ab 52 Euro) oder mit www.Tuifly.com (ab 83,99 Euro).
Veranstalter
Pauschal buchen: Veranstalter der beschriebenen Musikkreuzfahrt ist Amazing Adventures, www.amazing-adventures.ch .
Buchungsannahme in Deutschland über Radurlaub Zeitreisen GmbH, Maybachstraße 8, 78467 Konstanz, Tel. 0 75 31 / 36 18 60, www.inselhuepfen.de .
Die siebentägige Fahrt auf der „Princeza Diana“ kostet inklusive aller Ausflüge und Verpflegung 1575 Euro pro Person in der Doppelkabine unter Deck (Über-Deck-Zuschlag 83 Euro/Person). Flüge und Verlängerungsnächte in Trogir werden auf Wunsch vermittelt.
Eine ähnliche Inseltour mit der Motoryacht hat auch Dertour im Programm, bei individueller Anreise nach Split ab 859 Euro pro Person in der 2-Bett-Kabine (Hochsaison, ohne Ausflüge und Konzerte, ohne Fahrräder), www.dertour.de .
Ebenso Tui, inkl. Flug ab Frankfurt und Transfer, ab 788 Euro p. P./HP in der Doppelkabine außen im August (herrliche Inselwelt), www.tui.com .
Unterkunft
Trauminsel Palmizana vor der Insel Hvar mit Ferienhäusern: www.palmizana.hr .
Buchtipp
Lore Marr-Bieger: Mittel- und Süd-Dalmatien, Michael Müller Verlag, Erlangen 2012, 21,90 Euro.
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