Zumindest im fernen Kosovo kann sich der britische Ex-Premier Tony Blair noch einer ungebrochenen Zustimmung erfreuen. Die Kameras klickten, Schulkinder wedelten eifrig mit britischen Flaggen, als der 71-Jährige in Begleitung von Kosovos Staatspräsidentin Vjosa Osmani am 25. Jahrestag des Endes des Kosovokriegs in diese Woche ein Monument zu seinen eigenen Ehren enthüllte: In der Provinzstadt Ferizaj (Urosevac) grüßt am Tony-Blair-Boulevard nun ein überlebensgroßer Bronze-Tony mit erhobener Linken die Passanten.
Nicht nur wuchtige Denkmäler
Fast drei Monate lang prasselten im Frühjahr 1999 die Nato-Bomben auf das damalige Rest-Jugoslawien, um Serbiens Autokraten Slobodan Milosevic zum Abzug seiner Truppen aus dem Kosovo zu zwingen – und die Vertreibung von Hunderttausenden Kosovo-Albanern zu stoppen. Ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende künden nicht nur wuchtige Denkmäler, sondern auch erstaunliche Namensblüten von der engen Verbundenheit, die viele Kosovo-Albaner mit den westlichen Geburtshelfern des seit 2008 unabhängigen Staatsneulings fühlen.
Kosovos Nato-Bombendank führte nach Kriegsende zahlreiche frischgebackene Eltern zum Standesamt. Gleich fünf junge Männer mit dem keineswegs altalbanischen Vornamen „Tonibler“ schüttelten ihrem prominenten Namensgeber bei dessen jüngster Visite in Pristina die Hand. Dass der geschäftstüchtige Politikveteran mit Serbiens autoritärem Vormann Aleksandar Vucic auch schon einen einstigen Kriegsgegner mit seinen Beraterdiensten beglückte, scheint seine Kosovo-Fans kaum zu stören.
Medlin und Klinton
„Wir sind ein kleines Land mit wenig Geld: Wir können unseren Alliierten nie zurückzahlen, was sie für uns getan haben“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den Studenten Tonibler Gashi: „Aber wir können unsere Kinder nach ihren Führern benennen.“So wurden beispielsweise neugeborene Mädchen um die Jahrhundertwende in Kosovo vermehrt „Medlin“ benannt – zu Ehren der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright (1937–2022). Allein über 30 junge Männer mit dem Vornamen „Klinton“ soll Kosovo nach den von Jahrestag zu Jahrestag allerdings stark schwankenden Angaben des heimischen Statistikamts zählen: Bei seinen regelmäßigen Kosovo-Visiten pflegt der frühere US-Präsident Bill Clinton für die Fotografen nicht nur mit seinen jungen Klinton-Namensvettern, sondern auch vor seiner wuchtigen Bronzestatue in der Hauptstadt Pristina zu posieren.
Gruppenbild mit Tony Blair
Was Bill hat, kann Tony auch: Die rührige Kosovo-Stiftung „Wir erinnern uns an Tony Blair“ hat dafür gesorgt, dass ihrem Idol in Kosovo nun auch ein Denkmal gewidmet ist. Offen bleibt allerdings die beunruhigende Frage, warum sich Blair beim obligatorischen Gruppenbild bei seiner Pristina-Visite 2010 mit neun und nun nur noch mit fünf Toniblers ablichten ließ. Möglicherweise ist die gesunkene Zahl der Namensvettern, die es auf das Erinnerungsbild mit ihrem Namensgeber drängt, weniger mit einer verblassenden Popularität als mit der anhaltenden Abwanderung zu erklären: Wegen des Mangels an Perspektiven und anständig bezahlter Jobs suchen immer mehr junge Kosovaren ihr Emigrationsglück im Westen.