Damenschneiderin restauriert Möbel Zweite Chance für Holzmöbel aller Art

Das Arbeiten mit Holz hat Luise Winker schon immer fasziniert. Foto: /Barbara Scherer

Eigentlich ist Luise Winker gelernte Damenschneiderin und Designerin. Doch ihr Herz schlug schon immer für Holzmöbel. Heute ist sie die Betreiberin von Winker & Möbel in Esslingen und hat sich der Aufbereitung und Reparatur von alten Möbeln verschrieben.

Im Ladenlokal in der Sirnauer Straße 41 rattern keine Maschine, und es surren keine lauten Werkzeuge. In dem freundlich-hellen Raum, der von außen gut einsehbar ist, sind ein paar ältere Möbel aufgestellt, eine Vitrine, ein frisch bezogener Sessel, ein Set aus Couchtischen. Ein Nachtschränkchen steht zur Bearbeitung an der Werkbank. Alles in allem sieht es eher nach einem Wohnzimmer als nach einer Werkstatt aus.

 

Luise Winker, die Betreiberin von Winker & Möbel hat sich der Aufbereitung und Reparatur von Holzmöbeln und Holzobjekten aller Art verschrieben. Nachhaltigkeit ist ihr Motto. „Möbel liegen mir einfach am Herzen“, sagt Luise Winker, die ihr Atelier im April eröffnet hat. Ihr gehe es darum, Teile aus Holz zu erhalten. Sie sieht auch den aufkommenden Trend, Möbelstücke nicht einfach wegzuwerfen und durch Neukäufe zu ersetzen, sondern sie durch Pflege und Aufarbeitung am Leben zu erhalten. Dabei geht es nicht immer nur um eine aufwendige Restaurierung eines Teils, sondern oft genug auch bloß darum, die Funktionstüchtigkeit eines Möbels wiederherzustellen, indem man beispielsweise eine klemmende Schublade wieder gangbar macht oder indem ein im Keller ausgelagerter Stuhl wieder nutzbar gemacht wird, nachdem dessen Lehne neu eingeleimt wurde. „Man darf nicht unterschätzen, wie früher Möbel gebaut wurden“, sagt Winker und zeigt auf einen Sessel aus den 60er Jahren, der mit seinen Armlehnen aus Holz und einem neuen hellen Stoffbezug ein Hingucker in jedem Raum sein kann. Für 50 Euro auf Ebay angeboten, hat das Teil seinen Weg in die Sirnauer Straße gefunden und wurde zu einem echten Schmuckstück. „Das ist Handarbeit“, sagt Winker und fügt hinzu: „Und es ist nachhaltig.“

Alter der Möbel soll sichtbar bleiben

Winkers Ziel ist es, ältere Möbelstücke so zu bearbeiten, dass Schäden zwar behoben werden, das Alter der Möbel aber noch sichtbar und die spezielle Patina eines Möbelstücks erlebbar ist. So werden bei Luise Winker Vollholzflächen und furnierte Flächen aufgearbeitet, indem Blasen und Risse repariert werden, Schellackpolituren durchgeführt, Oberflächen geölt oder gewachst, Farben angepasst, Furnierschäden behoben, Profilleisten repariert oder ersetzt. In ihrer Werkstatt befinden sich kaum größere Maschinen. Die Schleifmaschine ist das wichtigste Teil an der Werkbank. Ansonsten arbeitet sie mit Handwerkszeug wie Stemmeisen, Säge oder Cuttermesser. Auch bei Polsterarbeiten legt Winker Hand an, aber nur bei kleineren Maßnahmen. Ansonsten arbeitet sie mit einem lokalen Polsterer zusammen.

Der Weg der 32-Jährigen zu ihrem Arbeitsplatz in der Sirnauer Straße war steinig – und er ist das Ergebnis von Enttäuschungen. Aber von vorne: Holz und das Arbeiten mit den Händen hat sie schon immer fasziniert. Ihren Berufswunsch Schreinerin hat sie schon früh formuliert. In der Ausbildungszeit kam die Ernüchterung: „Ich hatte eine sehr romantische und veraltete Vorstellung von diesem Beruf, nämlich von viel Handarbeit mit Holz“, bekennt Luise Winker. Arbeiten mit Holz stand aber nicht auf der Agenda, dafür das Verlegen von Böden, Fenstersetzen, Lackierarbeiten. Nach ihrer Gesellenprüfung erlebte sie, dass Vorbehalte gegen Schreinerinnen groß sind. Heute sagt sie, sie „verstehe gut, dass sich Frauen vom Schreinerberuf abgeschreckt fühlen“, und wundert sich, dass sich so eine Haltung in Zeiten des Fachkräftemangels noch findet.

Auf Umwegen zur Restauratorin

Winker wandte sich vom Werkstoff Holz ab, begann als überzeugte Handwerkerin eine Lehre als Damenschneiderin und Designerin und legte die Gesellenprüfung ab. Über einen privaten Kontakt kam sie in eine Firma, die im Bereich Denkmalpflege tätig war. Und dort konnte sie ihre Liebe zum Werkstoff Holz wieder ausleben. Sie arbeitete sich in den Bereich Restaurierungen ein und erwarb so zusätzliche Kenntnisse, die sie sich bei der Handwerkskammer hat anerkennen lassen. So darf sie sich auch Restauratorin nennen. Zu der Zeit reifte auch ihr Entschluss, sich mit diesen erworbenen Kenntnissen in Verbindung mit ihren handwerklichen Qualifikationen selbstständig zu machen. Ein „Luxusangebot, ein Nischenangebot“, nennt sie ihre Dienstleistung. Schreinerbetriebe machten diese Arbeiten kaum mehr. „Oft wird vergessen, was Handwerker alles machen können“, sagt Luise Winker.

Winker & Möbel schenkt alten Einrichtungsstücken ein neues Leben

Anfragen mit Foto
Luise Winkers Ein-Frau-Betrieb befindet sich in der Sirnauer Straße 41 in Esslingen. Für gewöhnlich schickt die Kundschaft ihr über E-Mail oder Whatsapp Fotos von Möbelstücken, die einer Reparatur bedürfen. Auf dem Fragebogen auf ihrer Homepage können die Kunden gezielt Fragen stellen und Wünsche äußern. Telefonische Anfragen sind ungünstig, da sie allein arbeitet und jedes Telefongespräch zur Unterbrechung der Arbeit führen würde. Anfragen würden aber zeitnah beantwortet. Winkers Arbeiten beziehen sich nicht nur auf ältere Möbelstücke. Sie bearbeitet auf Wunsch auch Teile von Ikea. Winker holt die Teile selbstständig beim Kunden ab und liefert sie nach der Bearbeitung wieder an.

Schmuckstücke im Raum
Luise Winker will Handwerk, Kunst und Nachhaltigkeit verbinden. Und so sollen Möbel auch als Schmuckstück in einem Raum glänzen. So gibt es einzelne Möbelteile, die Winker aufbereitet hat und die sie vermietet, wie beispielsweise den erwähnten Polstersessel aus den 60er Jahren. Der stand kürzlich zusammen mit einem kleinen Couchtisch in einem für eine Hochzeitsgesellschaft gemieteten Saal. In dieser gemütlich eingerichteten Ecke konnten die Gäste Platz nehmen, um sich in Ruhe in das Gästebuch einzutragen. Oder ein Sofa wird aufgestellt, um älteren Besuchern einer Festlichkeit einen Rückzugsort zu bieten, der so nicht in der gemieteten Location vorhanden ist.

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