Das Joint Venture BMTS wird verkauft Bosch-Mahle: Turbosparte geht nach China

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Im Jahr 2008 haben Bosch und Mahle das geschäft mit Turboladern zusammengelegt. Doch die Erwartungen haben sich offensichtlich nicht erfüllt. 1300 Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber. Der künftige Eigentümer will das Geschäft ausbauen.

Ein Turbolader – im Bild ein Bauteil davon –   sorgt dafür, dass  mehr Sauerstoff in den Verbrennungsraum des Motors gelangt und dadurch das Benzin effizienter verbrennt. Foto: Bosch Mahle
Ein Turbolader – im Bild ein Bauteil davon – sorgt dafür, dass mehr Sauerstoff in den Verbrennungsraum des Motors gelangt und dadurch das Benzin effizienter verbrennt. Foto: Bosch Mahle

Stuttgart - Die Stuttgarter Zulieferer Bosch und Mahle haben einen Käufer für ihre gemeinsame Tochter Bosch Mahle Turbo Systems (BMTS) mit Sitz in Stuttgart gefunden. Die in Hongkong ansässige Beteiligungsgesellschaft Fountain-Vest Partners wird das Geschäft sowie die rund 1300 Mitarbeiter an allen Standorten übernehmen, teilten Bosch und Mahle mit, die jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Nun müssen die zuständigen Kartellbehörden dem Geschäft noch zustimmen. Turbolader dienen der Effizienzsteigerung eines Verbrennungsmotors. Sie bringen mehr Sauerstoff in den Verbrennungsraum des Motors, wodurch das Benzin effizienter verbrennt und die Motorleistung zunimmt. Dies führt bei gleicher Leistung auch zu einem geringeren CO2-Ausstoß, heißt es.

Der Eigentümer verspricht Investitionen

Der künftige Eigentümer von BMTS hat zugesagt, das Geschäft mit Turboladern weiter auszubauen und BMTS für nachhaltiges Wachstum aufzustellen, erklärten Bosch und Mahle in einer gemeinsamen Mitteilung. „Wir sind davon überzeugt, dass der Markt für Turbolader auch in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, insbesondere da dieses Produkt bei Lösungen zur Schadstoffreduzierung eine Schlüsselrolle spielen wird“, erklärt Frank Tang, Mitbegründer und Chef von Fountain-Vest. BMTS sei aufgrund seiner „hervorragenden“ Forschung und Entwicklung sowie fortschrittlichen Produktionstechnologie bestens aufgestellt, um von der positiven Entwicklung der Branche zu profitieren, fügte er hinzu. Er kündigte an, dass die Beteiligungsgesellschaft in BMTS investieren werde, „damit das Unternehmen erfolgreich wachsen und sich im Markt stark positionieren kann“, so Tang weiter. Konkretes über die Ausbaupläne war nicht zu erfahren. Der Name BMTS sowie das Firmenlogo sollen erhalten bleiben; allerdings darf der künftige Eigentümer nur die Abkürzung verwenden und nicht die Namen der Vorbesitzer Bosch und Mahle. Die Höhe des BMTS-Umsatzes war nicht zu erfahren.

Mahle und Bosch loben den Käufer

Mahle lobt die chinesische Beteiligungsgesellschaft. Man habe einen Käufer gefunden, „der BMTS mit Entschlossenheit, den notwendigen finanziellen Mitteln und einer entsprechenden Erfolgsbilanz bei Investitionen in der Automobilindustrie weiterentwickeln und zum nachhaltigen Erfolg führen will“, sagt Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider. Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander ergänzt: „Für BMTS eröffnen sich durch den neuen Eigentümer wichtige Perspektiven und Wachstumschancen in attraktiven Märkten wie China und Nordamerika.“

Der weltweite Markt für Turbolader soll in den nächsten Jahren weiter wachsen. Experten gehen davon aus, dass der Turbolader-Absatz bis 2020 weltweit um neun Prozent zunehmen wird. In den folgenden Jahren werde der Zuwachs etwas nachlassen, aber er soll immer noch bei fünf Prozent liegen.

Große Stückzahlen sind ein Wettbewerbsvorteil

Von diesem Trend habe das Stuttgarter Unternehmen, das Produktionsstätten in Blaichach in Bayern, St. Michael in Österreich sowie in Shanghai hat, in den vergangenen Jahren bereits profitiert. Allerdings habe BMTS noch nicht die Größe erreicht, die für einen nachhaltigen Erfolg erforderlich ist, begründeten Bosch und Mahle die Gründe für den Verkauf. „Große Stückzahlen und die damit verbundenen Skaleneffekte sind ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil“, sagte Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander, als er Anfang des Jahres die Verkaufsabsicht ankündigte. „Trotz namhafter Kunden, die Volumenaufträge abrufen, der damit verbundenen Auslastung unserer Werke und überproportionale Wachstumsraten ist die heutige Absatzmenge von BMTS im Vergleich zu den großen Mitanbietern noch zu gering und muss weiter ausgebaut werden“, fügte er damals hinzu.

Bosch und Mahle wollen den Ausbau nicht selbst vorantreiben, teilten sie am Donnerstag mit. Sie wollen ihre Investitionen vielmehr auf neue Entwicklungsfelder konzentrieren, hieß es Anfang des Jahres. Früheren Angaben zufolge strebte BMTS einen Absatz von zwei Millionen Turboladern an; diese Zahl ist mittlerweile angeblich auch erreicht worden, ist zu hören. Führend in diesem Markt sind die US-Zulieferer Borg Warner und Honeywell. Auch Conti ist in diesem Geschäft tätig.

Start des Joint Ventures war 2008

Bosch und Mahle haben im Jahr 2008 die Gründung des Joint Ventures bekannt gegeben. Das Unternehmen startete damals mit 600 Mitarbeitern; davon waren 100 in der Firmenzentrale in Stuttgart tätig, wo auch die Forschung und Entwicklung ihren Sitz hat. Inzwischen sind rund 220 Beschäftigte am Stammsitz beschäftigt. Von Beginn an wurde in Bayern und in Österreich gefertigt. Ende 2014 kam ein Werk in China hinzu, wo mittlerweile 284 Mitarbeiter tätig sind.