Von Stuttgart aus haben die beiden insbesondere seit Corona einen rasanten Aufstieg hingelegt und es zu internationalem Ruhm geschafft. Unsere Zeitung erreicht den 36-jährigen Tomi Bozic und den 29-jährigen Mario Kesinovic in ihrer Airbnb-Wohnung in der kolumbianischen Metropole Medellin zu einem Video-Gespräch. Sie wollen an dem Tag noch ein Kulturviertel in der Stadt besuchen, am Wochenende legen sie wieder auf. Regelmäßig halten sie ihre 11 000 Follower auf Instagram auf dem Stand, welches Land sie gerade bereisen.
Auftritte für bis zu 3000 Menschen
Dass sie seit einigen Monaten in Clubs in Übersee spielen, haben sie einem glücklichen Zufall zu verdanken. „Wir wollten Anfang des Jahres eigentlich einfach nur Urlaub in Mexiko machen“, sagt Tomi. Veranstalter in Nordamerika wurden darauf aufmerksam, dass sie sich auf dem Kontinent befanden und haben sie prompt für Auftritte bestellt. „Danach wurden wir auch in den USA und Costa Rica gebucht“, sagt der DJ. In der mexikanischen Stadt Tulum haben die beiden dann bald für 2000 bis 3000 Leute elektronische Musik aufgelegt.
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„Stuttgart ist eben eine Hip-Hop-Stadt“
Der Erfolg, den sie außerhalb Deutschlands haben, ist inzwischen sogar größer als in ihrer Heimat. „Stuttgart ist eben eine Hip-Hop-Stadt, und hier in Kolumbien werden wir sogar außerhalb des Clubs schon auf der Straße erkannt“, sagen sie. Sie beschreiben ihre Musik als eine Mischung aus Minimal und Tech-House und legen insbesondere einen Fokus auf den Rhythmus, auf Bass und die Percussions. In Stuttgart hat ihnen das durchaus auch den Ruf eingebracht, nur Party-Musiker zu sein. „Geschmäcker sind eben unterschiedlich“, sagt Mario. „Es gibt so viele verschiedene Subgenres in der elektronischen Musik. Manche haben sich fast vom Rhythmus verabschiedet, und man hört nur noch vereinzelte Töne.“
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Trotz ihres hohen Musik-Outputs leben sie vor allem von den Auftritten. „Im Club geht es darum, eine Geschichte mit unserer Liedauswahl zu erzählen“, sagt Mario. Sie reden dann nicht viel miteinander und müssen höchstkonzentriert sein, um auch ohne Worte die Stimmung des Partyvolkes zu erkennen. Sie spielen „back to back“, das heißt, sie wechseln sich bei jedem Lied ab. Die Auftritte erfolgen ohne festes Konzept, sie improvisieren und treten manchmal erst spät in der Nacht oder früh am Morgen auf.
Durchbruch vor zwei Jahren
Zu internationalem Erfolg gelangten sie auch durch eine pfiffige Idee. Wenn sie nicht gerade auf Partys aufgelegt haben, haben sie ihre sozialen Kanäle gepflegt und Musik produziert. Wenn ein Lied fertig ist, schicken sie es bekannteren DJs und verbringen danach Stunden damit, das Netz nach Video-Schnipseln mit ihrem Stück zu durchsuchen. Wenn sie etwas finden, kommt das auf Instagram. „Vor zwei Jahren hatten wir damit einen großen Erfolg, als wir einen Ausschnitt fanden, in dem Marco Carola unser Lied gespielt hat“, sagt Tomi. Die House-Größe aus Italien ist vor ein paar Jahren auch im Residenzschloss in Ludwigsburg aufgetreten.
Auftritte im Kowalski und in der Romantica
Bevor sie in den angesehen Stuttgarter Electro-Clubs wie im Kowalski oder der Bar Romantica aufgetreten sind, haben sie 2017 auch eine eigene Veranstaltungsreihe mit dem Namen „Irgendwo“ organisiert. Dann wurden die Clubs auf sie aufmerksam. Zunächst das Kowalski, das zu den besten Clubs Europas zählt. Betreiber Sasa Mijailovic ist noch immer angetan von dem Duo: „Ihre Musik ist funktional, nach vorne, euphorisch, hypnotisch, Bilderbuch Tech-House eben.“ Auch Femke Bürkle, die Betreiberin des Romantica, ist fasziniert: „Ihre Produktionen sind sehr erfolgreich, gerade wenn man bedenkt, in welch kurzer Zeit sie sich zu Globalplayern entwickelt haben.“
Trotz internationalem Erfolg wollen Tomi and Kesh bald wieder nach Deutschland kommen und mit einer neuen Veranstaltungsreihe vor dem schwäbischen Publikum auftreten. Dem bürgerlichen Leben bleiben sie zwar weiterhin fern, aber Ruhm und Ehre sind eben auch nicht alles. „Im Herzen sind wir noch immer die zwei Stuttgarter Jungs, die im Keller Musik auflegen“, sagt Mario. Wer weiß, vielleicht sieht man sie auch bald wieder im Kowalski.
Info: „Tomi and Kesh“ starten eigenes Label
Unter dem Namen „Nozzo Music“ haben Tomislav Bozic und Mario Kesinovic ein eigenes Label gegründet. Sie veröffentlichen zum einen darüber Musik und haben zum anderen auch eine neue Veranstaltungsreihe, die sie unter dem selben Namen organisieren. Laut den DJs sind Veranstaltungen nicht nur im Kowalski in Stuttgart geplant, auch in der Schweiz, Kroatien, Rumänien und Kolumbien sollen Partys stattfinden.