InterviewDaniel Didavi vom VfB Stuttgart „Warum sollte ich mir Druck machen?“

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Der umworbene VfB-Profi Daniel Didavi spricht im StZ-Interview vor dem Bundesligaspiel an diesem Samstag in Leverkusen über Probleme in der Vergangenheit und seine Pläne für die Zukunft.

Das Herz schlägt für den VfB, doch der Mittelfeldspieler Daniel Didavi denkt an einen Vereinswechsel. Foto: Baumann 23 Bilder
Das Herz schlägt für den VfB, doch der Mittelfeldspieler Daniel Didavi denkt an einen Vereinswechsel. Foto: Baumann
Stuttgart – - Daniel Didavis Vertrag in Stuttgart läuft 2016 aus. Das macht den Techniker mit der Nummer zehn auf dem VfB-Trikot zum begehrten Mann, weil er ablösefrei wechseln kann. Nun wägt der 25-jährige Mittelfeldspieler ab – „zwischen dem Wohlfühlfaktor in Stuttgart und dem Reiz, Champions League zu spielen.“
Herr Didavi, Respekt, dass Sie sich diesem Interview stellen.
Wieso?
Na, weil der VfB in Leverkusen spielt und das die beiden Vereine sind, die um Sie buhlen.
Das berichten einige Medien. Ich habe das nie zum Thema gemacht.
Stimmt. Dennoch hält sich das Thema mit ihren Wechselabsichten zwischen Neckar und Rhein hartnäckig.
Im Sommer hatten die Leverkusener Interesse an einer Verpflichtung – das weiß mittlerweile jeder. Mehr ist aktuell nicht dran, deshalb ist das für mich ein ganz normales Spiel und kein Grund, mich zu verstecken oder irgendetwas zu verbergen.
Also kommt die ganze Aufregung rund um ihren auslaufenden Vertrag nur von außen?
Ja, und was mich dabei ärgert, ist, dass teilweise Unwahrheiten berichtet werden. Anfangs hieß es, dass der Sportvorstand Robin Dutt mir ein Ultimatum gestellt habe, danach dass ich mir das Angebot des VfB nicht einmal angeschaut habe und schon in Leverkusen unterschrieben hätte – das alles stimmt so jedoch nicht.
Wie weit sind Sie in Ihrer Zukunftsplanung tatsächlich?
Der VfB und ich haben die Gespräche über eine Vertragsverlängerung erst einmal hinten angestellt, weil es die sportliche Situation erfordert. Immerhin waren wir zwischenzeitlich auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Jetzt sieht es zwar wieder besser aus, aber es bleibt wenig Zeit, um sich konkret mit der Zukunft zu beschäftigen. Deshalb bin ich auch noch nicht zu einem Entschluss gekommen.
Wann wird es so weit sein?
Das kann ich nicht sagen, weil es kein Zeitfenster gibt. Und es ist auch nicht so, dass Robin Dutt jeden Tag in der Kabine steht und fragt: ‚Na Dida – hast du dich endlich entschieden.’
Hängt Ihre Entscheidung auch von der sportlichen Entwicklung des VfB ab?
Schon, aber nicht insofern, dass ich abwarte, wo der VfB nach 20 Spieltagen steht und mich dann entscheide. Vielmehr geht es darum, ob ich beim Aufbau einer neuen Mannschaft dabei sein will oder nicht.
Und? Wollen Sie?
Das muss ich abwägen. Zwischen dem Wohlfühlfaktor in Stuttgart und dem Reiz, Champions League zu spielen. Denn am VfB hängt mein Herz. Ich weiß auch, dass ich dem Verein viel zu verdanken habe. Ich spiele hier, seit ich sieben Jahre alt bin, und der VfB hat mir sehr geholfen, als ich lange verletzt war. Doch jetzt ist die Konstellation so, dass mein Vertrag im nächsten Jahr ausläuft, dass ich dann 26 Jahre alt bin und mir die Frage stelle, ob ich eine neue Herausforderung annehme. Schließlich war es immer mein Traum, in der Champions League zu spielen.
Mit dem VfB ist das in absehbarer Zeit kaum möglich.
Es wäre jedenfalls vermessen zu denken, dass der VfB in zwei Jahren in der Champions League spielt.
Wie schätzen Sie die Situation beim VfB ein?
