Das Hallenbad Heslach als Fotomotiv Auf der Suche nach der Symmetrie

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Die Fotografin Renate Reichert gewinnt für ihre Fotografien aus dem Hallenbad Heslach einen Preis. Ihr Augenmerk liegt auf Linien und Symmetrien. Treppenhäuser, leere Schwimmbäder und Gebäude haben es ihr angetan.

Mit ihrer Leidenschaft für klare Linien und Symmetrie ist Renate Reichert im Hallenbad Heslach fündig geworden. Foto: privat/Renate Reichert
Mit ihrer Leidenschaft für klare Linien und Symmetrie ist Renate Reichert im Hallenbad Heslach fündig geworden. Foto: privat/Renate Reichert

S-Süd/ Leonberg - Ihr Augenmerk liegt auf Linien und Symmetrien. Treppenhäuser, leere Schwimmbäder und Gebäude haben es ihr angetan. „Ich habe mich schon früh auf diese Richtung fokussiert“, erzählt die Fotografin Renate Reichert aus Leonberg. Und ergänzt: „Ich suche überall das Grafische.“ Weder Porträts noch Landschaften haben die 64-Jährige groß gereizt. „Bei Naturaufnahmen muss man viel laufen und warten, da ist mir ein Wolkenkratzer in Singapur oder Dubai doch viel lieber“, sagt Reichert und lacht. Auf die Idee, leere Hallenbäder in ihr Repertoire aufzunehmen hat sie ein von ihr sehr geschätzter Fotograf gebracht: Robert Götzfried hat zahlreiche Schwimmbäder abgelichtet. Reichert hat sich dann selbst auf die Suche nach idealen Orten gemacht. Mit der Mutter sei sie als Kind im Hallenbad Heslach gewesen.

Das Fotoforum krönte das Bild zum Sieger

Kurzerhand machte sie mit dem Bademeister einen Termin nach den Öffnungszeiten aus, wartete bis die Wasseroberfläche glatt wurde und legte los. Ein Foto ihrer Serie aus dem Heslacher Hallenbad wurde nun bei dem Wettbewerb „Architektur – der Blick ins Innere“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Ausgeschrieben wird dieser vom „Fotoforum – Fotografie und Präsentation“.

„Klare Strukturen und gezielte Beleuchtung lassen das hintere Schwimmbecken quasi schweben“, so die Begründung der Jury. Alle ihre Bilder zeichnet ein besonderer Blick für die Formen und Linien architektonisch bedeutender Gebäude aus. Selbst bei ihren Fotografien, die scheinbar wie im Vorbeilaufen entstanden sind und auf den ersten Blick gar nicht in ihre Linie passen, ist dies zu erkennen. So zum Beispiel bei einem Straßenhändler für Tabak in Istanbul, der gedankenverloren auf seinem Stuhl sitzt und raucht, findet sich eine Symmetrie: in den vor ihm ausgebreiteten Schälchen mit Tabak.

Fotografiert hat Renate Reichert schon immer gerne. Vor sieben Jahren ging sie in den Ruhestand. Als ihr Mann starb, habe sie sich dann „richtig reingestürzt“. Beruflich hatte sie als Mathematikerin nichts mit Fotografie zu tun, vielmehr sei es schon immer ein Hobby gewesen. Aber eines, welches sie „Tag und Nacht betreibt“. Nachts sei sie oft mit der Bildbearbeitung beschäftigt, tagsüber ist sie auf der Suche nach neuen Motiven.

Fotografieren rund um die Welt

Mit einem Foto aus ihrer Heimatstadt hat Reichert zwar nun einen Preis gewonnen. Doch längst beschränkt sie sich bei ihren Streifzügen nicht nur auf die schwäbische Landeshauptstadt. Prag, Paris, New York, Istanbul– die Liste, der von ihr bereisten Städte ist lang. Besonders beeindruckt ist sie von Singapur und Dubai: „Da war ich sicher nicht zum letzten Mal“, sagt Reichert. Meistens reist sie mit einer Freundin oder in einer Gruppe mit anderen Fotografen. Doch einmal im Jahr macht sie sich auch für eine Woche allein auf den Weg. Da sei sie unabhängiger – „das hat schon was“.

Wenn sie sich eine Stadt ausgesucht hat, dann fängt erst einmal die Hauptarbeit an. Im Internet recherchiert sie ausführlich vor Reiseantritt, welche Gebäude und Objekte in Frage kommen und macht sich eine lange Liste. „Vorher gehe ich nicht los“, berichtet sie. Bis ins letzte Detail plane sie ihre Streifzüge aber nicht durch, ein bisschen Überraschungsmoment müsse schon dabei sein, findet Reichert.

Inzwischen hat sie aber schon einen „Scannerblick“ entwickelt. Längst muss Reichert nicht mehr immer und überall ihre Kamera dabei haben, wie sie das noch zu ihren Anfangszeiten gemacht hatte. Heute weiß sie schnell, wo sie ideale Fotos machen kann.

Die Kunst des Fotografierens hat sich die Rentnerin komplett selbst beigebracht. Über das StZ-Leserforum kam sie einst in Kontakt mit anderen Fotografen. „Da haben wir uns auch untereinander viel ausgetauscht und Tipps gegeben“, erzählt Reichert. Ihre Bilder präsentiert die Fotografin auf ihrer Homepage, aber auch in verschiedenen Foto-Foren im Internet. Preise hat sie schon einige gewonnen.

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