Das Projekt "Ich bin BW" Twittern fürs Ländle: Jede Woche darf ein anderer ran

Von Henrik Lerch 

Was Schweden oder München können, können wir auch: Beim Projekt "Ich bin BW" zeigen wechselnde Twitterer die schönen Seiten Baden-Württembergs - diese Woche stellt André Dietenberger den Followern Stuttgart vor.

Was Schweden oder München können, können wir hier auch: Beim Projekt "Ich bin BW" zeigen wechselnde Twitterer die schönen Seiten Baden-Württembergs - diese Woche stellt André Dietenberger den Followern Stuttgart vor. Hier einige ... Foto: SIR/Screenshot 10 Bilder
Was Schweden oder München können, können wir hier auch: Beim Projekt "Ich bin BW" zeigen wechselnde Twitterer die schönen Seiten Baden-Württembergs - diese Woche stellt André Dietenberger den Followern Stuttgart vor. Hier einige ... Foto: SIR/Screenshot

Stuttgart - Die neue Stuttgarter Stadtbibliothek wird auch "Stammheim 2" genannt. In der Lampe des Nachtwächterbrunnens im Bohnenviertel brannte die erste öffentliche Glühbirne in Stuttgart. Über 762 Stufen geht's den Fernsehturm hoch - nützliche Informationen wie diese über die Stadt Stuttgart teilt momentan André Dietenberger allen mit, die es lesen wollen. Im sozialen Netzwerk Twitter.

Denn Dietenberger, der seit Längerem bereits privat fleißig twittert, ist seit Montag, 14. Januar, für eine Woche (also bis zum Sonntag, 20. Januar) für den Twitter-Account der Aktion "Ich bin BW" verantwortlich. Er ist Baden-Württemberg, sieben Tage lang.

"Die Idee dazu kommt ursprünglich aus Schweden", erklärt der 35-Jährige, "und hinter ihr steckt, dass im Rotationsprinzip jede Woche ein anderer Mitbürger erzählt, wie schön es ist." In Schweden oder in London, in München, in Wuppertal oder eben in Baden-Württemberg. Projekte dieser Art unter dem Begriff "Rotation Curation" gibt es inzwischen auf der ganzen Welt.

"Ich möchte zeigen, wie toll es hier im Ländle ist und wie ich Stuttgart sehe", sagt Dietenberger, der für die Aktion die Follower auf einen Stadtrundgang durch Stuttgart mitnimmt, ihnen viele Sehenswürdigkeiten zeigt und reichlich Nachrichten auf Twitter postet, manchmal gar alle paar Minuten. Drei Tage Resturlaub hatte er noch, die investiert er gerne für das Twitter-Projekt. "Ich will noch zur SSB und ins Porsche- oder Mercedes-Museum", sagt Dietenberger. "Vielleicht auch hoch zur Messe auf die CMT. Mal schauen."

"Wir sind unabhängig. Und das ist auch gut so"

Sehr zufrieden mit "seinem" Twitterer Dietenberger kann Oliver Gassner sein. Der Mann aus Steißlingen am Bodensee arbeitet hauptberuflich als Kommunikationsberater fürs Web - und nebenberuflich hat er "Ich bin BW" ins Leben gerufen. "Das große Vorbild ist Schweden, ganz klar. Aber eher organisatorisch, nicht unbedingt inhaltlich", sagt er. Den @sweden-Tweets folgen über 67.000 Menschen, angefangen wurde im Land von Abba und Pippi Langstrumpf damit im Dezember 2011. Der Baden-Württemberg-Account hat aktuell 266 Follower (Stand: 16. Januar, 11 Uhr).

Was die wechselnden Twitterer posten - zur Übergabe muss lediglich das Profilpasswort weitergegeben werden -, ob und welche Fotos sie machen, welche Texte sie verlinken und so weiter, ist ihnen komplett selbst überlassen. "Wir sind unabhängig. Und das ist auch gut so. Ich habe mir nie Zielvorgaben gemacht, weder was die Tweets noch was die Anzahl der Follower angeht", sagt Gassner, der einige Jahre in Vaihingen an der Enz gewohnt hat. Nun freut er sich bei dem Projekt besonders auf "die Neckereien zwischen Schwaben und Badenern" und sagt: "Jeder ist hier herzlich willkommen."

Die wenigen Regeln, die eingehalten werden sollten, stehen klar und deutlich auf der Homepage. "Ich sehe das entspannt und lasse mich von meinem Vertrauen leiten. Und von meinem Netzwerk. Denn wenn plötzlich irgendwas komisch wäre, wenn etwa beleidigende Nachrichten veröffentlicht werden, dann würde innerhalb von Minuten mein Handy klingeln. Da bin ich mir sicher."

"Ich finde toll, dass Minister Bonde uns auf Twitter folgt"

Mit dem Land ist Gassner wegen einer Zusammenarbeit für die Twitter-Aktion, die sich bislang als niedliche Ländle-PR darstellt, in Gesprächen gewesen. Die Idee ist gar bei einem vom Staatsministerium angeregten Bloggertreffen entstanden. "Das @bwjetzt-Team beobachtet sehr genau, was wir tun und wir sind in Kontakt", so Gassner. "Es gibt aber keine organisatorische Verbindung, Vorgaben oder Regeln.

So war es dann Frederik Proß aus Eisingen im Enzkreis, der am 31. Dezember 2012 als erster "inoffizieller Twittersprecher des Ländles" ran durfte. Am 7. Januar übernahm der Stuttgarter Jan Theofel (32) und nun ist André Dietenberger, der als IT-Berater im Gesundheitswesen sein Geld verdient und ursprünglich aus Friedrichshafen kommt, an der Reihe. Interessierte Twitterer können auf der Homepage ein Formular ausfüllen und sich bewerben.

Und nun? Was oder wen wünscht sich Oliver Gassner für seine Baden-Württemberg-Tweets? "Ach, da fällt mir jetzt so direkt kein Prominenter ein. Ich finde es schon toll, dass Agrarminister Alexander Bonde uns auf Twitter folgt. Aber klar wäre es schon schön, wenn beispielsweise Stuttgarts OB Fritz Kuhn bei uns mal mitmachen würde. Ich hätte nur eine Bedingung", so Gassner, "er müsste dann aber auch wirklich selbst twittern."

Passend dazu hat auch André Dietenberger Pläne für die Twitter-Zukunft: "Ein eigener Stuttgart-Account - nach dem Motto: "Wir lieben Stuttgart" - wäre eine gute Idee. Warum denn nicht? Ich warte aber erstmal ab, wie viel Resonanz es hier in dieser Woche auf meine Tweets gibt."