Das Ende der Ära Alfons Hörmann beim DOSB Viele Ziele verfehlt

Alfons Hörmann geht: Der Deutsche Olympische Sport sucht einen neuen Lenker. Foto: imago/Political-Moments

Erst der harte Vorwurf des Führungsversagens, dann das miserable Zeugnis der DOSB-Ethikkommission: Der Rückzug von Alfons Hörmann nach acht Jahren an der Spitze des deutschen Sports ist aus Sicht von unserem Autor Jochen Klingovsky unausweichlich.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Stuttgart - Alle, die Macht ausüben im Sport, sehen sich als Antreiber. Ein Getriebener will keiner sein. Genau das aber war Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, seit ihm in einem anonymen Brief im Namen vieler DOSB-Mitarbeiter Führungsversagen („Kultur der Angst“) vorgeworfen worden war: einer, der in der Krise die Kontrolle verloren hatte, dem die DOSB-Ethikkommission nach ihrer Untersuchung der Vorwürfe ein miserables Zeugnis ausstellte, der seinen Kritikern nichts entgegenzusetzen hatte, dessen letzte taktische Ränkespiele verpufften. Am Ende wollte er wenigstens die finale Entscheidung selbst treffen – und kündigte an, bei den Neuwahlen im Dezember 2021 nicht mehr anzutreten. Dieser Schritt war unausweichlich.

 

Vernichtendes Urteil der Ethikkommission

Als Hörmann vor acht Jahren an die Spitze des deutschen Sports gewählt wurde, waren mit seinem Namen große Hoffnungen verbunden. Schließlich hatte sein Vorgänger Thomas Bach, seit 2013 Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), vor allem eigene Ambitionen verfolgt. Hörmann galt als Macher, als guter Kommunikator, als strukturierter Arbeiter. Der Manager aus der Baustoff-Branche hat es seither geschafft, den deutschen Sport wirtschaftlich gut aufzustellen, mittlerweile beträgt die jährliche Spitzensportförderung durch den Bund fast 300 Millionen Euro, verteilt wird das Geld streng nach dem Leistungsprinzip. Viele andere Ziele hat Hörmann nicht erreicht: Olympische Spiele in Deutschland sind unrealistischer als je zuvor. Der Breitensport ringt nicht nur um Trainer und Ehrenamtliche, sondern auch um gesellschaftliche Anerkennung (wie sich in der Coronakrise überdeutlich zeigte). Der DOSB ist nicht nur intern zerrüttet (Zitat der Ethikkommission: „So kann es nicht weitergehen“), das von Hörmann-Kumpel Thomas de Maizière geleitete Gremium attestierte dem DOSB neben einer miserablen Führungskultur auch, zum IOC, zum Innenministerium sowie zu Teilen seiner Spitzen- und Landesverbände ein gestörtes Verhältnis zu haben. Ein vernichtendes Urteil!

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Es wird sich kaum jemand finden, der dem ehrenamtlichen Präsidenten zu wenig Einsatz und Engagement vorwirft. Zugleich zeigt die Bilanz der Ära Hörmann, wie schwer es sein Nachfolger haben wird. Er muss nicht nur den DOSB intern neu aufstellen und dafür sorgen, dass im deutschen Sport endlich wieder vertrauensvoll zusammengearbeitet wird. Auch sportpolitisch muss ein Neuanfang her. Oder anders ausgedrückt: Es braucht nun einen Antreiber mit außergewöhnlichen Qualitäten.

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