Das Pappel-Wunder von Owen Seltene Käfer retten eine Allee
Eigentlich hätte die Pappel-Allee in Owen komplett weichen sollen, doch weil die Bäume Heimat einer geschützten Käferart sind, kam alles anders.
Eigentlich hätte die Pappel-Allee in Owen komplett weichen sollen, doch weil die Bäume Heimat einer geschützten Käferart sind, kam alles anders.
Owen - Nicht mal Verena Grötzinger hat die Retter der Owener Pappelallee bisher zu Gesicht bekommen. Sie kenne die Käfer nur aus dem Internet, bekennt die Bürgermeisterin der dreieinhalb Tausend Seelen zählenden Kommune am Fuße der Teck im Tal der Kirchheimer Lauter. Trotzdem ist Grötzinger den Gefleckten Pappel-Prachtkäfern zutiefst dankbar, denn diese vom Aussterben bedrohte Käferart sichert nun den Erhalt der stattlichen Pappel-Allee im Westen des Dorfes, die sonst hätte ersatzlos abgeholzt werden müssen.
„Die Allee ist für uns ein hohes traditionelles Gut“, berichtet Grötzinger. Würde sie fehlen, wäre das ein großer Einschnitt für das Landschaftsbild in der Voralbgemeinde. Vor rund 60 Jahren sei die Allee nördlich der Landesstraße Richtung Beuren als Windbrecher gepflanzt worden, denn hier im Albvorland gebe es zeitweise recht raue Winde. Und zum selben Zweck sei auf der südlichen Straßenseite Richtung Albkante eine Birnbaumallee entstanden.
Die Pappeln im Gewann Froschwiesen hätten nun nach rund 60 Jahren wohl ihren Zenit überschritten und seien brüchig geworden. So habe man mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht marode Pappeln entfernt. Bevor jedoch junge Bäume in die gut 30 Lücken gepflanzt werden konnten, musste die Kommune eine artenschutzrechtliche Untersuchung abwarten. Dies sei in solchen Fällen üblich, erklärt Grötzinger.
Zunächst hatte die Kreisbehörde die Allee am liebsten dem Erdboden gleich machen wollen, weil die Pappeln nicht landschaftstypisch seien. Doch dann wendete sich das Blatt. Nach langen Untersuchungen stellte die Naturschutzbehörde im Landratsamt fest, dass der seltene und vom Aussterben bedrohte Gefleckte Pappel-Prachtkäfer ausgerechnet in Owen heimisch ist.
Die Kommune soll nun die Allee auf den Froschwiesen erhalten. Allerdings dürfte das eine kostspielige Angelegenheit werden, da die Bäume aufgrund ihres schlechten Zustands nach und nach ausgetauscht werden sollen. Auf rund 70 000 Euro schätzt die Bürgermeisterin die Kosten, die vor allem durch das aufwendige Roden der Baumstümpfe entstehen werden. In drei Abschnitten werde geplant, die Details erarbeite momentan ein Planungsbüro im Auftrag der Gemeinde. Grötzinger hofft, gemeinsam mit dem Förderkreis Alt-Owen und dem Obst- und Gartenbauverein Sponsoren für die teure Traditionspflege zu gewinnen, auf dass die kleinen Krabbler Owen erhalten bleiben.
Dieser Käfer liebt die Wärme
Aussehen
Der Gefleckte Pappelprachtkäfer gehört zur Familie der Prachtkäfer, lateinisch heißen diese Buprestidae. Anders als der Rotblaue Pappel-Prachtkäfer finden sich auf seinen beiden Flügeldecken jeweils drei weiße Flecken, die ihm den Namen gegeben haben. Der schlanke Käfer ist von dunkel metallisch glänzender Farbe. Er wird nur zwischen sechs und elf Millimeter lang.
Vorkommen
Der Pappelprachtkäfer ist laut Bundesartenschutzverordnung gesetzlich besonders geschützt. Die Art wird in der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschlands geführt. Die wärmeliebenden Käfer treten in weiten Teilen Europas auf. Neuerdings werden sie auch in Belgien und Holland gefunden. Die seltenen Tiere entwickeln sich nach der Eiablage im Holz von Weiden und Pappeln, in dem ihre Larven leben. Auf diesen Bäumen kann man in Mitteleuropa im Juni und Juli auch die erwachsene Tiere finden.