Im Leonberger Teilort Höfingen betreibt ein Verein seit 2002 ein kleines Bad im idyllischen Glemstal. Nur wer Mitglied ist, darf die Anlage nutzen. Gefragt ist handwerkliches Talent.
Nathalie Mainka
12.06.2025 - 11:04 Uhr
Im schattigen Glemstal unterhalb von Höfingen ist es morgens um sechs noch ziemlich frisch. Die Sonne versteckt sich zu dieser Uhrzeit hinter den alten, hoch gewachsenen Bäumen auf der Liegewiese, schickt aber schon die ersten zarten Strahlen auf die spiegelglatte Wasseroberfläche des Schwimmerbeckens. Das Thermometer zeigt 18,5 Grad Wassertemperatur an. Nichts für Warmduscher. Am Tag zuvor wurde es zwar gut erwärmt, über Nacht kühlte es aber wieder ab. Geheizt wird nicht. Das Geräusch des Sprudlers im Planschbereich ist beruhigend. Diesen stillen Moment noch vor der offiziellen Öffnungszeit des Höfinger Bädles um 6.30 Uhr genießt eine kleine Gruppe von Frühschwimmern täglich, um Bahnen im kühlen Nass zu ziehen. Bevor der Badebetrieb losgeht, schauen sie auch gleich nach dem Rechten.
Rettungsschwimmer machen gerne Dienst
Zu tun ist immer was. Denn das kleine Freibad ist nicht in kommunaler Hand. Der Leonberger Gemeinderat hatte im Jahr 2002 aus Kostengründen beschlossen, es zu schließen. Das rief einige engagierte Schwimmbegeisterte auf den Plan. Noch im selben Jahr gründeten sie den Bädles-Verein. Seitdem gilt: Nur wer den Jahresbeitrag zahlt, hat Zutritt. Für Erwachsene kostet dieser 68 Euro, für das erste Kind die Hälfte. Gleich im ersten Jahr zählte der Verein 1500 Mitglieder, derzeit sind es 4888. Und im vergangenen Jahr waren es sogar mehr als 5000 Mitglieder.
Der Umkleidebereich hat den Charme der 1980er Jahre. Foto: Simon Granville
Diese Schwankungen seien nichts Außergewöhnliches. „Im Laufe des Sommers steigt die Zahl in der Regel“, sagt Werner Steiner, seit 15 Jahren im Vorstand aktiv und seit zehn Jahren der Vorsitzende des Vereins. Der gelernte Versorgungsingenieur schaut mit Bernd Himstedt, studierter Verfahrenstechniker und Entwicklungsingenieur bei Bosch, regelmäßig nach der Technik und der Wasserqualität. Himstedt hat zudem die Ausbildung zum Rettungsschwimmer gemacht und zählt zum Kreis der geschulten Helfer, die die Badeaufsicht übernehmen. Der Jüngste ist 16, die Ältesten sind im Rentenalter. Für die Dienste gibt es eine Ehrenamtspauschale. „Wir haben keine Probleme, ausgebildete Rettungsschwimmer zu finden, weil es bei uns schön und beschaulich ist“, sagt Werner Steiner. „Klar hat es schon mal eine Pöbelei gegeben, aber ansonsten ist es bei uns friedlich.“
Bernd Himstedt ist an diesem Morgen auch schon da. Auf den Sprung ins Wasser verzichtet er. „Mir ist das noch zu kalt.“ Stattdessen lädt er zu einem kleinen Rundgang über das Gelände ein, das sich bis zum TSV- Sportplatz erstreckt. „Der Rasen sollte dringend gemäht werden, doch unser Rasenmäher ist gerade kaputt und muss erst repariert werden“, sagt er. Es gibt ein Beachvolleyball-Feld und für die kleinen Badegäste zahlreiche Spielgeräte unter den Schatten spendenden Bäumen. Für die Pflanzen in den Kübeln um das Becken herum sind unterschiedliche Paten zuständig, die sich ganz nach eigenem Geschmack kreativ betätigen dürfen.
