Das Ende der Currywurst Ein Klassiker als Auslaufmodell

Von Michael Setzer 

Der Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle nimmt die Currywurst aus dem Sortiment. Das sind gute Nachrichten für Vegetarier und Fans des Klassikers.

Tschö mit „ö“, wie man zur vorgerückter Stunde an  der Imbissbude sagt: Die Currywurst der Rügenwalder Mühle ist bald Geschichte. Foto: dpa
Tschö mit „ö“, wie man zur vorgerückter Stunde an der Imbissbude sagt: Die Currywurst der Rügenwalder Mühle ist bald Geschichte. Foto: dpa

Stuttgart - Auch das noch: Da feiert die Currywurst gerade ihren 70. Geburtstag und dem Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle fällt nichts Besseres ein, als die Traditionsspeise aus dem Sortiment zu kegeln – das ist, als würde man Großvater an seinem Geburtstag ins Heim abschieben. Traurig.

An sich schon klingt es bei der fast religiösen Verehrung der Currywurst wie ein Frevel: aus dem Supermarkt-Regal für zu Hause, vorgegrillt für Mikrowelle oder Wasserbad? Wer das macht, hat die Currywurst nie geliebt. Eine ehrliche Currywurst wird in freier Wildbahn erlegt und dort auch verzehrt: Fußball, Nachtleben, Bier und so weiter – schmeckt die Romantisierung der Wurst doch so gut wie das Gericht selbst.

Der fleischlose Markt wächst

Wer nun wieder das Öko-Gutmenschendiktat am Abzug wähnt, möge kurz durchatmen. Denn die Currywurst ist im Hause Rügenwalder kein Traditionsprodukt. Sie wurde erst 2014 ins Sortiment aufgenommen, konnte wohl gegen den Curry King von Meica und das Original nicht bestehen.

Dennoch klingt die offizielle Begründung für den neuerlichen Verzicht auf die Currywurst natürlich zeitgeistig gut: Es sei eine Entscheidung gegen Massentierhaltung, Tierleid und eine Entscheidung für mehr Gesundheit und die Klimawende, betont Firmenchef Godo Röben.

Man wolle sich künftig verstärkt fleischlosen Alternativen widmen und die bereits erfolgreiche Veggie-Sparte des Hauses weiter ausbauen. Fast 38 Prozent des Umsatzes des Rügenwalder Mühle werden mittlerweile von vegetarischen Produkten eingespielt – Tendenz weiterhin steigend.

Vegiwurst ist teuer

Dass Lebensmittelhersteller mit vegetarischen Produkten stattliche Umsätze einfahren, liegt freilich auch daran, dass Vegetarier und Schaulustige eher bereit scheinen, Wurst für hochgerechnet 16 Euro pro Kilo zu erstehen. Zum Vergleich: Die echte Mortadella im unteren Preissegment kommt im Supermarkt auf einen Kilopreis von 4,50 Euro.

Bis Ende September noch soll die Currywurst abverkauft werden, dann ist Schluss – auch wenn sie in den kommenden Wochen bei der Ehrenrunde doch noch zum Verkaufsschlager werden sollte.

Eine Rügenwalder Mühle ganz ohne Fleisch? Röben schließt das nicht aus. „Das wird der Verbraucher entscheiden. Wir sind da keine Missionare.“