Das Börsenjahr 2017 Das Ausmaß des Aufschwungs überrascht

Das beste Börsenjahr seit 2013 hat die meisten Experten überrascht. Auch die Aussichten für das kommende Jahr sehen nicht viel schlechter aus.

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Frankfurt - Zum Jahresende ist ein Blick zurück erlaubt. Vor einem Jahr gab es kaum Analysten oder Börsenexperten, die darauf setzten, dass der deutsche Leitindex Dax in diesem Jahr die Marke von 13 000 Punkten überschreiten würde. Aber schon nach wenigen Wochen war absehbar, dass das anhaltend niedrige Zinsniveau, die guten Exporterfolge deutscher Unternehmen und ein gut anziehender Binnenkonsum den Aktienkursen richtigen Schwung verleihen würden. Vor einem Jahr noch ging es darum, ob der Dax wieder über 12 000 Punkte klettern würde, heute gibt es sogar einige Optimisten, die 14 000 Punkte nicht mehr für ausgeschlossen halten. Die Rekorde bei den Indizes purzelten nur so, an den europäischen, aber auch an den amerikanischen Börsen schien der Aufwärtstrend, von den üblichen Dellen abgesehen, kein Halten zu haben.

Kein Experte aber hatte auch vorhergesagt, dass die Volkswirte der Bankinstitute, Bundesbank und Bundesregierung im Jahresverlauf ihre Konjunkturprognosen immer wieder anheben würden. Zum Jahreswechsel scheint es beinahe so, als wäre die deutsche Wirtschaft unverwundbar, als wäre auch die europäische Wirtschaft inzwischen nach der schweren Krise wieder auf Touren und als würden sich vor allem die Aktienanleger von den diversen politischen Krisen auf der Welt überhaupt nicht in ihrem Optimismus stören lassen.

Dabei, auch das muss ehrlicherweise erwähnt werden, ist die Haupttriebfeder für den Kursanstieg nach wie vor die lockere Geldpolitik der Notenbanken weltweit. Wo soll man sonst Renditen erzielen, wenn „sichere“ Anlagen keine Zinsen mehr abwerfen und für größere Vermögen sogar „Strafzinsen“ fällig werden? Die Zinswende in den USA, die die amerikanische Notenbank 2017 immerhin eingeleitet hat, reicht noch nicht aus, um andere Anlageformen wieder attraktiv zu machen. Und in Europa zögert die Europäische Zentralbank (EZB) noch, die Geldzügel anzuziehen, weil sie um die Wirtschaftstärke in den schwächeren Ländern fürchtet und zudem die Preise nicht so steigen, wie sie das gerne hätte. Kein Wunder daher, dass der Dax mit einem Plus von 12,5 Prozent das beste Börsenjahr seit 2013 absolviert hat, als er aber sogar mehr als 25 Prozent zugelegt hatte.

Gute Konjunktur verleiht Aktienmarkt neuen Schwung

Die große Frage für Anleger ist nun, ob es auch 2018 so weitergehen wird oder nicht. Es gibt durchaus Experten, die der Ansicht sind, dass die Bewertung auch der deutschen Unternehmen inzwischen ein Maß erreicht hat, an dem es nicht weiter nach oben gehen kann – in den USA ist das sogar noch eher der Fall. Eher technisch orientierte Analysten dagegen sehen das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch als unterdurchschnittlich an, in den Zeiten des jungen Marktes etwa habe dieser Maßstab noch doppelt so hoch gelegen – allerdings ging es dann auch schnell bergab. Auf der anderen Seite spricht wenig dagegen, dass Aktien als Anlageform nach wie vor begehrt sein werden. „Ohne die lockere Geldpolitik der EZB würde ich dem Dax kein weiteres gutes Jahr geben“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Allerdings, so meinen die Analysten, wird die Luft etwas dünner, den Zuwachs für das kommende Jahr schätzt der Durchschnitt nur noch auf sieben Prozent ein.

Die Optimisten glauben daran, dass der konjunkturelle Aufschwung sich 2018 noch verstärken wird. Sowohl in den Industrie- als auch in den meisten Schwellenländern hätten sich die Rahmenbedingungen bis zuletzt verbessert. „Selbst die krisengeschüttelten Staaten sind wieder auf einem guten Weg, allen voran die Länder, die Reformen angestoßen haben“, urteilt der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater. Die größten Risiken werden auch im kommenden Jahr nach Einschätzung der Analysten von der Politik ausgehen. Niemand kann vorhersagen, welche Kapriolen US-Präsident Donald Trump parat hält.

Anleger blenden politische Risiken bislang weitgehend aus

Die Schwierigkeiten der Regierungsbildung in Deutschland sind dagegen nur ein kleines Flämmchen. Auch die Wirtschaftspolitik der chinesischen Regierung steht im Fokus der Anleger, denn immerhin hat das Land einen spürbaren Aufschwung hinter sich, inzwischen aber sind die ersten Bremsspuren sichtbar, was auch Auswirkungen auf deutsche Konzerne haben könnte. Bislang seien die politischen Risiken von den Anlegern weitgehend ausgeblendet worden, betont Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Das könne sich aber schnell ändern.

Negativ vor allem für die deutsche und europäische Wirtschaft könnte sich im kommenden Jahr auch ein stärkerer US-Dollar auswirken. Ein kräftiger Euro schwächt die Absatzchancen der exportstarken Unternehmen der Euro-Zone im Welthandel, weil ihre Waren teurer werden. Allerdings rechnet die Commerzbank damit, dass im kommenden Jahr der Dollar wieder erstarken wird und sieht den Euro bei 1,12 Dollar. Bleibt am Ende nur die Frage für private Anleger, ob es sich bei dem inzwischen erreichten Kursniveau noch lohnt, auf den Börsenzug aufzuspringen. Eine eindeutige Antwort darauf lässt sich aber in den zahlreichen Prognosen nicht finden. Auch 2018 werde es Schwankungen geben, heißt es nur. Die werden zwar wohl nicht so stark ausfallen wie bei den Kryptowährungen wie Bitcoin, aber mit einer falschen Investition kann man auch am Aktienmarkt Geld verlieren.

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