Seit zweieinhalb Jahren arbeitet unsere Autorin selbstständig. Dafür geht sie gerne in Cafés. Manche Dinge sollte man dabei auf keinen Fall machen, findet sie.

Ich sitze im Café, Laptop aufgeklappt vor mir, und nippe an meinem Milchkaffee. Wie so oft bin ich nicht die Einzige, die die Möglichkeit nutzt, mal aus dem immergleichen Homeoffice rauszukommen. Einfach, um meine vier Wände hinter mir zu lassen, bevor mir am Ende wirklich noch die Decke auf den Kopf fällt.

 

Zu meinen beiden Seiten sitzen ebenfalls Menschen mit Laptops, einer sogar mit Headset auf. Dass er seit einer Viertelstunde in einem Meeting ist, in dem sein Redeanteil scheinbar den größten Raum einnimmt, habe ich längst gemerkt. Ich – und jede:r andere hier im Café – übrigens auch.

Aus Café wird Großraumbüro

Lautstark spricht er ins Mikro, kann sich selbst – im Gegensatz zu uns – offenbar nicht hören. Dann der Knaller: Mit einem Mal signalisiert er seinen Meetingkolleg:innen, dass er kurz wegmuss, steht auf und wendet sich an das Personal an der Theke.

„Entschuldigen Sie, aber könnten Sie bitte die Lautstärke der Musik etwas runterdrehen? Ich bin gerade mitten in einem Termin.“ Die Frau hinter der Theke, die gerade Milch für einen Cappuccino aufschäumt, ist sprachlos. Genau wie ich.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir auffällt, wie oft Menschen die Räumlichkeiten eines Cafés mit ihrem persönlichen Büro verwechseln. Erst ein paar Wochen zuvor wurde ich Zeugin davon, wie eine Frau die komplette Deko rund um ihren Laptop einsammelte und dem verdutzten Personal auf den Tresen stellte. Ich konnte sie nicht ganz verstehen, meine aber etwas von „Clean Desk“ gehört zu haben.

Zwischen Pyjama und People-Watching

Die Sache ist die: Ich bin selbst seit etwa zweieinhalb Jahren selbstständig. Die Zeiten von 9-to-5 und Büroalltag habe ich mit dem Ende meiner Journalistenschule gleichermaßen hinter mir gelassen. Und auch wenn ich es liebe, bis 12 Uhr im Pyjama am Schreibtisch zu sitzen oder von der Couch aus zu arbeiten, zieht es auch mich gerne mal nach draußen, unter Leute. Deswegen genieße ich es sehr, ab und zu einen Artikel im Café zu schreiben, dabei deutlich besseren Kaffee zu trinken, als ich ihn zuhause je hinbekommen würde, und kleine Schreibpausen zum People-Watching zu nutzen.

Ich habe aber auch jahrelang nebenbei in der Gastro gearbeitet – tue es heute noch – und weiß genau, dass es kaum etwas Nervigeres gibt als Menschen, die stundenlang einen Vierertisch blockieren, nur um in der Zeit einen kleinen Kaffee zu trinken und sich dann noch drei Gläser Leitungswasser dazuholen. For free, versteht sich.

Selbst und ständig – aber bitte mit Maß

Ich frage mich dann: Ist diesen Leuten nicht bewusst, dass an ihnen einfach extrem viel Geld verloren geht? Immerhin könnten in den vier Stunden, die sie da sitzen und für 4,50 Euro maximal konsumieren, locker acht andere Gäste kommen und gehen, die das Zehnfache bezahlen. Gerade bei allen, die selbstständig sind, stößt mein Verständnis da an Grenzen – müssten sie nicht am besten wissen, wie weh es tun kann, wenn man so viel Umsatz verliert?

Ich kann also nicht sagen, dass es mich wundert, wenn Café-Besitzer:innen die Laptop-Nutzung verbieten oder einschränken, gerade am Wochenende. Und wenn wir mal ehrlich sind – und ich weiß, da muss ich mir selbst auch mal an die Nase fassen: Nur weil man selbst und ständig ist, muss man anderen nicht auch am Wochenende das Gefühl geben, man hätte es nie aus dem Büro rausgeschafft. Und vielleicht sollten wir uns alle gelegentlich daran erinnern, dass ein Café kein Coworking-Space ist – und der Milchkaffee keine Miete ersetzt.