Zu Saisonbeginn haben wir gut gespielt, nur keine guten Ergebnisse erzielt. Das hat am Selbstvertrauen genagt. Zuletzt ging es aber in die richtige Richtung, obwohl wir große Verletzungsprobleme haben.
Zu den Ausfällen gehören auch Christian Gentner, Serey Dié und Daniel Ginczek – zwei Führungs- und ein Schlüsselspieler. Verändert das Ihre Rolle in der Mannschaft?
Ich bin nicht gerade als Lautsprecher bekannt. Ich denke aber, dass ich viel durch meine Leistung bewegen kann. Ich kann die Spieler, die aus der zweiten Reihe nach vorne kommen, mit Aktionen mitreißen.
Wie darf man sich das vorstellen?
Wenn ich einen langen Sprint mit abschließender Grätsche hinlege, dann machen das andere Spieler ebenfalls. Wenn man mir dagegen meine Unzufriedenheit ansieht, weil das Spiel vielleicht nicht so gut läuft, dann überträgt sich das auch.
Auch der Trainer Alexander Zorniger sieht Sie mehr in der Verantwortung.
Ist doch gut, dass ich vorangehen muss. Aufgrund meiner langen Verletzungszeit bin ich überzeugt, dass ich gereift bin und einiges in die Mannschaft einbringen kann.
Wie wichtig war das Ingolstadt-Spiel?
Extrem wichtig. Schon allein aufgrund der Konstellation: gegen einen Aufsteiger musst Du zuhause gewinnen. Gerade wenn man Tabellenletzter ist, wie wir es vor einer Woche waren. Nun hatten wir mehr Ruhe nach dem Sieg.
Wurde Ihnen die Diskussion um das Zorniger-System zu hoch gehängt?
Im Grunde schon. Doch wenn ein neuer Trainer kommt und vieles verändert, dann löst das eben eine gewisse Aufregung aus – vor allem wenn man fünf Spiele nacheinander verliert. Der VfB ist einfach ein zu großer Verein, als das im Misserfolgsfall alles ruhig bleibt. Was mich aber viel mehr gestört hat, ist, dass versucht wurde, den Trainer schon als gescheitert hinzustellen. Auch, weil das Verhältnis zur Mannschaft nicht gepasst haben soll. Das war und ist nicht der Fall.
Aber hat der Trainer durch seine provokanten Aussagen zu ihrer fast zweijährigen Verletzungsgeschichte nicht das Verhältnis zu Ihnen persönlich belastet?
Mich hat gestört, dass mein Knie in aller Munde war und darauf hin von vielen Leuten behauptet wurde, dass ich verletzungsanfällig sei.
Also sind Sie sauer auf Alexander Zorniger, weil er das Thema wieder aufgebracht hat?
Mit dem Trainer konnte ich das Ganze schnell ausräumen. Im Grunde hat er ja nur gemeint, dass es gut für mich wäre, über einen längeren Zeitraum fit zu bleiben und regelmäßig zu spielen – und dass dies bei einem Champions-League-Club schwieriger wird. Dem kann ich mich anschließen. Ich muss ja zunächst einmal beweisen, dass ich auf diesem Niveau spielen kann – und mein Knie stabil genug dafür ist.
Was sagt denn Ihr Knie im Moment zu den Belastungen eines Profifußballers?
Es sagt: mir geht es super.
Was sich belegen lässt?
In dieser Saison gehöre ich bisher zu den VfB-Spielern mit den meisten Einsätzen. Daraus kann man nicht schließen, dass ich Probleme habe. Ich trainiere voll mit der Mannschaft. In der Vorbereitung war das anders, weil wir da in Absprache mit dem Trainerteam und den Ärzten die Belastungen dosiert haben.
Dennoch bleibt ein Risiko fürs lädierte Knie.
Stimmt, aber es kann auch bei jedem Training etwas passieren.
Wieso unterschreiben Sie dann nicht einfach einen Vertrag beim VfB? Damit wären Sie finanziell auf der sicheren Seite.
Weil Geld nicht alles ist.
Kann es sein, dass Sie in der Vertragsangelegenheit der Coolste von allen sind?
Schon möglich. Aber auch das führe ich auf meine Leidenszeit zurück: Ich habe schon so viel Mist im Fußball erlebt, dass ich die jetzige Situation positiv sehe. Ich habe eine Entscheidung zu treffen. Das ist alles. Warum sollte ich mir Druck machen?