Das Phänomen Scooter „Hyper Hyper“, die schlechteste Nummer der Welt

Sport: Daniel Hackbarth (had)

Dabei war der große Erfolg von Scooter in den Anfangszeiten nicht gerade absehbar. „Es gab derbe Kritik und Hohn von allen Seiten. Die Musikmedien haben fast ausnahmslos gegen uns gepöbelt“, erinnert sich Baxxter, der eigentlich Hans Peter Geerdes heißt und in Ostfriesland aufgewachsen ist, in der zum Jubiläum erschienen Bandbiografie „Always Hardcore“. „Proll-“ oder „Kirmestechno“ waren gängige Schimpfwörter für die Musik der Band. Zudem gab es Gerüchte, Scooter sei von einer Plattenfirma zusammengecastet worden, obwohl die Musiker ihre Stücke selbst produzierten und abmischten. Westbam, einer der erfolgreichsten Künstler der deutschen Technoszene, bezeichnete „Hyper Hyper“ gar als „die schlechteste Nummer der Welt“ – wobei man sagen muss, dass er mit diesem Urteil gar nicht so weit daneben liegt.

Jedenfalls glaubten damals viele, dass der Song ein einmaliger Erfolg bleiben und Scooter wieder in der Versenkung verschwinden würde. Eine spektakuläre Fehleinschätzung: gleich die ersten fünf Singles wurden mit Gold ausgezeichnet. Insgesamt folgten in Deutschland mehr als zwanzig Top-Ten-Platzierungen. Zudem gehört Scooter zu den wenigen deutschen Bands, die international großen Erfolg hat.

Vom Telefonverkäufer zum Popstar mit Jugendstilvilla

H. P. Baxxter ist das Gesicht der Band, Rick J. Jordan ihr musikalischer Mastermind. Die beiden hatten sich in den Achtzigern über eine Zeitungsannonce kennengelernt und zusammen mit Baxxters Schwester Britt die Synthiepop-Band Celebrate the Nun gegründet, mit der sie vergeblich versuchten, an den Erfolg britischer Gruppen wie Joy Division oder New Order anzuknüpfen. Erst mit Scooter gelang dem Duo der Durchbruch – zu einem Zeitpunkt, als die beiden schon gar nicht mehr damit rechneten. Baxxter arbeitete damals als Telefonverkäufer bei der Plattenfirma Edel, Jens Thele, der bis heute die Band managt, war sein Chef. „Ich hatte mir geschworen, mich nie wieder auf eine Bühne zu stellen. Mir schwebte vielmehr so ein lässiges Produzenten-Sesselfurzer-Dasein in meinem Studio vor – ohne Reisen und den ganzen Stress“, erinnert sich Baxxter. Es kam anders, und Baxxter wurde doch noch Popstar.

Heute besitzt der Frontmann eine Jugendstilvilla, sammelt antike Möbel und Edelkarosserien und führt gelegentlich mit der Musikzeitschrift „Spex“ Interviews über Kunstsprache. Bei der diesjährigen Silvesterparty am Brandenburger Tor spielte Scooter vor Hunderttausenden, direkt nach dem großen Feuerwerk. Davor hatte der Volksmusiker Heino auf der größten Jahresabschlussfeier der Republik seine Stücke zum Besten gegeben. Ganz schön gruselig, diese Kombination. Aber irgendwie auch ziemlich hyper hyper.




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