Das Äskulap-Infozentrum in Oberrot Ausflug in die Geschichte der Medizin

Von anc 

Maria Fassbender hat in Oberrot im ehemals Freien Adelssitz aus dem Jahr 1550 das Äskulap-Infozentrum eingerichtet. Es zeigt 2000 Jahre Medizingeschichte.

Herbarium, Apothekerwaage und  Schröpfkopf gehören zu den  Exponaten Foto: Stoppel
Herbarium, Apothekerwaage und Schröpfkopf gehören zu den Exponaten Foto: Stoppel

Oberrot - Der schwerreiche John D. Rockefeller wollte einen gewissen Hermann Frasch unbedingt als Mitarbeiter für seine Standard Oil Company gewinnen – sie war einst das größte Erdölraffinerie-Unternehmen der Welt. Der 1851 in Oberrot im Landkreis Schwäbisch Hall geborene Hermann Frasch war der Sohn eines Schorndorfers, hatte eine Lehre als Buchhändler absolviert und war mit knapp 17 Jahren nach Amerika ausgewandert. Dort machte Frasch eine bemerkenswerte ­Karriere in der Chemiebranche: Er meldete zahlreiche Patente an und wurde dank eines von ihm entwickelten Verfahrens zur Entschwefelung von Erdöl zu Rockefellers Chefchemiker und zum „Schwefel-König“.

Sonderausstellung über Hermann Frasch

Hermann Fraschs Weg nach ganz oben schildert eine Sonderausstellung, die noch bis zum 9. Oktober im Oberroter Äskulap-Infozentrum zu sehen ist. Deren Exponate – historische Dokumente und Fotos – hat Maria Fassbender zusammengetragen. Sie war es auch, die das Äskulap-Infozentrum mit viel Aufwand und Engagement in ihrem Elternhaus, einem ehemals Freien Adelssitz, in Oberrot eingerichtet hat.

Schon allein das stattliche Gebäude aus dem Jahr 1550 ist einen Besuch wert. Maria Fassbenders Vorfahren haben das Anwesen im Jahr 1784 gekauft und dort Landwirtschaft betrieben. Wie kann man sich das Leben in solch einem ehrwürdigen Haus vorstellen? „Im Winter war es sehr kalt“, sagt Maria Fassbender über das Gebäude, das als besonderes Kulturdenkmal gelistet und geschützt ist. Auf die Frage, wie dieses geschichtsträchtige Anwesen genutzt werden könnte, hat Maria Fassbender nach einigem Grübeln eine Antwort gefunden – und ein Museum eingerichtet, das 2000 Jahre Medizingeschichte erzählt.

Weinbergschnecken gegen Hitzebläschen

Gleich links hinter der Eingangstür sitzt in der ehemaligen Hauskapelle ein Mönch über dicke Bücher gebeugt. Besucher können in einem Nachdruck des um das Jahr 800 entstandenen „Lorscher Arzneibuchs“ schmökern, das als das älteste medizinische Buch des abendländischen Mittelalters gilt und auch Rezepte für Arzneimittel enthält. Zur Behandlung von Hitzebläschen empfiehlt es beispielsweise folgende Vorgehensweise: „Man legt zerkleinerte und geriebene Weinbergschnecken auf.“

Schritt für Schritt, Stockwerk für Stockwerk, wandeln Besucher durch das altehrwürdige Haus, durch seine Geschichte – und durch die der Medizin. Sie erfahren Wissenswertes über die Hygiene bei den Römern, über die Benediktinerin und Gelehrte Hildegard von Bingen, die Edelsteine als Heilmittel einsetzte, über berühmte Ärzte und die Musik und Literatur zur ­jeweiligen Zeit. Die Ausstellung erklärt zudem, welche Krankheiten wann verbreitet waren und was sie bewirkten.

Ein Kraut für jedes Zipperlein

Hinter dem Haus, in einem lauschigen Hof, ergänzt ein liebevoll gestalteter Heilkräutergarten die Ausstellung. In dem im Jahr 2013 angelegten Gärtlein findet sich ein Kraut gegen so ziemlich jedes Zipperlein. Eberraute gegen Nierenschwäche und Ysop für den Magen, Herzgespann, das bei nervöser Unruhe und Herzbeschwerden helfen soll, außerdem Wermut, der traditionell bei Gallenwegserkrankungen verwendet wird, und der entwässernd wirkende Mäusedorn.

Bei schönem Wetter können die Besucher inmitten der Kräuter ein Tässchen Kaffee genießen. Gebraut wird er gleich nebenan, in der Küche, die einst der Käsekeller des Gutshofs war.




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