Darts-WM in London Wie Mikuru Suzuki die Männerdomäne erobern will

Von red/sid 

Mikuru Suzuki und Fallon Sherrock wollen bei der Darts-WM Geschichte schreiben. Noch nie gewann eine Frau ein WM-Match der PDC – und Suzuki eilt bereits ein ganz besonderer Ruf voraus.

Mikuru Suzuki will bei der Darts-WM in London Geschichte schreiben. Foto: imago images/Jan Huebner
Mikuru Suzuki will bei der Darts-WM in London Geschichte schreiben. Foto: imago images/Jan Huebner

Köln/London - Die Vergleiche mit Darts-Legende Phil Taylor nimmt Mikuru Suzuki mit Humor. „Das ist ein bisschen weit hergeholt“, sagt die 37-jährige Japanerin lachend. Frauen-Weltmeisterin Suzuki erobert die Darts-Welt derzeit im Sturm und könnte sich bei der WM in London mit einem Auftaktsieg gegen den Engländer James Richardson am Sonntag (21.00 Uhr/SPORT1 und DAZN) in die Geschichtsbücher werfen.

Lesen Sie hier: Fragen und Antworten zur Darts-WM in London

Denn ein Sieg in einem Match bei der Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC), das gelang zuvor noch keiner Frau. Allerdings werden auch erst seit vergangenem Jahr zwei Wildcard-Plätze für Spielerinnen reserviert. Suzuki und Lokalmatadorin Fallon Sherrock (25), die am Dienstag gegen den klar favorisierten Engländer Ted Evetts antritt, haben sich in den Qualifikationsturnieren durchgesetzt und dürfen nun ihr Glück im Teilnehmerfeld mit 94 Männern versuchen.

„Miracle“ Suzuki, wie die 37-Jährige aufgrund ihres Vornamens auch genannt wird, hat zumindest Chancen, das Wunder zu vollbringen. Zu Jahresbeginn hatte sie sich ohne Satzverlust den WM-Titel des kleineren Verbandes British Darts Organisation (BDO) gesichert. Seitdem wird ihr ein ähnlicher Status wie dem 16-maligen Weltmeister Taylor bei den Männern zugesprochen - zumindest was die Vorbildwirkung betrifft.

„Ich will noch viel mehr gewinnen“

„Ich wäre gern in der Lage, andere Frauen in Japan für Darts zu begeistern“, sagte Suzuki der französischen Nachrichtenagentur AFP: „Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft mehr asiatische Spielerinnen sehen werden.“ In Asien fliegt Darts noch unter dem Radar, auch Suzuki warf erst im Alter von 26 Jahren ihre ersten Pfeile. „Am Anfang war ich richtig schlecht“, erzählte Suzuki, die zuvor als Verkäuferin für Kosmetikprodukte und Kleidung in einem Kaufhaus gearbeitet hatte: „Ich habe nie geglaubt, dass ich den Sport professionell ausüben werde.“

Knapp zehn Jahre später gewann sie ihren ersten großen Titel. „Weltmeisterin genannt zu werden, ist besonders“, sagte Suzuki und kündigte an: „Aber ich will noch viel mehr gewinnen.“ Im legendären Ally Pally wird sie jedenfalls die volle Unterstützung der Fans genießen. Denn mit ihren gebleichten Haaren - mal in pink, in weiß oder blond - sowie mit dem Kinderlied „Baby Shark“ als Einlaufmusik hat Suzuki ihren eigenen Stil entwickelt, der wie die Faust aufs Auge in die Welt des Darts passt.

Zehnjährige Durststrecke soll enden

Bunt, ausgefallen, unbekümmert - das kommt im Londoner „Bierpalast“ gut an. Auch PDC-Präsident Barry Hearn will Frauen im Darts weiter fördern. „Die großartige Sache bei Darts ist, dass es gender-frei ist“, sagte der Schirmherr der WM im Interview mit „The Darts Show“: „Es gibt ausgeglichene Voraussetzungen. Wenn du gut genug bist, dann ist es egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist, ob du dick oder dünn bist.“

Der bis dato letzte im TV übertragene Sieg einer Frau über einen männlichen Gegner liegt bereits zehn Jahre zurück. Damals setzte sich die Russin Anastassija Dombromyslowa beim Grand Slam of Darts gegen Vincent van der Voort durch, der sich auch Jahre später noch Frotzeleien seiner Kollegen anhören muss. Diese Durststrecke soll im Alexandra Palace nun enden - und damit auch die letzten Kritiker verstummen lassen.

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