Auftritt im Schloss Deufringen Uli Keuler - Kabarett-Original sagt Adieu

Derb, direkt, demaskierend: Uli Keuler Foto: Epple

Der schwäbische Kabarettist Uli Keuler gibt nach 52 Jahren auf der Bühne im Deufringer Schlosskeller seine letzte Vorstellung. Den Besuchern verrät er dies nicht.

Ausverkauft! Zum sechsten Mal seit 2018 präsentierte der Mundartverein mit seinem Vorsitzenden Wolfgang Wulz Schwäbische Kultur par excellence und diesmal mit einem besonderen Gast, der bereits seit 1973 mit seinem trockenen Humor auf der Bühne ist: Uli Keuler. Dabei hatte es Keuler nicht nötig, die Keule auszupacken und mit Pippi-Popo-Kacka-Witzen daherzukommen, wie manche seiner komödiantischen Kollegen.

 

Den Leuten scheint der Sinn nach Lachen zu stehen. Und das konnten sie reichlich am Samstagabend. Mit Brezeln, Schmalzbrot, Württemberger Wein und Bier aus der Region glühten die Besucher vor, bevor es vom Foyer hinunter in den Schlosskeller ging. Ein Schwäbischer Abend war angesagt, und den hatte der Schwäbische Mundart e.V. mit dem AK „Kunst und Kultur“, sowie dem CDU-Ortsverein Aidlingen (Bewirtung) bestens organisiert. Zwei Stunden lang begeisterte Uli Keuler in Deufringen sein Publikum, welchem er die Lachtränen in die Augen trieb.

Über den Bodensee nach TBB

Mit feinsinnigem Esprit und auf die Spitze getriebenen Alltagssituationen hielt Keuler seinen Zuhörern den Spiegel vor, frei nach dem Motto „Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann“. Helikoptereltern, Hightech-Haushaltsführung oder der blinde Verlass auf das Navigationsgerät beim Autofahren sind unter anderen seine Themen. Wenn das Navi über das Allgäu und den Bodensee, dreimal durch Tuttlingen nach Tauberbischofsheim zu einer Konferenz führt und die Kollegen noch später dort ankommen, weil sie mit der Bahn angereist sind, sind das echte Schenkelklopfer. Grund fürs Zuspätkommen der Bahnreisenden war übrigens eine Stellwerkstörung und die Ersatzteile für den Defekt mussten aus Lüneburg beigeschafft werden.

Keulers Geschichten sind gewiss überzogen, bergen aber immer ein Fünkchen Wahrheit in sich und so mancher Besucher fühlt sich in anderen Schwänken ertappt, wenn es beispielsweise um Hundeerziehung geht und das Fehlverhalten des Haustiers damit gerechtfertigt wird, dass der gute Hund nur mal zeigen wollte, wie ein Sofakissen von innen aussieht. An anderer Stelle geht es um den Überdruss eines Mannes, der beschlossen hat, den Hochzeitstag alleine in der Badewanne mit kulinarischen Häppchen und alkoholhaltigen Getränken zu feiern, um den Tag ohne Maßregelungen oder einem unliebsamen Ausgehabend mal so richtig genießen zu können.

Mit 73 Jahren ist Schluss

Keuler kommt dabei ohne Requisiten, Kostüm oder Maske klar. Sein Markenzeichen ist der Sprachwitz, der teils derb-komisch, teils zielgenau entlarvend und teils verspielt daherkommt. Das Personal auf der Bühne ist unverkennbar im Schwäbischen angesiedelt, doch könnte sich das Geschehen auch in anderen Teilen der Republik abspielen.

Der preisgekrönte Kabarettist, dessen letzte Auszeichnung 2021 der „Sebastian-Blau-Ehrenpreis“ des Schwäbischen Mundart-Vereins war, hört indes mit seinen Vorstellungen auf, wie er es der Presse im Anschluss an diesem Abend mitteilte. Keuler wird im kommenden Monat 73 und findet es passend, sich nach 52 Bühnenjahren nun ins Privatleben zurückzuziehen. Nie wollte er, wenn auch politikinteressiert, dieses Genre in sein Programm mit einbauen. Er hätte die Leute nicht mit einer Moralkeule langweilen wollen, sagt er; auch nicht mit der Öffentlichmachung seines Abschieds am heutigen Abend. Lieber bleibt er so in Erinnerung; ungeschminkt, authentisch und mit wenig Wirbel um seine Person.

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