Das Fischerstüble in Großbottwar Erster Besen im Bottwartal soll aus Dornröschen-Schlaf erwachen
Das Großbottwarer Fischerstüble lockt seit fast 50 Jahren mit traditionellem Besen-Feeling, großer Weinlaube, einem Kinderspielplatz und neuen Ideen.
Das Großbottwarer Fischerstüble lockt seit fast 50 Jahren mit traditionellem Besen-Feeling, großer Weinlaube, einem Kinderspielplatz und neuen Ideen.
Von außen unscheinbar, im Inneren etwas ganz Besonderes – genau das wissen die Gäste bereits seit fast einem halben Jahrhundert zu schätzen. In zwei Jahren kann im Fischerstüble in Großbottwar 50-jähriges Bestehen gefeiert werden. Damals war es der erste Besen im Bottwartal.
Das Außergewöhnliche: Er wurde von Rosa und Franz Lorenz einst gemeinsam mit dem Angelsportverein Benningen eröffnet, weshalb frischer Fisch stets auf der Karte stand. Nun in dritter Generation sind die drei Enkel am Werk – und besinnen sich wieder auf alte Traditionen, wollen mit Ambiente und Speisekarte aber auch neue, eigene Wege bestreiten.
„Es ist uns wichtig, dass die Tradition weiterlebt. Der Besen gehört zu unserer Familie“, sagt Patric Lorenz (30), der ebenso wie seine zwei Schwestern Emily (18) und Lisa (34) von Klein auf im Besen herumgesprungen ist und mitgeschafft hat. Vor sieben Jahren hat das Trio die Wirtschaft von ihrer Mutter übernommen. Einmal im Monat ist jetzt drei Tage lang am Stück geöffnet. Mittags durchgehend bis abends. Verlassen können die Geschwister sich dabei auf ein altbekanntes Team. Zum Teil sind die Mitarbeiter schon seit 25 Jahren mit dabei. „Das ist wie eine zweite Familie“, sagt Patric, gelernter Hotelfachmann. Er kümmert sich um alles Organisatorische, seine Schwester Lisa kocht und Emily ist die Frau im Service.
Bereits ihr Großvater legte den Grundstein für die heutige Wirtschaft – indem er in den Weinbau einstieg. 1974 eröffneten „Kaiser Franz“ und seine Rosa dann mit dem Angelsportverein Benningen das „Fischerstüble“. Jedoch nicht in den heutigen Räumen, sondern noch im eigenen Wohnzimmer. „Früher war an der heutiger Stelle unserer Gaststube auch noch eine Scheune“, erzählt Patric Lorenz. Seine Mutter Martina Lorenz, gelernte Winzerin, stieg kurz darauf mit ein, und noch in den 70ern wurde aus der Scheune eine Gaststube. Direkt daneben entstand ein Verkaufsraum – für die eigenen Weine, Sekte, Schnäpse und Marmeladen. Großvater und auch Mutter sind inzwischen verstorben. Für die drei Geschwister geht es in ihrem Elternhaus und mit neuen Ideen aber weiter.
„Wir wollen den Besen peu à peu modernisieren, dabei aber das Alte erhalten“, erklärt Patric. So soll der heutige Verkaufsraum bald zu einem neuen Gastraum werden und eine Verbindungstüre erhalten. Die alte Eckbank und die Stühle am Stammtisch haben bereits in Zusammenarbeit mit den Theo-Lorch-Werkstätten ein zweites Leben bekommen. Die anderen Tische sollen bald neuen weichen, die Tischdecken in Rente verschwinden. Die Weinlaube – ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis –, die Platz für rund 100 Menschen im Außenbereich und einen Blick auf die Burg Lichtenberg bietet, hat eine Bar bekommen. Dahinter Richtung Gewächshäuser stehen im Sommer nun auch Tische. An einem Abend im Sommer sitzen so mal gut 200 Personen im Besen – und lassen sich inzwischen auch wieder frisch gegrillte Forelle schmecken. Oftmals zu Live-Musik. Aushängeschild neben den klassischen Besengerichte sind die verschiedenen Flammkuchen-Varianten, die auch das jüngere Klientel anlocken. Hinzu setzen die Geschwister auf Veranstaltungen – und könnten sich auch vorstellen, den Besen öfter zu betreiben. Damit die Tradition auch die nächsten 50 Jahre noch überlebt.
Das Fischerstüble in der Oberstenfelder Straße 90 in Großbottwar hat das nächste Mal vom 13. bis 15. Januar geöffnet.