InterviewDas Fernseh-Kochpaar Martina und Moritz „Moritz ist ungeeignet für Nichtstun“

Von Jessica Sabasch 
Machen Sie auch mal nichts?
Bernd N.-D. Martina liest gerne, sitzt gerne in der Sonne.
Martina M. Mein lieber Moritz ist eher ungeeignet fürs Nichtstun. Immer gibt es ein Zweiglein, das er hochbinden muss, oder ein Blättlein auszuzupfen. Ich bin seine Vorleserin. Und packe ihm kleine Stapel mit Zeitungsartikeln. Oft liegen sie wochenlang.
Bernd N.-D. Ich denke immer, irgendwann komm ich noch dazu.
Wie haben Sie sich kennengelernt?
Martina M. Das war 1976. Ich war bei der „Freundin“, habe dort das Kochressort geleitet. Zur Schwesterredaktion im selben Verlag kam ein neuer Ressortleiter, das war er. Zuerst hab ich mich immer ein bisschen über ihn lustig gemacht. Wie es so ist, neue Kollegen werden besonders gründlich beäugt.
Bernd N.-D. Vor allem ein Mann in einer Hühnerschar von Redakteurinnen.
Martina M. Jedenfalls hab ich ihn nicht weiter wahrgenommen. Es gab dann aber eine Pressereise. Und beim ersten Stopp des Busses standen wir beieinander, und ich hatte einen Campari in der Hand, und wir plauderten miteinander. Und plötzlich lag mein Glas auf dem Boden. Das war mir sehr unangenehm. Neues Glas. Und das ist mir auch aus der Hand gerutscht. Und dann hab ich mir diesen Mann angeguckt und gedacht, was ist denn jetzt mit mir los, wieso fällt mir dauernd mein Campariglas aus der Hand?
Bernd N.-D. So hat’s angefangen.
Martina M. Beim Abendessen – da saßen wir schon nebeneinander – haben wir festgestellt, dass wir die gleichen Dinge gerne essen.
Bernd N.-D. Wir waren in Dänemark, da gab es als Vorspeise Nephrops norvegicus, besser bekannt unter dem Namen Kaisergranat oder Scampi. Das fanden wir viel besser, als die nachfolgenden Sachen.
Martina M. Wir haben uns also stattdessen noch mal Nephrops norvegicus kommen lassen. Das sind ja die netten Gäste, die selbst bestimmen, was sie zu essen kriegen. Ja, und so hat das alles angefangen. Das war nur ziemlich blöd, weil, der Mann war verheiratet.
Bernd N.-D. Das brauchen wir jetzt nicht alles ausbreiten. Ist ja so lange her.
Heute fallen keine Gläser mehr aus der Hand?
Martina M. Manchmal. Aber Gott sei Dank nie eins, das man mit Ärger an die Wand donnert.
Was hat Sie am Anfang fasziniert? Und was schätzen Sie heute aneinander?
Martina M. Sich einfühlen können in andere Menschen und Situationen ist eine große Kraft von ihm. Das hat mich sofort ungeheuer berührt. Dann natürlich die Genussfähigkeit. Inzwischen kommt eine Verlässlichkeit und ein Vertrauen dazu, das durch nichts zu ersetzen ist.
Bernd N.-D. Wir sind ja beide geschieden von den ersten Partnern. Dadurch hat man schon gelernt, dass nicht alles immer einfach ist. Dass man nicht alles sofort gehen lassen darf.
Martina M. Dass man nicht sofort die Flinte ins Korn wirft, sondern kämpft für etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Was hat Ihnen an Ihrer Frau gefallen?
Bernd N.-D. Ich fand sie schon sehr interessant, eine auffallende Erscheinung. Ihr Lachen ist legendär. Es war natürlich auch die Arbeit, die einen von Anfang an miteinander verbunden hat. Mir gefiel alles, was sie machte, wie sie ihre Rezepte aufbaute. Und dann eben ihre ganze Art. Warum man sich in jemanden verliebt, weiß man ja eh nicht genau. Die Bemühungen, das durch Vernunft zu ersetzen, und nicht weiter zu verfolgen, waren vergeblich.
Martina M. Das ist jetzt 40 Jahre her.