Das Boxen in einem hell erleuchteten Saal lernen

Von "Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg" 

Breitensport Vor allem Frauen sind beim Kursus Kickboxen dabei. Nicht plumpes Schlagen, sondern Köpfchen ist gefragt. Von Melanie Bürkle

Breitensport Vor allem Frauen sind beim Kursus Kickboxen dabei. Nicht plumpes Schlagen, sondern Köpfchen ist gefragt. Von Melanie Bürkle

Manchmal würde man einfach gerne zuschlagen. Lostänzeln, die Faust ballen - so wie die Klitschkos es immer machen. Ein bisschen mit Eleganz und Stil. Leider werden viele Boxsportarten aber nur von speziellen Boxschulen angeboten. Darunter jene in den düsteren Kellern, in denen sich noch dunklere Gestalten herumtreiben. Mitmachen können da häufig nur harte Männer. Im Funsportzentrum, im hell erleuchteten kleinen Saal, lässt sich seit mittlerweile einem Jahr aber das Kickboxen erlernen. Ohne zwielichtige Gestalten, ohne böse Blicke, sondern bei der freundlichen und gut gelaunten Evelyn Venske. Wegen den genannten Vorurteilen hatte sie sich entschieden, das Kickboxen auf den Kursplan zu bringen. "Ich will die Sportart für die breite Masse attraktiv machen", erklärt sie. Sie selbst weiß zu gut, dass sich nur wenige in eine Boxschule wagen, um in ihrer Freizeit ein wenig zu boxen. "Ich verstehe das. Hätte ich den Boxsport nicht erlernt, würde ich es mich auch nicht getrauen."

Rund acht Teilnehmerinnen wagen sich jede Woche in ihren Kursus. Udo ist der einzige Herr. Erlernt wird das Kickboxen von Grund auf. Wer meint, er könne in den Saal hinein marschieren, sich sogleich die Handschuhe überziehen und einfach zuschlagen, ist jedoch fehl am Platz. "Es geht darum, den Sport zu erlernen. Natürlich dient er gleichermaßen zum Aggressions- und Stressabbau", informiert die durchtrainierte Sportlerin. Ein kleiner aber sinnvoller Nebeneffekt des Kurses ist auch die Selbstverteidigung. "Wenn meine Damen dank des Kurses keine Angst mehr vor einem Gegenüber haben, furchtlos um dunkle Ecken laufen und sich zur Not selber verteidigen können, dann bin ich glücklich", berichtet Evelyn Venske.

Der Unterricht beginnt - wie sich ein typischer Boxer eben erwärmt - mit Seilspringen. Zehn Minuten lang wird gehüpft. Dann geht es weiter mit Schattenboxen, aber nur für diejenigen, die die Grundpositionen des Boxens schon können. Der Rest erlernt erst einmal die Grundstellung und dann Bewegungen. Erst werden die Schritte geübt, nach vorne, nach hinten, dann nach links und rechts. Letztendlich dann im Viereck, am besten zum Takt der Musik. Als nächstes kommen die Arme hinzu. Zunächst wird die Deckungsposition eingenommen, dann geht es ums Schlagen. Vor und zurück schnellt der Arm. Und dann finden schließlich Arme und Beine zusammen. Ein Schritt mit links, schlagen mit rechts. Wieder schön im Takt der Musik. Schritt, schlagen, Schritt, schlagen. Nach vorne, nach hinten und wieder nach rechts und links. Die Schritte erinnern an Walzer tanzen. Nach ein paar Minuten sieht es bei den Teilnehmerinnen schon annähernd so gut aus wie bei einem tänzelnder Boxer im Ring.

Nach weiteren Übungen werden endlich die Handschuhe angeschnallt. Wobei erst einmal die Hände richtig verbunden werden. Es wird gewickelt, ehe die riesigen roten Handschuhe angezogen werden können. Der Anblick und das Gefühl sind erst einmal recht seltsam. Ein wenig die Arme geschwungen, in die eigene Faust geschlagen und schon hat Venske die erste Übung parat. "Geht zu zweit zusammen", fordert sie die Teilnehmerinnen auf und macht die Schlagfolge langsam vor. So soll es also aussehen. Beim Nachmachen bekommt so manch eine Dame leichte Koordinationsprobleme. Gar nicht so einfach, Arme, Beine und auch noch das Ducken in Einklang zu bekommen. Die Boxerin lacht: "Das ist wie Schach im Kopf." Kickboxen ist eben nicht nur plumpes Schlagen und kicken, sondern erfordert auch Köpfchen. Es hält neben dem Körper auch den Geist fit. "Deshalb ist Kickboxen nicht nur für junge, sondern auch für ältere Sportler etwas. Bei meinem Angebot ist jeder willkommen."

Egal ob sechs oder 60 Jahre alt, Kickboxen ist für jeden jederzeit erlernbar. Und bereits in der ersten Unterrichtseinheit wird eines ganz deutlich: das Getänzel im Ring ist doch um einiges anstrengender als es im Fernsehen aussieht. Wer also ein Klitschko werden will, der hat sich einiges vorgenommen. Wer sich aber einfach nur mit Kickboxen fit halten will, der ist in dem Kursus von Evelyn Venske gut aufgehoben.

Nächste Folge Unsere Serie "Fit in Kornwestheim" wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Dann geht es um die Sportart Skike.