Das Einweckglas Nachhaltigkeits-und-Gesundheits-Lifestyler

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Der Absatz der Einmachgläser liegt inzwischen bei 25 Millionen Stück pro Jahr. Fast so hoch wie zu Großmutters Zeiten. Wobei sie nicht mehr so aussehen und auch nicht mehr nur zum Einwecken genutzt werden. Wenn ein Bundespräsident zum Festschmaus lädt, kredenzt das Adlon Berliner Sülze vom Saalower Kräuterschwein in den handlichen Produkten aus Wehr. Restaurants servieren Dessertküchlein in den geschichtsträchtigen Gefäßen. Kantinen tischen Puddingpampen in den bauchigen Behältnissen mit der Erdbeere auf. In den transparenten Töpfchen von Weck lagern Nachhaltigkeits-und-Gesundheits-Lifestyler, kurz: Lohas, Chutneys aus Melonen und Paprika vom eigenen Acker und Marmeladen mit Mangos aus dem Biomarkt. Selbst gepflückte Gurken saugen darin das Aroma von Essig und Dill auf, Chilischoten, Nelken und Kardamom vereinen sich zur selbst kreierten Gewürzmischung. „Wir sind Kult geworden“, sagt Eberhard Hackelsberger, der die neue Häuslichkeit mit einem neuen Magazin bedient.

Auf 80 glänzenden Seiten bekommen die Leser des „Landjournal“ (Auflage 90 000) Tipps für die Tomatenernte, für Wanderungen im Schwarzwald und Vorschläge inklusive Rezepten für die vielseitige Verwendung der Weckgläser, die es in sechs Formen und 18 Größen gibt. Das „Landjournal“ ist der Enkel der Weck-Zeitschrift „Die Frischhaltung“. Sie erschien erstmals anno 1901 und wollte der einkochunerfah­renen Köchin „zwanglose Beiträge zur Verbesserung der allgemeinen Ernährung“ liefern. Heute firmiert sie, mit einer Auflage von beachtlichen 190 000 Exemplaren, unter dem Titel „Ratgeber für Frau und Familie“ und hält neben kulinarischen Finessen Hilfe bei Krampfadern und erbauliche Kurzgeschichten parat. Weck bietet Erweckungserlebnisse für jede Generation.

Geht es happy endlos weiter?

280 Angestellte arbeiten für den Traditionsbetrieb, der seinen Umsatz kontinuierlich steigert. Aktuell liegt er bei 40 Millionen Euro. „Es ging uns schon schlechter“, kommentiert Eberhard Hackelsberger die gute Lage. Der Geschäftsführer, der gerne Bildhauer geworden wäre, ist jetzt 58 Jahre alt. Er ist nicht verheiratet, und er hat keine Kinder. Wie es mit dem Familienunternehmen weitergeht, wenn er mal nicht mehr ist, kann Hackelsberger nicht beantworten. Er sagt nur: „Ich mache weiter bis zum 75.“ Er meint das 75. Dienstjahr. Dieses würde Hackelsberger im Jahr 2056 erreichen, er wäre dann 100. Nebenbei bemerkt: der Verkaufsleiter bei Weck ist 72.

Ob die Jahre wirklich so sorgenfrei ins Land ziehen werden und die Geschichte des Unternehmens happy endlos fortschreiben? Vielleicht muss man einfach hoffen, dass die Firma Weck aus Wehr mehr haltbar machen kann als Obst und Gemüse.