Monument "Die Maske" in Herrenberg Symbol für einen ganzen Kontinent

Monatelang hat Guillermo de Lucca Villacis an der Maske gearbeitet. Foto: Eibner/Jürgen Binias

Das Monument „die Maske“ schmückt jetzt den Ottoschen Garten in Herrenberg. Geschaffen hat die Stele Guillermo de Lucca Villacis.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Herrenberg - Man kann einen Park als künstliche Landschaft oder selbst als Kunstwerk verstehen. Wohl deswegen ist jeder Park auch ein Ort, an dem man sich gern mit Kunst auseinandersetzt. Natürlich nur, wenn die Kunst auch vorhanden ist. Bisher war das im Ottoschen Garten in Herrenberg nicht der Fall. Dieses Manko spürte besonders Stephan Büchting, der ein Mitglied der verzweigten Stifterfamilie der Carl-Ernst-Büchting-Stiftung ist und deren Stiftungskapital von der Saatgut-Firma KWS-Saat stammt. Dieser Stiftung war es 12 000 Euro wert, im Ottoschen Garten hinter dem evangelischen Gemeindehaus in Herrenberg ein Kunstwerk aufzustellen.

 

Die Wahl der Stiftung fiel auf den deutsch-ecuadorianischen Künstler Guillermo de Lucca Villacis aus Hildrizhausen, dem mit der Skulptur „die Maske“ ein erstaunliches Werk gelungen ist.

Der Block wirkt schwerelos

Der Bildhauer hat dem mannshohen Block seine Schwere genommen. De Lucca zwingt den Steinen nicht seine bildhauerische Idee auf, er arbeitet das heraus, was bereits im Stein vorhanden ist, oder besser, was de Lucca Villacis in diesem Stein sieht. Die Basaltsäule hatte eine lange in der Mitte gebrochene Fläche, die er polierte und daraus das Schild eines afrikanischen Kriegers sägte. Der Rand des Schildes ergibt zugleich die Form eines Elefantenrüssels. Symbole für einen ganzen Kontinent.

Elena Hocke, die stellvertretende Leiterin der Herrenberger Volkshochschule, spannte bei der Einweihung des Monuments den Bogen von Afrika bis zur zur europäischen Kunsttradition.

„Die moderne Kunst Europas wäre zum Beispiel ohne die ästhetische Wirkung Afrikanischer Kunst kaum denkbar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der klassischen Moderne waren es unter anderem Picasso und seine Künstlerkollegen, die sich auf die Suche nach einer neuen Formsprache machten, welche die europäische Tradition des Realismus weiterentwickeln und letztlich überwinden sollte.“ Für Elena Hocke ist die Kunst der Naturvölker Afrikas oder Ozeaniens weder archaisch noch primitiv. Sie sei einfach ein Ausdruck der Lebenswelt ihrer Schöpfer. Und deswegen sei das Monument „die Maske“ eine ideale Ergänzung der städtischen Kunstsammlung, sagte Elena Hocke, die mittlerweile rund 1000 Werke aus allen Sparten der bildenden Kunst umfasse.

Es war Maßarbeit, als Guillermo de Lucca Villacis zusammen mit seinem Bildhauer-Kollegen Thomas Dittus aus Herrenberg die Skulptur aufstellte. Etwa eine Stunde dauerte die ganze Aktion. Zu zweit richteten sie den Sockel aus schwarzem schwedischen Granit aus. Wo soll die Schauseite sein? Wo sieht man den Schild des Kriegers am besten? Natürlich zum Spazierweg, der den Ottoschen Garten durchquert. Inzwischen sind auch die Schüler der nahe gelegenen Albert-Schweitzer-Schule aufmerksam geworden und beobachten die Aktion aus den Fenstern des Klassenzimmers.

Millimeterarbeit an den Bohrlöchern

Inzwischen bohrt Thomas Dittus durch den Sockel aus schwedischem Granit in das Betonfundament hinein. Zwei Löcher macht er, in die er anschließend Dübel aus Baustahl steckt und einbetoniert. Jetzt springt er auf die Pritsche seines Lastwagens, hebt die Skulptur mit dem Kran an.

Es ist Millimeterarbeit, bis der Steinblock exakt lotrecht in den Gurten hängt, aber nur so kann er gut aufgestellt werden. Jetzt schwebt der Block nur noch weniger Zentimeter über dem Sockel, Thomas Dittus senkt ihn weiter ab, Guillermo de Lucca springt ihm bei, zusammen schieben und drücken sie die Figur in die Dübel. Es passt, der Beton quillt aus den Ritzen, die Thomas Dittus eilig verfugt, damit die Figur auch wirklich fest in die Erde gemauert ist.

Etliche Monate hat Guillermo de Lucca Villacis an seiner Idee und an seiner Skulptur gearbeitet. Er ist 1957 in Ecuador geboren und studierte in seiner Heimat und in Italien Bildhauerei. 1985 begann er seine Karriere als freischaffender Künstler in Rom, 1992 zog er nach Deutschland, heute lebt und arbeitet in Hildrizhausen. De Lucca ist im Skulpturenpark in Aidlingen vertreten und in der Freiluftgalerie Sculptoura zwischen Waldenbuch und Weil der Stadt. Er wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Zum Künstlerkollegen und Steinmetzen Thomas Dittus aus Herrenberg verbindet ihn eine jahrzehntelange Freundschaft.

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