Alles bleibt wie gehabt: der Südwestrundfunk hat die Höhepunkte seines Jahresprogramms 2014 vorgestellt. Er will multinational und andererseits natürlich regional sein.
Stuttgart - Sie werden auch nicht jünger“, sagt ihr die Kollegin ins Gesicht. Das sitzt. Selbst einer Lena Odenthal fällt zu so viel Unverblümtheit erstmal nichts mehr ein. Aber es stimmt ja: Seit nunmehr 25 Jahren steht die Ludwigshafener Kommissarin in treuen „Tatort“-Diensten – so lange wie sonst kein anderer ihrer Ermittlerkollegen, die am Sonntagabend nach der „Tagesschau“ im Einsatz sind. 25 Jahre, die auch an der gut trainierten Ulrike Folkerts nicht spurlos vorüber gegangen sind. Ihren sechzigsten Fall, mit dem die ARD das Dienstjubiläum der sportiv-herben SWR-Kommissarin begeht (ARD, 26. Oktober), muss Odenthal ohne den Kollegen Kopper lösen, das macht die Angelegenheit nicht leichter, zumal für Kopper eine sehr eigensinnige Vertretung einspringt. In der Folge „Blackout“ dürften der altgedienten Ermittlerin jedenfalls ein paar graue Haare wachsen.
Kopper alias Mario Hoppe sei jedoch lediglich im Urlaub – und der Ausfall keinesfalls als „Vorstufe zum Vorruhestand“ zu werten, entgegnete der SWR-Intendant Peter Boudgoust bei der gestrigen Jahrespressekonferenz in Stuttgart auf die Frage, ob der SWR womöglich über eine dauerhafte Personalverjüngung im Ludwigshafener Kommissariat nachdenke – eine Alterskorrektur, wie sie ja bei etlichen anderen „Tatort“-Regionalteams in jüngster Zeit vollzogen worden ist.
Man hält Bewährtem die Treue
Aber nein: beim Südwestrundfunk hält man Bewährtem weiterhin die Treue, wie der Streifzug durch die Programmhöhepunkte 2014 offenbarte. Als Leitmotive nannte Peter Boudgoust die „regionale Ausrichtung“ und „eine moderne Anmutung“; der Fernsehdirektor Christoph Hauser versprach „mehr Themen aus dem Südwesten für die Menschen aus dem Südwesten“. Also alles wie gehabt beim SWR.
So setzt man auch in diesem Jahr bei den großen Fernsehfilmen, die im Ersten laufen, weiterhin auf die Kombination aus zeitgenössischen, gesellschaftlich brisanten und historischen Stoffen aus der Region. In dem in und um Rastatt entstandenen Drama „Ein offener Käfig“ mit Oliver Mommsen und Martin Feifel etwa versetzt ein aus der Haft entlassener Sexualstraftäter, der bei seinem Halbbruder unterkommt, eine ganze Kleinstadt in Panik. „Clara Immerwahr“ hingegen erzählt die scheiternde Emanzipationsgeschichte der ersten deutschen Chemikerin, dargestellt von Katharina Schüttler, die mit dem Karlsruher Professor Fritz Haber verheiratet war – dem Mann, der das Giftgas entwickelte, das im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Der historische Fernsehfilm ist zugleich Bestandteil des großen 1914-Schwerpunkts, mit dem der SWR an den Kriegsbeginn vor hundert Jahren erinnert. Auf Arte (29. April bis 13. Mai) und in der ARD (27. bis 28. Mai) will das mehrteilige Doku-Drama „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ die Schicksale von vierzehn Soldaten, Hausfrauen, Jugendlichen und Kindern ins Gedächtnis rufen, welche die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts miterlebten und in Tagebüchern und Briefen beschrieben. Das Besondere daran sei die „multinationale Perspektive“; für die Spielszenen standen Schauspieler vieler Nationen vor der Kamera.
Das Regionale hat Gesetzesrang
Die Verengung des Blickwinkels aufs Regionale ist hingegen im reformierten Vorabend Gesetz. Von 31. März an werde das Programmangebot vor 20 Uhr für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vereinheitlicht und die Woche mittels Themenrubriken übersichtlicher strukturiert. Die um 15 Minuten verlängerten Nachrichten „Landesschau aktuell“ gehen erstmals im Herbst auf Sendung. Und freilich steuert der SWR auch einen der Regionalkrimis bei, mit der die ARD seit geraumer Zeit unseligerweise ihr Programm flutet: „Frauchen oder die Deiwelsmilch“ (ARD. 10. April). An dieser Stelle ist dem Intendanten dann doch eine Überraschung gelungen: Schwärmte er doch unverhohlen für die Hauptdarstellerin Daniela Katzenberger, die eine Kleinstadt-Bankerin in der Vorderpfalz mimt und einen herrenlosen Dackel unter ihre Fittiche nimmt. Sie habe „beeindruckend gespielt“ und bewiesen, dass sie mehr könne als Trash-TV, so Boudgoust.
Ach ja: wirklich journalistisch oder künstlerisch spannende Projekte gehören auch zur „Produktpalette“ des SWR. Jörg Armbruster und Richard C. Schneider zeigen in der Dokumentation „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – Der neue Nahe Osten“, was die Umwälzungen in dieser Region für die Menschen bedeuten (ARD, 31. März); Martin Durm berichtet in einer Radioreportage über die libanesische Bekaa-Ebene, in der Hunderttausende syrische Flüchtlinge gestrandet sind (SWR 2, 21. März). Und ebenfalls fürs Radio wurde Alfred Döblins Erzählwerk „November 1918“ als Hörspiel bearbeitet.