Der Moment, in dem es feststand: Kai Gotthardt feiert bei der Darts-WM seinen Erstrunden-Sieg gegen Alan Soutar. Foto: PDC/Taylor Lanning
Nach seinem Erstrunden-Sieg bei der Darts-WM bereitet sich Kai Gotthardt auf das Match gegen Stephen Bunting vor: in einer Londoner Ferienwohnung – oder im Pub. Der Aichwalder strahlt weiterhin seine ihm eigene Gelassenheit aus.
Ohne Drama scheint es bei Kai Gotthardt nicht zu gehen: Nachdem er bereits bei seiner Qualifikation für die Darts-WM jedes einzelne seiner K.-o.-Runden-Spiele und dann auch das Finale erst im alles entscheidenden Satz gewann, kostete ihn – und alle die mit ihm mitfieberten – seine Premiere bei der Weltmeisterschaft in London wiederum Nerven.
Zwar hatte der 3:1-Sieg gegen den Schotten Alan Soutar nicht gerade auf des Messers Schneide gestanden, allerdings brach an einem von Gotthardts Pfeilen im ersten Satz der sogenannte Barrel: nicht die Spitze, nicht der Schaft und auch nicht der Flight, was immer wieder mal passiert. Nein, das massive Metallstück aus einer Wolfram-Nickel-Kupfer-Legierung gab seinen Geist auf. Für einige wenige Momente geriet der 29-Jährige, der im Aichwalder Ortsteil Aichelberg lebt, aus der Spur. Mit einem Ersatzdart, den er zwar nicht auf der Bühne des Ally Pally mit dabei hatte, sondern aus seiner Tasche in der Kabine holen musste, kam er dann aber umso stärker zurück.
Glückwünsche und Nachrichten en masse
Nach dem Match „war ich dann schon ziemlich durch“, räumt Gotthardt ein. Zum einen, weil ihm so etwas noch nie passiert sei. Zum anderen aber auch, weil er nach seinem Überraschungssieg und nicht zuletzt aufgrund des Dart-Bruchs zig Interviews habe geben müssen. Inzwischen hat er für die Panne allerdings eine Erklärung: „Der Pfeil war viereinhalb Jahre alt und musste einiges mitmachen.“ Thema abgehakt.
Eine andere Folge seines Sieges hat „The Tunnel“, so sein Spitzname in der Szene, indes noch nicht abgearbeitet: „Ich habe Glückwünsche en masse bekommen. Es waren mehr als 1000 Nachrichten, die ich wirklich nicht alle beantworten kann“, sagt er und hofft auf Verständnis bei seinen Freunden und Fans. Denn so sehr Gotthardt den Erfolg auch genossen hat, sein Blick geht bereits nach vorne: auf das Zweitrunden-Duell mit Stephen Bunting an diesem Freitag.
Ein Barrel, zwei Teile: Nach seinem Match konnte Kai Gotthardt auch darüber lachen. Foto: PDC/Taylor Lanning
Dieser Herausforderung wird zwar gerade alles untergeordnet, jedoch ohne übertriebenen Druck und damit in einer Form, die dem Charakter des Schwaben entspricht. Am Dienstag gab es, vor der Rückreise seines Bruders und einiger Kumpels, noch ein bisschen Sightseeing in London. Seit Mittwoch wird wieder trainiert – in der gewohnten Dosierung. Gotthardt schätzt dabei die Gelassenheit und die Ruhe. Deshalb logiert er auch nicht im Spieler-Hotel und beschränkt den Kontakt zu seinen Kollegen auf gelegentliche schriftliche Botschaften. Für sich und seine Begleiter hat er stattdessen eine Ferienwohnung gebucht: „Da kommt man leichter zur Ruhe und hat zudem mehr Platz als in einem Hotelzimmer“, sagt er lachend.
Kai Gotthardt: Ein cooles Gefühl
Seine Übungseinheiten absolviert Gotthardt entweder direkt vor Ort „oder ich suche mir anderswo ein Dartsboard: in einem kleinen Verein hier in der Umgebung oder eben in einem Pub“. Ganz offensichtlich sind ihm Stresshormone fremd und so wird sich Kai Gotthardt vor dem nächsten großen Auftritt abermals nicht verrückt machen. „Es ist ein cooles Gefühl noch einmal auf diese Bühne zu dürfen und auch wenn Stephen Bunting zuletzt gut drauf war und es sicherlich hart wird, ist alles möglich, wenn ich meine Leistung abrufe“, betont er.
Begleiten wird ihn einmal mehr, neben den Unterstützern vor der großen Dartsbühne, sein vierjähriges Töchterchen Lena. Sie darf – die Nachmittagssession macht’s möglich – dem Papa erneut zuhause vor dem Fernseher die Daumen drücken und ist außerdem namentlich auf dem Kragen seines Spieltrikots verewigt, also direkt mit dabei. Ob sie ihren Vater schon bald auch wieder richtig drücken kann? – Diese Frage kann erst am Freitag beantwortet werden.
An diesem Freitag geht es weiter
Runde zwei Nach dem 3:1-Erfolg bei seiner Darts-WM-Premiere im Londoner Ally Pally gegen den Schotten Alan Soutar am vergangenen Montag trifft Kai Gotthardt an diesem Freitag auf den Engländer Stephen Bunting. Die Partie gegen die Nummer acht der Welt ist die letzte in der Nachmittagssession. Gespielt wird erneut auf drei Gewinnsätze.
Runde drei Sollte der 29-jährige Aichwalder, der als krasser Außenseiter in das Duell geht, Bunting tatsächlich bezwingen, würde es für ihn frühestens am 27. Dezember weitergehen. Ein möglicher Gegner könnte dann der temperamentvolle Niederländer Dirk van Duijvenbode sein, der in dieser Saison seiner früheren Form allerdings noch deutlich hinterherhinkt. In der dritten Runde wird bei der PDC-Weltmeisterschaft auf vier Gewinnsätze gespielt.