Das Doppelleben des Viktor Janukowitsch Schwarzgeld auf Konten im Ausland

Von Von Nina Jeglinski 

Diesen Unternehmen, unter anderem große Kohleförderwerke, verschaffte Janukowitsch staatliche Aufträge. Auf dem Papier wurden zwar Festpreise vereinbart, jedoch wurde ein so genannter zweiter Preis schwarz gezahlt. Der größte Teil des so gescheffelten Geldes wanderte auf Konten im Ausland. Organisiert wurde das alles auch von Firmen in Österreich und der Schweiz. Bis zuletzt hatte die Familie Janukowitsch abgestritten, mit dem Unternehmen Mako mit Sitz in Wien oder der Firmengruppe DRFTS etwas zu tun zu haben. Nun wurden in der verlassenen Residenz von Janukowitsch viele Dokumente gefunden, die eindeutig beweisen, dass die Familie des Ex-Präsidenten nicht nur an den Firmen beteiligt war, sondern sie gegründet, gesteuert und ausgebaut hat.

Goldene Golfschläger gehören zur Ausstattung. Foto: AP
Alleine diese Dinge hätten gereicht, um Viktor Janukowitsch vor Gericht zu stellen. Nun wird er sich aber für noch viel schwerwiegendere Fälle verantworten müssen. Am Montag wurde ein Haftbefehl wegen Massenmordes gegen den ehemaligen Staatspräsidenten ausgestellt.

Auch zu diesem Vorwurf tauchen immer neue Unterlagen auf. Heute wurde ein Plan vom 20. Februar 2014, dem Tag, an dem es in Kiew 77 Tote gab, bekannt. Für den Tag waren mehrere Spezialeinheiten und Sonderfahrzeuge in die Stadt bestellt worden. Die Pläne für den Angriff hatten Viktor Janukowitsch schriftlich vorgelegen, Teile des „Aufmarschplanes“ fanden sich nun in der überstürzt verlassenen Residenz. Der Plan sah vor, mit Luftlandebrigaden aus der ostukrainischen Stadt Dnipropetrowsk sowie einer Luftwaffeneinheit aus Nikolaijew Kiew aus der Luft zu erobern. Bei der Offensive sollten 2500 Soldaten eingesetzt werden.

Als Grund für diesen Einsatz wurde „erhöhte Terrorgefahr“, „Staatsstreich“ und „die drohende Ermordung des ukrainischen Präsidenten und Teile der Regierung“ genannt. Diese Aktion sollte ursprünglich von Militärchef Vladimir ­Zaman geleitet werden, doch der weigerte sich und wurde am Mittwoch von Janukowitsch entlassen. Nachfolger Juri Iljis fehlte dann wohl die Zeit, um den Plan in die Tat umzusetzen.

Nicht alle Landesteile sind zufrieden über den Machtwechsel

Durch den Personalwechsel an der ­Spitze und den damit verbundenen Zeitverlust hatten die 2500 Soldaten die Kiewer Hauptstadt nur teilweise erreicht. Als die Ukraine am Donnerstagvormittag einen der schwärzesten Tage in der Geschichte es Landes erlebte, war das Ende der Herrschaft Janukowitschs besiegelt.

Doch nicht in alle Landesteile sind zufrieden über die Entwicklung. „In Kiew haben die Faschisten die Macht übernommen“, schallt es in Sewastopol aus einem Lautsprecher auf dem Dach eines Autos. Der Wagen fährt in der Stadt auf der südukrainischen Halbinsel Krim umher, wo am Sonntag zahlreiche Menschen auf den Straßen sind, um ihren Unmut über die Ereignisse in der Hauptstadt kundzutun. Im Stadtzentrum protestieren etwa 10 000 Menschen gegen die neue Übergangsregierung. Rückhalt für den gestürzten Staatschef Viktor Janukowitsch ist allerdings kaum noch zu spüren. Dem kommissarischen Innenminister Arsen Awakow zufolge hielt sich Janukowitsch zuletzt auf der prorussisch geprägten Halbinsel Krim auf.

Ist er auf der Krim? Foto: dpa
„Die neue Macht will die Russen ihrer Rechte und ihrer Staatsbürgerschaft berauben“, befürchten die russischsprachigen Organisatoren der Proteste. Die Demonstranten schwenken russische Flaggen sowie Fahnen der Moskauer Schwarzmeerflotte, deren Heimathafen – abgesichert per Staatsvertrag – Sewastopol ist. „Mutter Russland, rette Deine zurückgelassenen Kinder vor dem Faschismus“, ist auf Protestplakaten zu lesen. Deutlich ist zu spüren, dass die traditionell russlandfreundlich eingestellten Einwohner Sewastopols eine Ausrichtung in Richtung der Europäischen Union ablehnen.

„In Kiew haben Banditen die Macht übernommen, ich bin hier, um meine Stadt zu schützen“, sagt der Demonstrant Stanislaw Bolotnikowski in Sewastopol. Janukowitsch will er aber auch nicht mehr zurück. „Er hat Schwäche bewiesen, als er Polizisten ungeschützt gegen bewaffnete Banditen ausrücken ließ“, führt der 53-Jährige aus. Die Rentnerin Tatjana Sergejewna sagt: „Die Krim sollte sich Russland anschließen, damit wieder Stabilität einkehrt“. Sie will Janukowitsch nicht zurück.

Bis zum Jahr 1954 gehörte die Halbinsel im Schwarzen Meer offiziell zu Russland, dann wurde sie der ukrainischen Sowjetrepublik übertragen. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine erhielt die Krim den Status einer autonomen Republik in der Ukraine. Anfang Februar zogen die örtlichen Verantwortlichen in Erwägung, die Verfassung durch einen Passus zu ­ergänzen, der Russland als „Garanten“ der Selbstständigkeit hätte nennen sollen. Die Initiative schürte Ängste vor separatistischen Tendenzen. Am Sonntag versicherte der Regierungschef der Krim, Anatoli Mogilew, jedoch dem Parlament in Kiew die Treue.