Martha und Lothar, man duzt sich gerne, zählen zum harten Kern der Ehrenamtlichen, die im Bädle stets kräftig mit anpacken. Bei jedem Wetter kommen sie zu früher Stunde. Nach der sportlichen Betätigung trinken sie nun erst einmal gemütlich ihren heißen Kaffee auf der Terrasse und essen die mitgebrachten Brezeln. Für die 78-Jährige aus Leonberg ist das Bädle mehr als nur ein Ort zum Schwimmen. „Es ist toll, wenn man bei den gemeinsamen Einsätzen was arbeitet und anschließend zusammen was vespert“, sagt die frühere Krankenschwester. Oben fährt immer wieder laut die S-Bahn vorbei. „Stören tut es nicht, dann weiß man, wie spät es ist“, scherzt Martha.
Das Bädle lebt als Gemeinschaftsprojekt von seinen Mitgliedern. Zum Arbeitseinsatz werde allerdings niemand gezwungen, versichert der Vorsitzende Werner Steiner. „Aber jede helfende Hand ist willkommen“, sagt der 57-Jährige. Für die Bewirtung bei Festen, die Standbetreuung beim Kinderfest, die Grünpflege, die Wartung der Technik, die Mitgliederverwaltung. Fast alles läuft hier ehrenamtlich. Wer Mitglied wird, unterstütze damit auch, dass das Bädle weiterhin existieren könne. Auf dem Anmeldeformular werden die „Neuen“ pro forma gleich mal nach ihren handwerklichen Talenten befragt.
Nostalgisches Umkleidegebäude
Das Umkleidegebäude kann mit seinen charmanten grün-nostalgischen, teils etwas rostigen Spinden und dunkelbraunen Bodenfliesen nicht verleugnen, dass es aus den 1980er Jahren stammt. „Wir reparieren viel, aber für ein neues Gebäude haben wir kein Geld“, sagt Werner Steiner. Das Ersparte wurde 2014 für ein modernes Stahlbecken investiert. Voriges Jahr wurde das neue Babybecken in Betrieb genommen. Auch die Technik im Keller ist auf dem neuesten Stand. Seit einiger Zeit gibt es sogar den Luxus warmer Duschen. Pacht muss der Verein für das Grundstück nicht zahlen: Die Stadt übernimmt 15 Prozent der Gesamtfinanzierung, 85 Prozent werden über die Mitgliedsbeiträge getragen. Hinzu kommen Gelder aus Vereinsförderung oder von Spenden.
Am Eingang befindet sich der kleine Kiosk, den die vietnamesische Familie Pham betreibt. Neben den Freibad-Klassikern wie Pommes und Süßkram gibt es frisches vietnamesisches Essen. „Der Kiosk hat nur bei schönem Wetter offen. Die Familie teilt auf unserer Homepage mit, wann sie da ist“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Da steht übrigens auch die aktuelle Wassertemperatur. Wir haben eine paar ITler, die ihren Spaß mit diesen Spielereien haben“.
Für Werner Steiner ist es nach zehn Jahren Zeit, sein Amt abzugeben. „Mit Sandra Amos habe ich die ideale Nachfolgerin gefunden, sie muss aber erst bei der Mitgliederversammlung gewählt werden“, sagt er und ist zuversichtlich, dass das auch passieren wird. Dem Verein wird Steiner treu bleiben. Nicht nur als Frühschwimmer, sondern auch als anpackendes Mitglied.
Das Höfinger Bädle
Bau Erbaut wurde das Freibad unterhalb von Höfingen im Glemstal in den 1920er Jahren vom örtlichen Arbeiter-Sängerbund. Im Vertrag über die Eingemeindung Höfingens in die Stadt Leonberg von 1975 wurde vereinbart, dass die Badeanlage, verbunden mit einer gründlichen Renovierung und einem Neubau für 2,5 Millionen Mark, von der Stadt Leonberg weiterbetrieben wird. Das Grundstück pachtet die Stadt von den Naturfreunden. Im Juli 1983 wurde es neu eröffnet.
Vereinsgründung Die Kommunalwahl 1999 verhinderte noch einmal, dass das Bädle aus Kostengründen geschlossen wird. Doch es war für die Stadt nicht mehr tragbar. 2002 wurde der Verein Bädle gegründet, der seitdem das Freibad betreibt. Weitere Informationen unter www.baedle.com im Internet.