„Die hatten so Cowboy- und Indianerklamotten an“, sagt der Lokführer über die Männer, die gerade seinen Zug ausgeraubt haben. Dem einäugigen Sheriff und seinem sächselnden Deputy verrät er zudem, dass die Täter offenbar Geschwister sind, weil sie immer „mein Bruder“ sagen. Wer da noch nicht Abahachi, den Häuptling der Indianer, und seinen Blutsbruder Ranger verdächtigt, kommt ihnen spätestens dadurch auf die Spur, dass auf dem Pfeil, der im Arm des Lokomotivführers steckt, steht: „Dieser Pfeil gehört Abahachi“. So dauert es nicht lange, bis die beiden hinter Gitter landen und die Zeitung titelt: „Droht ihnen jetzt der Galgen?“
Aber Abahachi (Michael Bully Herbig) und Ranger (Christian Tramitz) haben sich schon aus schwierigeren Situationen befreit: in der Sketchserie in der Comedyshow „Bullyparade“ (1997–2002) ebenso wie in dem Film „Der Schuh des Manitu“ (2001). Die Westernparodie gilt mit 11,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern und einem Umsatz von rund 65 Millionen Euro als einer der erfolgreichsten deutschen Filme. Dass es jetzt eine Fortsetzung gibt, ist nicht verwunderlich. Dass man fast ein Vierteljahrhundert darauf warten musste – das allerdings schon.
Worum geht es in „Das Kanu des Manitu“?
„Das Kanu des Manitu“ ist wie schon „Der Schuh des Manitu“ eine Sketchshow, die einzige Aufgabe der Story ist, möglichst viel Platz für ulkige Szenen, Slapstick, Klamauk. Verkleidungen und Gags zu schaffen. Worum es geht? Der griechische Wortverdreher Dimitri (Rick Kavanian) und dessen neue Liebe Mary (Jasmin Schwiers) machen sich auf, um Abahachi und Ranger aus dem Gefängnis zu befreien. Und auch eine kuriose Gangsterbande (angeführt von der herrlich toughen Jessica Schwarz) will sich die beiden schnappen, bevor sie am Galgen enden – und sie dazu zwingen, dass sie für sie das Versteck des legendären Kanu des Manitu finden, das angeblich unsterblich macht.
Winnetouch und Santa Maria sind zurück
„Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit“, sagt Abahachi, als er das erste Mal wieder auf Ranger trifft – und er schenkt ihm zur Feier der Silbernen Blutsbrüderschaft eine Panflöte. Selbstverständlich gibt es aber auch ein Wiedersehen mit Abahachis Bruder Winnetouch (ebenfalls von Herbig gespielt), der jetzt auf seiner „Rumba Ranch“ alten Damen Tanz- und den drei Musketieren Fechtunterricht gibt und später einen spektakulären Auftritt als der rosarote Zorro hat. Und wer glaubt, das Versinken in einer Teergrube am Ende von „Der Schuh des Manitu“ könnte den Oberschurken Santa Maria (Sky Du Mont) davon abhalten, auch in der Fortsetzung wieder diabolisch-souverän in Erscheinung zu treten, hat die Rechnung ohne Bully und Co. gemacht.
Abahachi! Gesundheit!
Zudem haben es viele alte Gags in den neuen Film geschafft. Jasmin Schwiers darf einmal in Erinnerung an frühere Zeiten „Gesundheit“ sagen, nachdem der Name Abahachi gefallen ist. Und der Häuptling der Indianer wird dem Widerstand Rangers („Sag’s nicht! Sag’s nicht!“) trotzend feststellen, dass er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist.
Darüber hinaus begnügt sich die Komödie wieder nicht damit, Westernklischees und vor allem die Karl-May-Adaptionen zu veralbern, sondern ist auch sonst voller Popkultur-Verweise: Mal werden bizarr Wasser-Revuefilme wie „Badende Venus“ zitiert, mal borgt man sich aus dem Piratenfilm „Der rote Korsar“ die Unterwasserbootszene. Die Suche nach dem mythischen Kanu des Manitu ahmt „Jäger des verlorenen Schatzes“ nach. Der verwundete Lokomotivführer heißt Lukas. Und der Junge, der sonst immer mit ihm unterwegs war, studiert jetzt Musik und verdingt sich während der Semesterferien als Gangster in der Bande, die nicht nur Schwierigkeiten hat, einen Namen zu finden (Die sieben Zwerge? Die sieben Geißlein? Rasselbande?), sondern auch ein siebtes Mitglied – und deshalb den unbeholfenen Komparsen Wolfgang (Merlin Sandmeyer aus „Die Discounter“) engagieren muss. „Herrschaftszeiten, wer denkt sich denn so was aus?“, fragt Ranger einmal und fasst damit den Film ganz gut zusammen, für dessen Soundtrack Stefan Raab auch noch die herrlich groovende Discopop-Nummer „Weil wir so supergeil drauf sind“ spendiert hat.
Ist „Das Kanu des Manitu“ politisch korrekt?
„Die Comedy-Polizei ist so streng geworden“, hat Herbig schon zu Beginn der Produktion des Films in einem Radiointerview gesagt. Und der Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ merkt man an, dass die Filmemacher (Herbig hat Regie geführt, das Drehbuch stammt von ihm, Tramitz und Kavanian) sich nicht mehr so unbefangen über Themen wie sexuelle Orientierungen lustig machen oder leichtfertig in die Falle der kulturellen Aneignung tappen wollten.
Als der Sheriff (Friedrich Mücke) seinem Deputy (Rick Kavanian in einer Doppelrolle) sagt: „Lesen Sie dem Indianerhäuptling seine Rechte vor!“, guckt ihn Abahachi böse an und fällt ihm ins Wort: „Sagen’s bitte nicht Indianer!“ Und gegen Ende erlaubt sich „Das Kanu des Manitu“ sogar einen Schlenker, den man als eine Verneigung vor den amerikanischen Ureinwohnern und eine Entschuldigung dafür lesen kann, dass sich da einige komische Typen aus Deutschland als Cowboys und Indianer verkleidet haben.
Das Kanu des Manitu. Deutschland 2025. Regie: Michael Herbig. Mit Michael Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica Schwarz. 88 Minuten. Ab 6 Jahren. Kinostart am 14. August.