Das Haus Martinus wird saniert Die Abrissbirne nagt am Gemäuer des Pflegeheims

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Der Teilabriss des Haus Martinus im Stuttgarter Süden ist in vollem Gange. Im Herbst 2019 sollen hier Senioren und pflegebedürftige Menschen sowie Kitakinder die neu gestaltenen Räume beziehen.

Jetzt fällt noch der turmartige Vorbau an der Olgastraße. Foto: Sybille Neth
Jetzt fällt noch der turmartige Vorbau an der Olgastraße. Foto: Sybille Neth

S-Süd - Das Haus Martinus an der Olgastraße ist nur noch eine Ruine: Zerbrochene oder fehlende Fensterscheiben am ganzen Gebäude und zum Gehweg hin fehlt der ehemalige Eingangsbereich. Seit Wochen graben sich die Bagger ins Gemäuer. Ende August sollen alle Abrissarbeiten abgeschlossen sein.

Das Alten- und Pflegeheim der Caritas wird nicht komplett, sondern nur teilweise abgerissen und innen komplett entkernt. Das Hauptgebäude bleibt erhalten. Jetzt fällt noch der turmartige Vorbau. Er wird als verglastes Vorbauelement wieder aufgebaut. Insgesamt soll das L-förmige Gebäude an der Ecke Olga-und Bopserstraße eine gefälligere Optik erhalten.

Orientierung an den Wohnhäusern

Fred Walder von der Caritas, die Bauherrin ist, und Architekt Henning Volpp stellten kürzlich im Bezirksbeirat die Pläne für die Fassadengestaltung vor. Die äußere Gestalt des in die Jahre gekommenen Pflegeheims, das ein Jahr lang als Flüchtlingsunterkunft gedient hat und danach ein Jahr lang leer stand, soll sich im neuen Erscheinungsbild an die vorhandene Wohnbebauung in der Olgastraße angleichen. Charakteristisch für die dortigen Fassaden der Mehrfamilienhäuser aus der Gründerzeit sind ihre Schaufassaden mit verzierten Fensterbereichen, erklärte Volpp. Zum Erscheinungsbild gehört außerdem der durch ein anderes Baumaterial optisch abgesetzter Sockel an den Gebäuden. Die Seitenbereiche zu den Höfen und Gärten hin, sind dagegen schlicht gehalten. So wird das neue Gesicht des Martinus-Gebäudes ebenfalls einen grauen Sockelputz erhalten und die Fassade mit Zementpaneelen verkleidet, Anstriche in verschiedenen Beigetönen greifen den Stil der Nachbarhäuser auf. Alle Fenster werden nach unten vergrößert, in einem Teilbereich werden Balkone zur Straße hin gebaut.

Alt und Jung unter einem Dach

Insbesondere das Pflegeheim hatte nach 50 Jahren nicht mehr den heutigen Standards entsprochen. Zu diesen gehört beispielweise zwingend ein kleines Bad für jedes Zimmer. Deshalb werden nach dem Umbau statt der früher 104 Pflegeplätze nur noch 87 vorhanden sein. Daneben werden elf geförderte Seniorenwohnungen im Haus Martinus Platz finden. So soll alten Menschen der Übergang von der eigenen Wohnung ins Pflegeheim erleichtert werden, wenn er notwendig wird.

Auch die katholische Kindertagesstätte, die vor drei Jahren wegen des Umbaus an einen Ersatzstandort umziehen musste, kehrt zurück und bekommt für die zwei großen und zwei kleinen Kindergruppen ein eigenes Stockwerk. Die frühere Kapelle im Erdgeschoss des Hauses Martinus wird es künftig nicht mehr geben, dafür einen Andachtsraum.

Bushaltestelle bleibt

Im hinteren Bereich wird die Topografie mit ihrem Gefälle für die Gestaltung von Terrassen und den Gartenbereich genutzt. Kein einziger Baum muss dafür gefällt werden. Wichtig war den Bezirksbeiräten, dass die Bushaltestelle Wilhelm-/Olgastraße beibehalten wird. Diese ist in die Außengestaltung einbezogen und wird an Ort und Stelle bleiben, versprachen Walder und Volpp. Während der gesamten Bauzeit bleiben beide Spuren der Olgastraße befahrbar. Der Umbau ist mit einem Volumen von 20,7 Millionen Euro das derzeit größte Bauprojekt der Caritas. „Im Herbst 2019 soll das Gebäude bezugsfertig sein“, heißt es bei der Caritas. Der Beginn der Bauarbeiten hat sich wegen der komplizierte Planungsphase um zwei Jahre verzögert.

Die Caritas hatte zum 1. Oktober 2015 den Betrieb an der Olgastraße eingestellt und war damals davon ausgegangen, dass nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren, also bis Ende 2016, Senioren und Kindertagesstätte wieder einziehen können.

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