Das Stuttgarter Wein-Quartett Ein Tropfen fürs nostalgische Besengefühl

Den Neckar auf dem Etikett: Ein Besenwein der gehobenen Kategorie. Foto: Kathrin /Haasis
Den Neckar auf dem Etikett: Ein Besenwein der gehobenen Kategorie. Foto: Kathrin /Haasis

Das Wein-Quartett stellt jede Woche einen Wein vor, heute ist Michael Weier an der Reihe, der sich nach der Nähe und Geselligkeit einer Besenwirtschaft sehnt. Dies mit einem Tropfen von einer solchen, einem ziemlich guten!

Stuttgart - Das Prinzip der Besenwirtschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert. Früher wurde das Wohnzimmer für die Gäste ausgeräumt, heute laufen die Besen meist in eigenen Räumen, oft sogar mit einer Gaststättenkonzession – fast wie normale Wirtshäuser. In Poppenweiler hat die Familie Kutterer zum Beispiel ein Blockhaus am Aussiedlerhof gebaut, dort steht nun die rustikal-holzige Variante der Besenwirtschaft.

Das Prinzip des Besens besteht

Was sich damit und auch bei anderen Besen nicht verändert hat, ist das Prinzip dieser Lokalität: Ein Besen verspricht in jedem Fall Nähe und Geborgenheit. Wer einen vollen Besen betritt und stutzt, den wird der Wirt immer an einen Tisch schleusen und dort mit schwäbischem Charme zu den anderen Gästen sagen: „Rutschad zsamma!“ Und so knarzig der Schwabe sein kann, nach dem zweiten Viertele duzt sich hier jeder und erzählt dem unbekannten Nachbarn aus dem Leben.

Herrlicher Wein aus dem Hofladen

Genau dieses Gefühl ist es, das so sehr fehlt. Nähe. Geselligkeit. Genau diese trinke ich mir heute mit einer Cuvée (Merlot und Lemberger) von der Familie Kutterer herbei. Ein feiner Tropfen, sehr klar, mit Aromen von Kirsche und etwas Schokolade und einer leichten Kräutrigkeit vom Lemberger. Als ich den im Hofladen erstanden habe und gegangen bin, lief mir zufällig ein Mann über den Weg und sprach mich an, als säßen wir im Besen. „Doa hen se sich aber was richtig Guats glaischdat!“

Das Urteil der Weinrunde

Kathrin Haasis Der Merlot liefert Kirsch- und Schokoaromen. Dass der Wein nicht wie Mon Chérie schmeckt, dafür sorgt der Lemberger mit erdiger Bodenständigkeit. Eine gelungene Kombination!

Holger Gayer Ja, dieser Merlot kann durchaus zum Wohlbefinden in diesen trüben Tagen beitragen. Mit seinen Tabak-, Kirsch- und Kakao-Aromen macht er Lust auf den zweiten Schluck.

Harald Beck Keine Frage, das Feeling des Besens fehlt heftig. Und Wein macht allein auch nicht glücklich. Der Cuvée aus Poppenweiler verzeiht man da gern den etwas hohen Grad fruchtiger Harmonie.

Der Service zum Wein

Poppenweiler Neckarhälde, Merlot und Lemberger 2018, 15 Euro, Weingut Kutterer, Grasiger Weg 2/1, Telefon 0 71 44 / 1 71 17.

www.blockhausbesen.de




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