Das Juni-Wetter in Stuttgart Der Sommer lässt sich nicht zweimal bitten

Von Jürgen Löhle 

Der Juni 2019 war in Stuttgart der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und es könnte gerade so weitergehen.

Sommer in der Stadt – da kann ein wenig Kühlung nicht schaden. Foto:  
Sommer in der Stadt – da kann ein wenig Kühlung nicht schaden. Foto:  

Stuttgart - Sich über das Wetter aufzuregen gehört einfach dazu. So wirklich passt es ja nie, und das gilt nicht nur für die Landwirtschaft. Und so hörte man ausgangs Juni immer wieder, dass es doch eine grausame Hitze sei, schlafraubend, drückend, und dann muss man auch noch ständig das Hochbeet gießen, weil sonst der Schnittlauch vertrocknet. Tiefer Seufzer – auch wegen des Saharastaubs, der die Fenster dreckig macht. Ergänzend sei noch gesagt, dass die Hitzewelle vom 23. Juni an wieder schrecklich sichtbar gemacht hat, dass Männer im Büro bitte keine kurzen Hosen tragen sollten. Schon gar nicht in Verbindung mit Sonnenbrillen, die nur zu Typen wie Daniel Craig passen.

Der Juni-Rekord wurde nur knapp verfehlt

Jetzt aber genug gejammert. Kurzum – der Juni war wettertechnisch für die Stadt einfach wunderbar. Anfangs feucht genug, damit die Wasserrechnung nicht durch Pflanzengießen belastet wurde und der Rasenmäher samstags den Nachbarn aus dem Bett röhren konnte. Ab Mitte des Monats wurde es dann immer trockener, sommerlicher und gegen Ende richtig heiß. Am letzten Juni-Tag wurden an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Schnarrenberg 35,6 Grad gemessen. Das war der bisher heißeste Tag des Jahres und nur 0,4 Grad kühler als der Hitzerekord für Juni aus dem Jahr 2002 (36,0 Grad). Wer es also gerne hochsommerlich hat, für den war der Juni einfach ein Traum. Es sei denn, er kam auf die Idee, am vergangenen Hitzewochenende zur Abkühlung ein Freibad aufzusuchen. Dort war es – Überraschung – proppenvoll und das Wasser zwischen den vielen Menschen badwarm.

„Die Mitteltemperatur im Juni betrug in Stuttgart 20,7 Grad, das sind 4,3 Grad über dem langjährigen Mittelwert“, sagt Andreas Pfaffenzeller. Laut dem Meteorologen des DWD rangiert der Juni 2019 damit auf Platz zwei hinter dem Rekordjahr 2003, als der erste Sommermonat mit 22,3 Grad noch einmal deutlich wärmer war. Aber auch 2019 waren die Zahlen durchaus eindrucksvoll. Es gab 17 Sommertage mit mehr als 25 Grad (normal wären 6,1) und fünf heiße Tage über 30 Grad (normal 0,4). Dass der Juni in Stuttgart auch ganz anders kann, zeigte sich 1956, als mit 13,9 Grad im Schnitt der kühlste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen 1961 gemessen wurde. Da war nicht viel mit Freibad.

Es gab auch Regen im Juni – zum Glück

Für den Sommer 2019 sind die Aussichten dagegen andere: Da es sowohl am Siebenschläfertag (27. Juni) als auch in dem Zeitraum danach bis jetzt sommerlich war, gibt es statistisch eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass sich der kommende Hochsommer weiter so präsentiert wie in den vergangenen Tagen. Das wäre dann allerdings wieder zu trocken, vor allem für die Pflanzen. In Sachen Regen ist man in Stuttgart allerdings noch mit einem blauen Auge davongekommen. Zumindest bisher. Die 63 Liter pro Quadratmeter, die am Schnarrenberg gemessen wurden, sind immerhin gut zwei Drittel eines normalen Jahres. Und da es im Mai satte 105 Liter geregnet hat (125 Prozent), droht auch bei der aktuellen Trockenheit kein Szenario wie vor einem Jahr, als das Gras Anfang Juli bereits komplett verdorrt war und die ersten Bäume anfingen, wegen der Trockenheit Blätter zu verlieren. Sieben Wochen ohne Regen wären aber trotzdem nicht gut für die Natur.

Kommende Woche könnt es nass werden

Zumal die Sonne auch im Juni wieder Überstunden machte. Mehr als 295 Stunden ließ sie auch die Besitzer von Fotovoltaikanlagen jubeln, das sind gut 85 Stunden mehr als im Schnitt. Und so wie es jetzt aussieht, geht das gerade so weiter. Auch die kommenden Tage werden sonnig und warm, wenn auch nicht mehr so heiß wie das vergangene Wochenende. Regen ist erst einmal keiner zu erwarten, zumindest nicht bis zum Wochenende. „Danach könnte sich das aber ändern“, sagt Andreas Pfaffenzeller, „aktuell sieht es für den Zeitraum dann nicht mehr so stabil aus.“ Der Meteorologe weist aber auch darauf hin, dass dies eine Langfristprognose ist, die sich durchaus noch ändern kann.

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