Das leidige Thema Pausenbrote Mamas Abendessen: das angematschte Vesperbrot
Mit der Geburt der Kinder beginnt auch die kulinarische Talfahrt der Eltern, unter anderem als Vesperbrotemüllschlucker.
Mit der Geburt der Kinder beginnt auch die kulinarische Talfahrt der Eltern, unter anderem als Vesperbrotemüllschlucker.
Kommen die Kinder von der Schule, wirft die Mutter einen bangen Blick in die Vesperboxen. Sind diese leer gemampft, ist sie für heute davongekommen. Liegen darin Brote, Apfel- und Paprikaschnitze in großen Teilen, weiß sie, woraus ihr Abendessen mal wieder bestehen wird.
Klar, sie kann jetzt versuchen, mittels aufgemotzten Belags und Ketchupgarnitur sowie der Aussicht auf ein Schokoladenripple als Belohnung die Stullen doch noch dem Nachwuchs schmackhaft zu machen. Wobei diese Strategie selten verfängt. Lohnenswerter ist es, auf den Mann zu warten, den der Nachmittagsheißhunger vom Homeofficeschreibtisch in die Küche treibt, wo sie ihm die Hinterlassenschaften der Kinder unterjubeln könnte: „Hab ich gerade extra für dich geschmiert!“
Wobei sie darauf hoffen muss, dass seine Unterzuckerung über die Note nach angematschter Gurke und gärendem Apfel hinwegtäuschen wird, die das Salamibrot längst angenommen hat. Liebe geht durch den Magen – dieser Spruch bekommt angesichts der Frage, ob er oder sie sich der Stullen erbarmt, eine neue Bedeutung.
Dabei ist das Dasein als Pausenbrotemüllschlucker nur einer der kulinarischen Tiefpunkte, die man als Eltern in den ersten Jahren nach der Geburt der Kinder erlebt. Biofleisch, frisches Gemüse, Vielfalt in den Beilagen, das bekommt erst mal nur noch der Nachwuchs – in pürierter, ungewürzter Form. Während man nämlich alle Energie in die Zubereitung der selbstverständlich selbst gekochten Babybreis steckt, stopft man sich schnell ein Käsbrot rein oder kocht Nudeln mit Butter oder dem ewigen Pesto. Das Baby könnte ja gleich wieder aufwachen!
Wobei Nudeln schon in die Zeit verweisen, in der man mit kleinen und größeren Kindern mal essen geht. Die Wahl des Restaurants orientiert sich dann vor allem am kindlichen Geschmack, weshalb man sehr oft in Pizzerien und Burger-Läden abhängt. Auch daheim passt sich der Speiseplan dem meist wenig experimentier- und exotikfreudigen Gaumen des Nachwuchses an. Weshalb es dann wieder viele Nudeln und Gerichte gibt, in denen der Bestandteil Hackfleisch eine wichtige Rolle spielt.
Sicherlich gibt es auch Eltern, deren Hang zur kulinarischen Selbstverleugnung und -erniedrigung – recht haben sie ja! – nicht so ausgeprägt ist. Die einfach kochen, was ihnen schmeckt, und den Nachwuchs zur Not auf ein Knäckebrot verweisen. Ein Blick in die Internetelternforen zeigt allerdings, dass das nicht allzu viele sein können. Auf der Plattform „Rund ums Baby“ jedenfalls wurde die Frage, wie Eltern mit vollen Brotboxen umgehen, schon heiß diskutiert. Eine Mutter schrieb, sie sei stinksauer und gebe der Tochter einfach kaum noch etwas mit. Eine weitere ließ ihr Kind das Vesper selbst richten. Auf aufwendige japanische Bentoboxen setzte eine dritte. Schließlich erzählte eine Mutter, dass sie Verschiedenes ausprobiert habe: Bekomme das Kind täglich selbst gebackenen Möhrenkuchen mit, esse es besser. Fazit aller allerdings: Man kann sich noch so ins Zeug legen, verhindern kann man die verschmähten Pausenbrote nicht.
Angesichts dessen ist vielleicht der Rat einer Kollegin der beste: „Ich schmeiß das einfach alles weg.“